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Bundeswehr muss Evakuierungsflüge vorerst aussetzen – weitere 139 Menschen ausgeflogen

Bundeswehr muss Evakuierungsflüge vorerst aussetzen – weitere 139 Menschen ausgeflogen

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Bundeswehr muss Evakuierungsflüge vorerst aussetzen – weitere 139 Menschen ausgeflogen

Die Bundeswehr hat weitere 139 Menschen aus Kabul in Sicherheit gebracht. Ein vierter Flug in der Nacht wurde ausgesetzt. Für heute sind vier Evakuierungsflüge geplant. Alle Informationen im Blog.

Die Taliban haben binnen weniger Tage den Großteil Afghanistans und die Hauptstadt Kabul eingenommen – und damit offenkundig die Nato-Staaten überrascht. Einzig der Flughafen in der Hauptstadt ist noch unter US-Kontrolle. Die Bundesregierung hat eine eilige Evakuierungsaktion gestartet, um deutsche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte in Sicherheit zu bringen. 

Die fortlaufenden Ereignisse lesen Sie hier im Blog:

AKK will Auslandseinsätze der Bundeswehr überprüfen

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) will nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan die Auslandseinsätze der Bundeswehr überprüfen. „Wir müssen aus diesem Einsatz unsere Lehren ziehen.

Deshalb werden wir die anderen Auslandseinsätze der Bundeswehr dahingehend überprüfen, ob wir gut aufgestellt sind und was wir möglicherweise besser machen müssen“, sagte Kramp-Karrenbauer der Zeitung „Rheinische Post“. „Wir sollten dabei auch anerkennen, was die Bundeswehr in den letzten 20 Jahren geleistet hat.“ 

2.09 Uhr: Bundeswehr muss Evakuierungsflüge aussetzen

Die Bundeswehr muss mangels Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen in Kabul die Evakuierungsflüge nach Usbekistan vorübergehend einstellen. Der Grund sei die momentan fehlende Verfügbarkeit der Flughafenfeuerwehr in Kabul“, teilte die Bundeswehr auf Twitter mit.

Um den nicht durchgeführten Flug zu kompensieren, seien für Mittwoch vier Flüge nach Kabul vorgesehen.

2 Uhr: Österreich will keine Menschen aus Afghanistan aufnehmen

Österreich ist nach der Machtübernahme durch die Taliban nicht bereit, künftig zusätzliche Geflüchtete aus Afghanistan aufzunehmen. „Es gibt keinen Grund warum ein Afghane jetzt nach Österreich kommen sollte“, sagt Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) der Zeitung „Welt“ vor den Beratungen der EU-Innenminister am Mittwoch.

Nehammer forderte, die Nachbarstaaten Afghanistans bei der Aufnahme von Flüchtlingen in die Pflicht zu nehmen. „Das heißt, oberste Priorität ist jetzt mit den Nachbarländern von Afghanistan zu reden, damit Schutz und Hilfe in der Region sichergestellt ist – ganz im Sinne der Genfer Konvention. „Abschiebezentren in der Region rund um Afghanistan wären eine Möglichkeit.“

1 Uhr: Dritte Bundeswehr-Maschine mit Evakuierten in Taschkent gelandet

In der usbekischen Hauptstadt Taschkent ist in der Nacht zu Mittwoch die dritte Bundeswehr-Maschine mit aus Kabul evakuierten Deutschen und Ortskräften gelandet. Das teilte die Bundeswehr am frühen Mittwochmorgen via Twitter mit. „Von dort aus wird die Weiterreise der über 135 evakuierten Personen vorbereitet“, hieß es weiter. An diesem Mittwoch seien vier weitere Flüge nach Kabul vorgesehen, um einen am Vortag nicht durchgeführten Flug zu kompensieren. Momentan sei die Flughafenfeuerwehr in Kabul nicht verfügbar.

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Laut Auswärtigem Amt werden die Menschen von Taschkent am Mittwoch mit der Lufthansa weiter nach Deutschland gebracht. Das Verteidigungsministerium teilte auf Twitter mit, nunmehr seien mehr als 260 Personen aus Afghanistan ausgeflogen worden. „Und wir evakuieren solange es geht weiter“, betonte das Ministerium.

1.00 Uhr: UNHCR will trotz Taliban-Herrschaft bleiben

Das Hilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) will trotz der dramatischen Sicherheitslage und der Evakuierung zahlreicher westlicher Botschaften in Afghanistan weiterarbeiten. „Wir wollen im Land bleiben, weil die Menschen dort jetzt mehr denn je Hilfe brauchen. Mit anderen humanitären Organisationen zusammen wollen wir, im Einklang mit humanitären Grundsätzen der Neutralität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit, in Afghanistan bleiben und humanitäre Hilfe leisten“, sagt die UNHCR-Deutschlandchefin, Katharina Lumpp, der Zeitung „Welt“.

Man konzentriere sich dabei auf „die Unterstützung von Vertriebenen und anderen Menschen in Not in Afghanistan, solange wir Zugang zu ihnen haben und so gut wir das in dieser schwierigen Situation, die sich noch dazu ständig verändert, können“. Nach Angaben des UNHCR arbeiten derzeit rund 200 Mitarbeiter in Afghanistan.

23.55 Uhr: Großbritannien will bis zu 5.000 Afghanen aufnehmen

Großbritannien will zunächst bis zu 5.000 Afghanen aufnehmen, die vor den Taliban fliehen. Im Rahmen dieses Programms sollen vor allem Frauen, Mädchen und Mitglieder von religiösen Minderheiten nach Großbritannien einreisen dürfen, sagt Innenministerin Priti Patel. Langfristig könne das Programm auf bis zu 20.000 Personen ausgeweitet werden.

23.40 Uhr:  USA – Videoschalte wegen Afghanistan mit G7-Partnern kommende Woche

Wegen der aktuellen Lage in Afghanistan wollen die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten nach Angaben von US-Präsident Joe Biden in einer Videokonferenz beraten. Die Schalte in der kommenden Woche hätten Biden und Großbritanniens Premier Boris Johnson in einem Telefonat vereinbart, teilte das Weiße Haus am Dienstag mit.

22.26 Uhr: Rund 130 Evakuierte auf dem Weg nach Deutschland

Die erste Lufthansa-Maschine mit Evakuierten aus Afghanistan an Bord ist am Dienstagabend vom Bundeswehr-Drehkreuz im usbekischen Taschkent Richtung Frankfurt am Main gestartet. Nach dpa-Informationen sind rund 130 Menschen an Bord.

22.10 Uhr: Borrell: EU wird mit den Taliban sprechen müssen

Die Europäische Union wird nach den Worten des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell mit den radikalislamischen Taliban in Afghanistan Gespräche führen müssen. „Die Taliban haben den Krieg gewonnen, also werden wir mit ihnen sprechen müssen“, sagte Borrell am Dienstag nach einem Dringlichkeitstreffen der EU-Außenminister. Dies bedeute nicht, dass ihre Herrschaft schnell offiziell anerkannt werden müsse.

Die EU werde „so schnell wie nötig in einen Dialog treten, um ein humanitäres und potenzielles Flüchtlings-Desaster“ zu verhindern. Dabei werde es auch um die Mittel gehen, um eine Rückkehr ausländischer Terroristen nach Afghanistan zu vermeiden, fügte Borrell hinzu. „Das ist keine Frage offizieller Anerkennung, es ist eine Frage des Umgangs mit ihnen.“

Die EU müsse außerdem mit den Taliban sprechen, um zu erreichen, dass afghanische Ortskräfte der EU und ihre Familien den Flughafen von Kabul erreichen könnten. Zur Sicherstellung der Ausreise von Zivilisten aus Afghanistan verhandeln auch die Regierungen Deutschlands und der USA direkt mit den radikalislamischen Taliban.

22.20 Uhr: Ortskräfte kommen nicht an Kabuler Flughafen – Gespräche mit Taliban

Die Bundesregierung sucht den Kontakt zu den Taliban, um die Ausreise von Ortskräften aus Afghanistan zu ermöglichen. Der ehemalige Sonderbeauftragte der Bundesregierung für Afghanistan, Markus Potzel, sei auf dem Weg nach Katar, sagte Außenminister Heiko Maas am Dienstag in Berlin. Potzel hatte schon in der Vergangenheit an den Friedensverhandlungen zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung in der katarischen Hauptstadt Doha teilgenommen. „Er wird ab heute Abend dort sein und damit selber auch die Möglichkeit haben, Gespräche zu führen“, sagte Maas. Hier lesen Sie mehr.

Bidens Zustimmungswerte auf Tiefststand

Einer Reuters/Ipsos-Umfrage vom Montag zufolge befürworten noch 46 Prozent der US-Bürger die Politik von Präsident Joe Biden. Das ist ein Rückgang von sieben Prozentpunkten und der tiefste Stand seit der Amtsübernahme im Januar. Für eine Fortsetzung des Militäreinsatzes in Afghanistan sind demnach 34 Prozent der Befragten. Doppelt so viele – 68 Prozent – sind der Meinung, dass der Krieg so oder so ein schlechtes Ende genommen hätte.

22.23 Uhr: Leiche in Radkasten von Evakuierungsmaschine gefunden

Die US-Luftwaffe kündigt nach dem Fund einer Leiche in einem Radkasten eines Evakuierungsflugzeugs eine Untersuchung an. Die C-17 sei am Montag in Kabul gelandet und auf dem Rollfeld von Hunderten afghanischen Zivilisten umstellt worden, heißt es in einer Erklärung. „Angesichts der sich rapide verschlechternden Sicherheitslage rund um das Flugzeug beschloss die C-17-Besatzung, den Flugplatz so schnell wie möglich zu verlassen.“ Hier lesen Sie mehr.

22.05 Uhr: Dritte Evakuierungsmaschine in Kabul gestartet

In der afghanischen Hauptstadt Kabul ist am Dienstagabend eine dritte Maschine zur Evakuierung von Deutschen und Ortskräften gestartet. An Bord seien 139 Menschen, teilte Außenminister Heiko Maas (SPD) im „heute journal“ des ZDF mit. Eine weitere Maschine stehe bereit. „Im Moment sind die Tore am Flughafen geschlossen, sobald die wieder geöffnet sind, werden wir diesen Betrieb fortsetzen“, so Maas.

21.40 Uhr: Bericht: Taliban hindern Menschen mit Gewalt an Zugang zu Flughafen

Mit Schüssen, Peitschen und Stockhieben sollen Taliban-Kämpfer gegen Afghanen vorgehen, die versuchen, zum Flughafen zu gelangen. Das berichtet ein Journalist der „Los Angeles Times“ auf Twitter, der nach eigenen Angaben selbst Augenzeuge war. Bilder des Vorfalls zeigen mehrere schwer verwundete Menschen, auch eine Frau und ein Kind. Inzwischen soll der Zugang zum Flughafen komplett abgesperrt sein, das berichtet die „Bild“.

21.09 Uhr: USA: Waffen des afghanischen Militärs teils in Händen der Taliban

Waffen und andere Ausrüstung der afghanischen Sicherheitskräfte sind nach US-Angaben nun zum Teil in den Händen der Taliban. Es gebe zwar keine genaue Liste dazu, wo sich nun alle militärischen Gegenstände befänden, aber ein „ordentlicher Anteil“ davon sei an die Taliban gefallen, sagte US-Präsident Joe Bidens nationaler Sicherheitsberater, Jake Sullivan. „Und wir haben natürlich nicht den Eindruck, dass sie diese bereitwillig am Flughafen an uns übergeben werden“, sagte Sullivan am Dienstag.

20.12 Uhr: US-Generalinspekteur: USA hatten „Unkenntnis“ über Afghanistan

Die US-Regierung hat während ihres Einsatzes in Afghanistan einem Bericht zufolge wenig Kenntnis über das Land gehabt und demzufolge zahlreiche Fehlentscheidungen getroffen. „Die Unkenntnis der vorherrschenden sozialen, kulturellen und politischen Gegebenheiten in Afghanistan hat erheblich zu den Fehlern auf strategischer, operativer und taktischer Ebene beigetragen“, hieß es in einem Dienstag veröffentlichtem Bericht des US-Generalinspekteurs für den Wiederaufbau in Afghanistan (Sigar).

Die US-Regierung sei zum Beispiel fälschlicherweise davon ausgegangen, dass die Herausforderungen mit Blick auf Staatsführung im Irak und Afghanistan ähnlich seien. „Tatsächlich waren sie es nicht“, heißt es in dem Bericht. Die Autorinnen und Autoren nennen auch ein Beispiel für verfehlte Planung: Die Konstruktion einiger von den USA finanzierter Schulen habe für die Installation des Daches einen Kran vorgesehen. „Aber Kräne konnten in dem bergigen Gelände, das für viele Teile des Landes charakteristisch ist, nicht eingesetzt werden“, heißt es.

20.06 Uhr: US-Berater – Evakuierungen könnten bis Ende August weitergehen

Dem Nationalen Sicherheitsberater der USA zufolge könnten die Evakuierungen aus Kabul bis zum 31. August weitergehen. Man führe Gespräche mit den Taliban über einen Zeitplan, sagt Jake Sullivan. Diese hätten für Zivilisten freien Zugang zum Flughafen zugesichert.

19.49 Uhr: Verbände: Archäologen in Afghanistan „in äußerster Gefahr“

Mit Deutschland verbundene Archäologen in Afghanistan sind nach Einschätzung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und zahlreicher Archäologie-Verbände „in äußerster Gefahr“. In einem gemeinsamen Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) setzen sich die sieben Kultur-Organisationen ein für „unsere Kollegen in Afghanistan, die sich jahrelang mit Ihrer Unterstützung um den Erhalt des Kulturerbes Afghanistans bemüht haben“.

19.31 Uhr: Deutschland will mit Taliban-Vertretern sprechen

Die Bundesregierung will sich in Gesprächen mit Taliban-Vertretern um Ausreisemöglichkeiten für einheimische Ortskräfte in Afghanistan bemühen. Der deutsche Botschafter in Kabul, Markus Potzel, sei in die katarische Hauptstadt Doha gereist, wo US-Vertreter mit Taliban-Repräsentanten im Gespräch sind, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Dienstagabend in Berlin.

Der Diplomat wolle in seinen Gesprächen in Doha darauf hinwirken, „dass auch Ortskräfte sich an den Flughafen begeben können und auch ausgeflogen werden können“, sagte Maas. Bislang können nach seinen Angaben nur ausländische Staatsbürger die Taliban-Kontrollposten auf dem Weg zum Flughafen der Hauptstadt Kabul passieren, afghanische Bürger würden zurückgewiesen.

18.34 Uhr: Maas: Werden 180 Menschen heute noch ausfliegen können

Deutschland kann nach Angaben von Außenminister Heiko Maas am Dienstag noch 180 Menschen aus Kabul ausfliegen. Diese Personen befänden sich bereits am Flughafen, sagt Maas in Berlin. „Im Moment hat sich vor den Toren des Flughafens die Situation noch einmal etwas verändert. Es gibt wohl durchaus auch Gefahrensituationen.“ Deshalb sei der Zugang zu dem Tor erschwert. Die Taliban ließen nur ausländische Staatsbürger zum Flughafen vor, Ortskräfte und andere Afghanen könnten nicht zum Flughafen gelangen. „Wir werden aber diese 180 Personen, die im Flughafen sind, mit den Maschinen, die zur Verfügung stehen, auf jeden Fall heute noch ausfliegen können.“

18.20 Uhr: Tschechiens Präsident prognostiziert wachsendes Misstrauen gegen Nato 

Tschechiens Präsident Milos Zeman spricht von einem Versagen der Nato in Afghanistan, das die Legitimität der Allianz infrage stelle. Das Misstrauen einer Reihe von Mitgliedsstaaten werde wachsen, erklärt er in einem im Internet veröffentlichten Interview. „Sie werden sagen: Wenn ihr in Afghanistan versagt habt, wie könnt ihr garantieren, dass ihr nicht in einer anderen kritischen Situation versagen werdet?“ heißt es weiter. „Da Investitionen in die Nato irgendwie Geldverschwendung sind, sollten sich unsere Militärausgaben auf die nationalen Verteidigung konzentrieren.“ Zema ist für eine pro-russische und pro-chinesische Haltung bekannt.

18.14 Uhr: Laschet fordert Koordinierung der Außenpolitik im Kanzleramt

Als Lehre aus der Afghanistan-Entwicklung muss nach Ansicht von Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet die Koordinierung der Außen- und Sicherheitspolitik im Kanzleramt konzentriert werden. „Trotz Widerspruch der SPD bleibe ich dabei: Deutschland braucht einen Nationalen Sicherheitsrat“, twittert der CDU-Chef. Man müsse stärker vorausschauend Politik betreiben, wozu ein besseres Lagebild aus allen verfügbaren Bereichen gehöre. Zudem müssten alle Akteure an einem Tisch sitzen, damit es keinen Streit über Zuständigkeiten gebe. „Die Bedrohungen, mit denen wir es zu tun haben, sind nicht nur militärisch, sondern betreffen etwa auch die Themen Klima, Handel, Gesundheit und Entwicklung“, schreibt Laschet. Nötig sei eine nationale Sicherheitsstrategie, auf die sich die gesamte Bundesregierung einigen müsse. Die SPD hatte den von der Union vorgeschlagenen Nationalen Sicherheitsrat abgelehnt.

18.11 Uhr: Erste Evakuierte aus Kabul zurück in Deutschland

Die ersten Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Kabul sind nach ihrer Evakuierung aus Afghanistan zurück in Deutschland. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur landeten sie am Dienstagnachmittag mit einer Linienmaschine auf dem Berliner Hauptstadtflughafen in Schönefeld. Mehr dazu hier.

18.03 Uhr: Kramp-Karrenbauer lehnt Rücktritt ab

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) lehnt einen Rücktritt angesichts der Ereignisse in Afghanistan ab. „Ich scheue mich vor keiner politischen Diskussion, schon gar nicht im Wahljahr. In diesem Moment steht aber die Rettung der Menschen im Vordergrund“, sagte sie der „Rheinischen Post“ laut Vorabbericht vom Dienstag. Sie konzentriere sich mit den Männern und Frauen der Bundeswehr jetzt darauf, durch die Evakuierungs- und Rettungsaktion so lange wie möglich so viele Menschen wie möglich aus Afghanistan herauszubekommen.

18.02 Uhr: Fitnessstudio und Freizeitpark: Wie sich die Taliban in Kabul vergnügen

Während viele Menschen in Afghanistan um ihr Leben fürchten, vergnügen sich einige Taliban-Kämpfer in der kürzlich eroberten Hauptstadt. Die bizarren Videos gehen um die Welt. Mehr dazu hier.

18.01 Uhr: Entwuf – 600 Bundeswehr-Soldaten sollen nach Afghanistan

Die Bundesregierung strebt ein Mandat für einen befristeten Afghanistan-Einsatz zur Evakuierung an, das die Entsendung von bis zu 600 Soldaten erlaubt. Das geht aus einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Entwurf für das Bundeskabinett am Mittwoch hervor. „Zur Durchführung von konkreten Operationen kann, zum Zweck der Verlegung von Personal in unterstützender Funktion in angrenzende Räumen, die Personalobergrenze zeitlich befristet überschritten werden. Gleiches gilt in Notsituationen“, heißt es. Das Mandat soll bis zum 30. September befristet werden. Die Kosten würden „voraussichtlich insgesamt rund 40 Millionen Euro betragen“.

17.51 Uhr: Umfrage: Unterstützung bei US-Bürgern für Afghanistan-Abzug drastisch gesunken

In der US-Bevölkerung ist die Unterstützung für den Truppenabzug aus Afghanistan angesichts der Machtübernahme der Taliban und der chaotischen Lage drastisch zurückgegangen. Laut einer am Dienstag vom Nachrichtenportal „Politico“ veröffentlichten Umfrage befürworten nur noch 49 Prozent der Wähler den von Präsident Joe Biden angeordneten vollständigen Truppenabzug. Das sind 20 Prozentpunkte weniger als im April, als es 69 Prozent waren.

In der Umfrage gaben zudem nur 25 Prozent der Befragten an, der Abzug verlaufe gut. Die Umfrage unter 1.999 registrierten Wählern war von Freitag bis Montag geführt worden.

17.49 Uhr: Taliban-Sprecher: Frauenrechte im Rahmen der Scharia

Dem Taliban-Sprecher zufolge bekennt sich das islamische Emirat zu den Rechten von Frauen innerhalb der Scharia, dem islamischen Recht. Da die afghanischen Frauen Muslimas seien, würden sie auch froh sein, innerhalb des Rahmens der Scharia zu leben, sagt Sabihullah Mudschahid. Die Frauen in Afghanistan hätten das Recht, unter anderem an Bildung und der Gesundheitsversorgung teilzuhaben.

Auf die Frage, ob Frauen in den Medien arbeiten dürfen sollen, sagt der Taliban-Sprecher, zuerst sollten die Regierungsbildung und Einführung der Gesetze abgewartet werden. Dann könnten diese Gesetze und Vorschriften umgesetzt werden.

17.44 Uhr: Taliban-Sprecher: Afghanistan wird frei von Drogen werden

Afghanistan soll nach Darstellung des Taliban-Sprechers ein drogenfreies Land werden. Ab jetzt werde sich niemand am Drogenschmuggel beteiligen, sagt Sabihullah Mudschahid. Die Staatengemeinschaft solle dabei Afghanistan helfen, damit alternative Nutzpflanzen angebaut werden könnten.

17.29 Uhr: Merkel telefoniert mit Staatschefs zu Afghanistan

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat mit anderen europäischen Staatenlenkern eine enge Koordination bei den Evakuierungsflügen aus Afghanistan vereinbart. Wie Regierungssprecher Steffen Seibert am Dienstag mitteilte, telefonierte Merkel mit dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron, dem britischen Premierminister Boris Johnson, sowie dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi. Demnach vereinbarten sie eine „enge Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung vor Ort“ bei der Evakuierung von eigenen Staatsbürgern sowie afghanischen Ortskräften.

17.13 Uhr: Taliban-Vizechef Mullah Baradar in Kandahar gelandet

Nach der faktischen Machtübernahme der Taliban ist mit Mullah Abdul Ghani Baradar der bislang höchstrangige Vertreter der militanten Islamisten offiziell in Afghanistan eingetroffen. Eine Delegation unter der Leitung von Mullah Baradar sei am Nachmittag (Ortszeit) am Flughafen Kandahar gelandet, teilte ein Sprecher der Taliban am Dienstag auf Twitter mit. Mullah Baradar ist Vize-Chef der Bewegung und Leiter des politischen Büros der Taliban in Doha.

17.00 Uhr: Taliban-Sprecher: „Sind niemandem feindlich gesinnt“

Die Taliban haben sich zum ersten Mal auf einer Pressekonferenz in Kabul geäußert. Dort sicherten sie zu, dass sie niemandem feindlich gesinnt und Übersetzer und andere frühere Mitarbeiter ausländischer Staaten auf Befehl ihres Führers begnadigt seien, berichtet der afghanische Sender TOLOnews. „Wir wollen keine Feinde im In- oder Ausland“, sagte Sprecher Sabihullah Mudschahid. Außerdem sicherte er zu, dass ausländische Botschaften nicht in Gefahr seien. „Wir versichern der Welt, insbesondere den Vereinigten Staaten, dass sich Afghanistan nicht gegen andere wenden wird.“

Allerdings müssten andere Länder akzeptieren, dass die Afghanen eigene Gesetze und Werte festlegen. Diese seien zu respektieren. Zudem werde es nicht geduldet, wenn sich Medien in Afghanistan gegen den Islam richten würden.

16.57 Uhr: Pentagon: US-Militär am Flughafen spricht mit Taliban

Die Kommandeure der US-Truppen am Flughafen Kabul stehen nach Angaben des Pentagons in Kontakt mit den Taliban-Kämpfern außerhalb des Flughafengeländes. Es habe Gespräche gegeben, und „es gibt zwischen ihnen und uns eine Kommunikation“, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Dienstag. Solche Kontakte gebe es mehrmals pro Tag. Kirby wollte sich nicht zum Inhalt der Gespräche äußern. Er verwies aber darauf, dass es bislang keine Angriffe gegen die Mission der US-Truppen am Flughafen gegeben habe.

16.55 Uhr: Vize-Präsident Saleh erklärt sich zum Interimspräsidenten

Der Erste Vize-Präsident Afghanistans, Amrullah Saleh, ist nach eigener Darstellung der „legitime geschäftsführende Präsident“ des Landes. In einer Serie von Botschaften auf Twitter ruft er die Bevölkerung auf, sich „dem Widerstand anzuschließen“. Er selbst halte sich in Afghanistan auf und werde sich unter keinen Umständen den „Taliban-Terroristen“ unterwerfen. Im Gegensatz zu den USA und der Nato „haben wir unseren Mut nicht verloren und sehen große Chancen für die Zukunft“. Salehs Aufenthaltsort ist nicht bekannt.

16.40 Uhr: Lufthansa fliegt Gerettete weiter nach Frankfurt

Nach den ersten Evakuierungen aus Kabul übernimmt die Lufthansa den weiteren Transport der Menschen nach Deutschland. Bereits in der Nacht zum Mittwoch werde eine erste Maschine aus dem usbekischen Taschkent in Frankfurt erwartet, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Es handele sich um einen von der Bundesregierung gecharterten Langstreckenjet vom Typ Airbus A340.

Lufthansa werde in Absprache mit der Bundesregierung auch Evakuierungsflüge aus Doha in Katar und möglicherweise auch aus anderen Anrainerstaaten Afghanistans anbieten. Für die nächsten Tage sei eine noch unbekannte Zahl von Flügen geplant. Im regulären Linienverkehr fliegt die Lufthansa Usbekistan derzeit nicht an.

16.38 Uhr: Nato-Generalsekretär: Politische Führung in Kabul hat „versagt“

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat der früheren afghanischen Regierung die Schuld für die Niederlage gegen die radikalislamischen Taliban zugesprochen. „Das Versagen der afghanischen Führung hat zu der Tragödie geführt, die wir heute erleben“, sagte Stoltenberg am Dienstag in Brüssel nach einer Nato-Krisensitzung zur Lage in Afghanistan.

„Letztendlich hat die politische Führung Afghanistans es nicht geschafft, den Taliban die Stirn zu bieten und die friedliche Lösung zu erreichen, die die Afghanen unbedingt wollten“, betonte der Nato-Generalsekretär. Das Bündnis arbeite nun daran, die Sicherheit des verbleibenden zivilen Nato-Personals und der örtlichen Mitarbeiter zu gewährleisten.

16.26 Uhr: Weißes Haus: Derzeit rund 3.500 US-Soldaten am Flughafen Kabul

Das US-Militär ist am Flughafen Kabul nach Angaben des Weißen Hauses inzwischen mit rund 3.500 Soldatinnen und Soldaten im Einsatz. Das erklärte ein Vertreter der US-Regierung am Dienstag. Das Verteidigungsministerium erklärte, die Zahl werde im Lauf des Tages noch auf rund 4.000 ansteigen. In einigen Tagen sollen es dann bis zu 6.000 Soldaten sein. Am Flughafen seien auf dem militärischen und dem zivilen Teil wieder Starts und Landungen möglich, erklärte das Weiße Haus. Die Soldaten sollen die Sicherheit des Flughafens gewähren und die Evakuierung von Amerikanern und früheren afghanischen Mitarbeitern der US-Streitkräfte organisieren.

Afghanen am Flughafen von Kabul: Sie versuchen verzweifelt, das Land zu verlassen. (Quelle: Shekib Rahmani/AP/dpa)

16.01: Bundeswehrmaschine mit 125 Geretteten in Usbekistan gelandet

Die zweite Evakuierungsmaschine der Bundeswehr mit 125 Menschen aus Afghanistan an Bord ist am Dienstagnachmittag in Taschkent im Nachbarland Usbekistan gelandet. Das sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr der Deutschen Presse-Agentur, nachdem „Bild“ dies zuerst gemeldet hatte.

Von Usbekistan aus sollen die Menschen mit Sonderflügen der Lufthansa nach Deutschland gebracht werden, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas am Dienstag.

15.48 Uhr: Merkel setzt auf Nachbarländer

Nach der Machtübernahme der Taliban setzt Kanzlerin Angela Merkel im Fall einer größeren Fluchtbewegung zunächst einmal auf eine Unterbringung in den Nachbarstaaten Afghanistans. „Bevor man über Kontingente spricht, muss man erst mal über sichere Möglichkeiten für Flüchtlinge in der Nachbarschaft von Afghanistan reden“, sagte die CDU-Politikerin am Dienstag in Berlin. Dies werde sie noch am selben Tag mit UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi besprechen. „Dann kann man in einem zweiten Schritt darüber nachdenken, ob besonders betroffene Personen kontrolliert und auch unterstützt nach Europa und in die europäischen Länder kommen.“

15.47 Uhr: Stoltenberg: Rückkehr der Taliban erhöht Terrorgefahr

Die Rückkehr der Taliban erhöht nach Einschätzung von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg die Terrorgefahr. Die Militärallianz müsse wachsam bleiben. Er fordert die Taliban auf, sicherzustellen, dass Afghanistan nicht erneut zu einer Brutstätte für Terrorismus werde. „Die, die jetzt die Macht übernehmen, müssen gewährleisten, dass internationale Terroristen nicht Fuß fassen“, sagt er in Brüssel.

Stoltenberg forderte zudem, Lehren aus den jüngsten Ereignissen in Afghanistan zu ziehen. Die Frage sei, warum die afghanischen Streitkräfte, die man über so viele Jahre hinweg ausgebildet, ausgerüstet und unterstützt habe, nicht in der Lage gewesen seien, den Taliban stärker Widerstand zu leisten. Man sei sich bei der Abzugsentscheidung bewusst gewesen, dass es das Risiko einer Machtübernahme durch die Taliban gebe. Die Geschwindigkeit sei aber eine Überraschung gewesen. „Es müssen Lehren gezogen werden“, sagte Stoltenberg.

15.36 Uhr: Maas: Zwei weitere Evakuierungsflüge geplant

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) kündigte am Dienstag zwei weitere Evakuierungsflüge an. Die Lage am Flughafen in Kabul habe sich stabilisiert und die Bundeswehr sichere den Zugang. Im gesicherten Bereich des Flughafens in Kabul befinden sich laut Maas derzeit 100 weitere Personen.

Von Usbekistan aus sollen die geretteten Menschen mit Sonderflügen der Lufthansa nach Deutschland gebracht werden.

Heiko Maas: Der Außenminister hat weitere Flüge nach Kabul angekündigt. (Quelle: Annegret Hilse/Reuters)

15.33 Uhr: Russland fordert von Taliban „allumfassende Regierung“

Russland hat die bisherigen Zusicherungen der Taliban nach deren Machtübernahme in Afghanistan als ein „positives Signal“ gewertet. Russland sehe „hoffnungsvolle Signale von Seiten der Taliban“, dass sie bereit seien, andere politische Kräfte an einer Regierung zu beteiligen, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag in Kaliningrad. Er forderte eine „allumfassende Regierung“ in Kabul: Moskau unterstütze die Einleitung eines „nationalen Dialogs“ „unter Beteiligung aller politischen, ethnischen und religiösen Kräfte“.

Obwohl Russland die Taliban als „terroristische Organisation“ betrachtet, unterhält es seit mehreren Jahren Beziehungen zu ihnen. Erst im vergangenen Monat war eine Delegation der Taliban in Moskau. Im Gegensatz zu den meisten westlichen Ländern hält Russland zudem den Betrieb seiner Botschaft in Kabul aufrecht.

15.22 Uhr: Tschechischer Evakuierungsflug verlässt Kabul mit rund 90 Menschen

Ein zweiter Evakuierungsflug der tschechischen Armee aus Afghanistan hat am Dienstag Kabul verlassen. An Bord seien neben Botschafter Jiri Baloun und tschechischen Soldaten auch afghanische Ortskräfte mit ihren Familien, teilte Verteidigungsminister Lubomir Metnar bei Twitter mit. „Unsere Soldaten sind bis an die Grenze ihrer Möglichkeiten gegangen, um so viele Menschen wie möglich an Bord zu bringen“, fügte er hinzu. Insgesamt soll es sich um knapp 90 Personen handeln, darunter auch kleine Kinder. Die Bedingungen am Flughafen in Kabul wurden als „extrem kompliziert“ beschrieben. Bereits am Montag hatte ein erster Flug 46 Menschen nach Prag in Sicherheit gebracht.

15.12 Uhr: Merkel: Deutschland will möglichst viele Menschen aus Kabul retten

Trotz der schwierigen Lage am Flughafen in Kabul will die Bundesregierung noch möglichst viele besonders gefährdete Menschen aus Afghanistan retten. „Deutschland möchte noch sehr vielen Menschen helfen, die uns geholfen haben“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag nach einem Treffen mit der estnischen Ministerpräsidentin Kaja Kallas in Berlin. „Für uns ist es ganz wichtig, alles zu tun, um noch möglichst viele Menschen außer Landes zu bringen.“

14.25 Uhr: Zweites Rettungsflugzeug gestartet

Ein zweites Rettungsflugzeug mit 125 Menschen an Bord ist nach Angaben des Verteidigungsministeriums aus Kabul gestartet. Darunter seien „deutsche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte sowie weitere zu Schützende“, schreibt das Ministeriums auf Twitter. Ziel der Maschine ist Taschkent in Usbekistan.

14.20 Uhr: Merkel: Suchen Kontakt zu weiteren Personen

Deutsche Behörden versuchen nach Angaben von Kanzlerin Angela Merkel, Kontakt zu rund 1.000 Ortskräften im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit herzustellen, die aber teilweise nicht in Kabul seien. Dazu kämen die Helfer von Nichtregierungsorganisationen.

Der Grund, warum man diese zunächst nicht auf der Liste der zu Evakuierenden hatte, sei die Annahme gewesen, dass man die Entwicklungszusammenarbeit nach dem Abzug des Militärs zunächst fortsetzen könne, sagte Merkel. Dies sei nun nicht mehr möglich. Zudem kümmere man sich um Kontakte „zu Menschenrechtsaktivisten, die uns immer geholfen haben“. Man müsse sehen, wie viele man in den nächsten Tagen erreichen könne und ob diese zum Flughafen kommen könnten.

14.01 Uhr: Bericht: Etwa 120 Menschen im zweiten Rettungsflugzeug

Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, werden mit der zweiten Maschine rund 120 Menschen ausgeflogen. Darunter sind demnach Deutsche und Bürger aus Nato-Staaten. 

Normalerweise passen in den Airbus 114 Passagiere, jedoch wurde die Begrenzung aufgehoben. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte angekündigt, der Auftrag sei, so viele Menschen wie möglich auszufliegen. Mit der ersten Maschine wurden sieben Menschen ausgeflogen. 

13.52 Uhr: Auswärtiges Amt schickt E-Mail an Deutsche in Kabul

Das Auswärtige Amt hat den Deutschen in Kabul eine E-Mail mit Sicherheitshinweisen geschickt. „Im Laufe des Tages wird es voraussichtlich Evakuierungsmöglichkeiten aus Kabul mit der Bundeswehr und Flügen des US-Militärs geben“, zitiert die „Bild“-Zeitung aus der Mail. Aber: Man solle die Risiken abwägen, die der Weg zum Flughafen ergeben könne. „Im Einzelfall kann es angezeigt und sicherer sein, in der häuslichen Umgebung zu verbleiben und nach Beruhigung der allgemeinen Sicherheitslage zu einem späteren Zeitpunkt auszureisen.“

13.45 Uhr: USA wollen pro Tag 5.000 bis 9.000 Menschen evakuieren

Die USA rechnen damit, pro Tag 5.000 bis 9.000 Menschen aus Kabul ausfliegen zu können. Das sagt der Sprecher des Verteidigungsministeriums, John Kirby, dem Sender CNN. In den USA stünden drei Militärstützpunkte bereit, um in den kommenden Wochen bis zu 22.000 afghanische Helfer aufzunehmen. Seinen Angaben nach sichern rund 3.500 US-Soldaten den Kabuler Flughafen. Er warnt, jeder Angriff auf Menschen oder Abläufe am Flughafen werde sofort beantwortet.

13.40 Uhr: Brandenburg sagt Erstaufnahme afghanischer Ortskräfte zu

Brandenburg will die Erstaufnahme der ankommenden afghanischen Ortskräfte übernehmen. „Schnelle Hilfe ist jetzt entscheidend“, sagte der Brandenburger Innenminister Michael Stübgen (CDU). Die ersten Ortskräfte sollen demnach am Donnerstag eintreffen, die Zentrale Ausländerbehörde (ZABH) habe bereits alle notwendigen Vorbereitungen getroffen.

13.16 Uhr: Bundeswehr will offenbar mehr Soldaten an Flughafen Kabul verlegen

Die Bundeswehr will noch im Laufe des Dienstags mehr Soldaten an den Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul verlegen, um die Evakuierungsflüge der Luftwaffe abzusichern. Dies geht aus einem vertraulichen Sachstandsbericht des Bundesverteidigungsministeriums für den Bundestag hervor, welcher der Nachrichtenagentur AFP vorliegt. Die Soldaten sollen demnach vom Drehkreuz Taschkent im benachbarten Usbekistan nach Kabul verlegt werden.

„Es ist beabsichtigt, die zu evakuierenden Personen in mehreren Umläufen mit geschütztem militärischen Lufttransportraum von Kabul in das sichere Umfeld des Gastlandes Usbekistan auszufliegen und sie in einem weiteren Schritt von dort aus unter Federführung des Auswärtigen Amtes nach Deutschland zu verlegen“, heißt es in dem Dokument. Es ist gekennzeichnet als „VS – nur für den Dienstgebrauch“.

13.14 Uhr: Zweites deutsches Flugzeug gelandet

Die zweite Bundeswehrmaschine für die Evakuierungsaktion in Afghanistan ist auf dem Flughafen in Kabul gelandet. Das sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Dienstag in Berlin. „Der Auftrag an unsere Kräfte ist nach wie vor, solange es möglich ist, so viele wie möglich rauszufliegen.“ Dies gelte nicht allein für Deutsche oder afghanische Ortskräfte, sondern etwa auch für Menschen aus Partnerländer. „Wir nehmen alles mit, was vom Platz her in unsere Flugzeuge passt.“ 

12.59 Uhr: UNHCR fordert offene Grenzen für afghanische Flüchtlinge

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) hat alle Länder aufgefordert, Flüchtende aus Afghanistan hereinzulassen und niemanden mehr dorthin abzuschieben. UNCHR-Sprecherin Shabia Mantoo begründete dies am Dienstag in Genf mit der sich verschlechternden Sicherheitslage, der Menschenrechtssituation und der humanitären Krise in Afghanistan, wo die militant-islamistischen Taliban faktisch die Macht übernommen haben.

„Staaten haben die rechtliche und moralische Verantwortung, den aus Afghanistan Fliehenden Schutz zu gewähren und Flüchtende nicht zwangsweise zurückzuschicken“, sagte sie. Usbekistan und Griechenland haben bereits angekündigt, Fluchtbewegungen verhindern zu wollen. 

12.56 Uhr: Uganda nimmt 2.000 Geflüchtete auf

Uganda nimmt auf Bitten der USA zeitweise 2000 Flüchtlinge aus Afghanistan auf. „Sie werden hier drei Monate leben, bevor die US-Regierung sie woanders ansiedelt“, erklärt die für Flüchtlinge zuständige Ministerin Esther Anyakun Davinia.

12.31 Uhr: Zweite deutsche Maschine nach Kabul gestartet

Ein zweites deutsches Evakuierungs-Flugzeug ist laut Medienberichten auf dem Weg zum Kabuler Flughafen. Wie die „Bild“-Zeitung und ein Spiegel-Journalist berichten, ist ein Airbus A400M der Luftwaffe um 11.40 Uhr aus der usbekischen Hauptstadt Taschkent in Richtung Kabul gestartet. Dort soll es voraussichtlich gegen 13.30 Uhr deutscher Zeit landen. Die Landebahn des Flughafens in Kabul sollen nun wieder frei von Menschenmassen sein. 

12.10 Uhr Bundesregierung setzt Entwicklungshilfe für Afghanistan aus

Nach der faktischen Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan hat die Bundesregierung die staatliche Entwicklungshilfe für das Land ausgesetzt. Das sagte Entwicklungsminister Gerd Müller der Deutschen Presse-Agentur und der „Rheinischen Post“. Lesen Sie hier mehr. 

11.51 Uhr Taliban-Spitze fordert von Kämpfern die Achtung ausländischer Botschaften

Die Taliban weisen nach Angaben eines Sprechers der Islamisten ihre Kämpfer an, Botschaften nicht zu betreten und keine Fahrzeuge von Diplomaten zu behindern. „Die Mitglieder der Taliban sind angewiesen worden auf allen Ebenen sicherzustellen, dass wir jede Vertretung eines Landes in Afghanistan respektieren“, sagt ein Vertreter der Taliban, der nicht namentlich genannt werden will. Die Bürger werden von den Taliban demnach aufgefordert, ihren üblichen Arbeiten nachzugehen.

11.40 Uhr Steinmeier: Sind für Tragödie in Afghanistan mitverantwortlich

„Wir erleben in diesen Tagen eine menschliche Tragödie, für die wir Mitverantwortung tragen, und eine politische Zäsur, die uns erschüttert und die Welt verändern wird“, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Das Staatsoberhaupt betonte: „Die Bilder der Verzweiflung am Flughafen von Kabul sind beschämend für den politischen Westen. Umso mehr müssen wir jetzt zu denen stehen, denen wir durch ihre Arbeit und Unterstützung für ihren Einsatz verpflichtet sind.“

Bundespräsident Steinmeier am Dienstag in Berlin: „Die Bilder der Verzweiflung am Flughafen von Kabul sind beschämend für den politischen Westen.“ (Quelle: dpa)

Der rasche Zusammenbruch der afghanischen Regierung und ihrer Streitkräfte sowie die widerstandslose Übernahme der Herrschaft durch die Taliban werde „lange Schatten werfen“, sagte Steinmeier. „Das Scheitern unserer jahrelangen Anstrengungen in Afghanistan, ein stabiles, tragfähiges Gemeinwesen aufzubauen, wirft grundlegende Fragen für Vergangenheit und Zukunft unseres außenpolitischen und militärischen Engagements auf“, sagte der ehemalige Außenminister.

11.25 Uhr Unicef: Bislang keine Probleme in Zusammenarbeit mit Taliban

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef gibt sich zuversichtlich, auch mit den Taliban zusammenarbeiten zu können. Man könne in fast alle Teile Afghanistans Hilfsgüter liefern, erklärt der Verantwortliche für die Verteilung der Hilfen, Mustapha Ben Messaoud. „Wir haben fortlaufend Gespräche und sind auf der Grundlage dieser Gespräche recht optimistisch. Wir haben kein einziges Problem mit den Taliban in den Außenstellen.“

11.22 Uhr Frankreich fliegt 45 Menschen aus Afghanistan aus

Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat Frankreich 45 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Ein Airbus unter anderem mit Franzosen und afghanischen Ortskräften werde am Dienstagnachmittag auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle erwartet, teilte das französische Verteidigungsministerium mit. Sie waren zuvor auf der französischen Militärbasis Al Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten zwischengelandet.

Verteidigungsministerin Florence Parly sagte dem Radiosender RTL, „nach einer sehr chaotischen Lage“ am Flughafen Kabul habe die französische Militär-Transportmaschine in der Nacht Richtung Golfregion starten können. Französische Eliteeinheiten hätten den Abflug gesichert. Über die Luftbrücke sollen nach ihren Worten in den kommenden Tagen noch weitere Menschen ausgeflogen werden.

Präsident Emmanuel Macron hatte am Montagabend in einer Fernsehansprache angekündigt, Dutzende Franzosen sowie afghanische Helfer würden ausgeflogen. Der französische Botschafter in Kabul, David Martinon, sagte vor dem Start des Evakuierungsfluges, auch indische und nepalesische Soldaten seien an Bord. Sie hatten geholfen, die Botschaft zu sichern.

11.17 Uhr Zweite Evakuierungs-Maschine der Bundeswehr soll bald starten

Die zweite Evakuierungs-Maschine der Bundeswehr soll noch am Dienstagvormittag vom usbekischen Taschkent aus Richtung Kabul starten. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Militärkreisen. Der erste Evakuierungsflieger vom Typ A400M war am Montagabend unter dramatischen Umständen in der afghanischen Hauptstadt gelandet. Wegen der gefährlichen Lage am Flughafen konnte er nur sieben Menschen ausfliegen: Fünf Deutsche, eine Person aus einem anderen europäischen Land und eine afghanische Ortskraft.

11.08 Uhr Taliban-Vize: Kein Kämpfer darf Häuser in Kabul betreten 

Der Vizechef der radikalislamischen Taliban hat seine Kämpfer angewiesen, keine Privathäuser in der afghanischen Hauptstadt Kabul zu betreten. Unter keinen Umständen sollte irgendjemand in die Häuser von Menschen gehen oder ihre Fahrzeuge mitnehmen, hieß es in einer vom lokalen TV-Sender ToloNews veröffentlichten Audionachricht, die dem Taliban-Vizechef Mullah Jakub zugeschrieben wurde. Sollte dies ein Beamter oder eine Einzelperson tun, sei das ein „Verrat am System“ und man ziehe sie zur Rechenschaft.

Hintergrund der Botschaft ist offensichtlich, dass sich seit der faktischen Machtübernahme der Taliban in Kabul Berichte mehrten, dass Taliban-Kämpfer sich Zutritt zu Wohnhäusern verschafften und Autos mitnahmen. Gleichzeitig sagten mehrere Bewohner Kabuls auch, dass einfache Kriminelle die Ankunft der Taliban ausnutzten und wohl vorgaben, Taliban zu sein.

Bereits am Dienstag hatte der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid auf Twitter erklärt, dass niemand die Häuser von ehemaligen Regierungsbeamten betreten und sie bedrohen dürfte oder ihre Autos mitnehmen könne. Vor allem Menschen, die für die Regierung oder Ausländer gearbeitet haben, haben große Sorgen, die Taliban könnten zu ihnen nach Hause kommen und sich an ihnen rächen oder ihr Vermögen plündern.

11.02 Uhr Maas: Lage am Kabuler Flughafen hat sich stabilisiert

Die Lage am Flughafen Kabul hat sich nach Angaben von Außenminister Heiko Maas stabilisiert. „Die Bundeswehr sichert nun den Zugang“, twittert der SPD-Politiker. „Weitere Evakuierungsflüge erwarten wir im Laufe des Tages. Die Botschaft hat daher eine erste Gruppe zu Evakuierender kontaktiert, um ihren Abflug zu ermöglichen.“

10.57 Uhr Türkei: Taliban senden „positive“ Signale

Die Türkei gibt sich zuversichtlich mit Bezug auf die Taliban. Die Mitteilungen der Islamisten seit der Machtübernahme seien positiv, erklärt der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu. Sein Land befinde sich in Gesprächen mit allen afghanischen Kräften.

10.50 Uhr Laschet: Bei Auslandseinsätzen an deren Ende denken 

Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet fordert eine Überprüfung der Strategie bei Auslandseinsätzen. „Die Lehre aus letzten 20 Jahren ist, dass das Ziel des Systemwechsels, militärisch einzugreifen, um eine Diktatur zu beenden, um eine Demokratie aufzubauen, fast durchgängig gescheitert ist“, sagt der CDU-Chef auf einer Veranstaltung in Rostock. Man müsse bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr klären, was genau das Ziel ist, wie lange sie dauern sollen und müsse vor allem an das Ende der Einsätze denken. Laschet bekennt sich aber zu dem Mali-Einsatz der Bundeswehr.

10.48 Uhr Nachbarland Usbekistan will Fluchtbewegungen verhindern

Nach der faktischen Machtübernahme der Taliban in Afghanistan will das Nachbarland Usbekistan Fluchtbewegungen in das eigene Staatsgebiet verhindern. Jeder Versuch, die Grenze zu verletzen, werde gemäß usbekischem Recht strikt unterbunden, teilte das Außenministerium am Dienstag in der Hauptstadt Taschkent mit. Die Ex-Sowjetrepublik in Zentralasien stehe in Fragen des Grenzschutzes und zur Lage an der Grenze eng in Kontakt mit den radikalislamischen Taliban.

Am vergangenen Wochenende hatten nach usbekischen Angaben 22 Militärflugzeuge und 24 Hubschrauber mit zusammen 585 afghanischen Soldaten das Land erreicht. 84 afghanische Soldaten waren außerdem auf dem Landweg in die Ex-Sowjetrepublik geflohen. Darüber hinaus hatten 158 Zivilisten laut Staatsanwaltschaft illegal die Grenze überquert. Ein afghanisches Militärflugzeug wurde abgeschossen.

Dem Außenministerium zufolge will Usbekistan an den traditionell freundschaftlichen und guten nachbarschaftlichen Beziehungen zu Afghanistan festhalten. Man wolle sich weiterhin nicht in die inneren Angelegenheiten des Nachbarlandes einmischen und hoffe, dass die Machtübernahme friedlich verlaufe auf Grundlage „der allgemein anerkannten Normen des Völkerrechts“, teilte das Ministerium mit.

10.35 Uhr Griechenland will möglichen Migrantenstrom an der Grenze stoppen

Griechenland wird einen möglichen Migrantenzustrom aus Afghanistan an den Grenzen des Landes, die auch EU-Grenzen sind, stoppen. Dies sagte Migrationsminister Notis Mitarakis am Dienstag angesichts der dramatischen Entwicklungen in Afghanistan. „Wir wollen nicht, dass unser Land das Einfallstor der EU für Menschen wird, die nach Europa aufbrechen wollen“, sagte Mitarakis im griechischen Staatsfernsehen (ERT).

Über die neue Lage in Afghanistan werden am Mittwoch die Innenminister der EU beraten. Eine gemeinsame Migrationspolitik sei notwendig, sagte Mitarakis. Sein Land werde weiterhin scharf die See- und Landesgrenzen zur Türkei überwachen: „Wir wollen kein neues 2015 erleben.“ Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise vor sechs Jahren in der Ägäis waren binnen eines Jahres mehr als 850.000 Migranten aus der Türkei nach Griechenland und damit in die EU gekommen. Der Großteil dieser Menschen reiste dann nach Deutschland weiter.

10.25 Uhr Bericht: Zweiter deutscher Rettungsflug verzögert sich offenbar

Die Ankunft des zweiten deutschen Flugzeugs auf dem Kabuler Flughafen soll sich laut Informationen der „Bild“-Zeitung verzögern. Demnach soll ein deutscher Flieger um 11.30 Uhr deutscher Zeit aus der usbekischen Hauptstadt Taschkent starten. 

9.27 Uhr Großbritannien fordert pragmatische Beziehungen zu den Taliban

Großbritannien fordert pragmatische Beziehungen zu den neuen Machthabern in Afghanistan. Zur Einschätzung eines Reporters des Senders Sky, die Taliban seien ein Haufen von Schlägern, sagt Außenminister Dominic Raab: „Ich werde dieser Ansicht nicht widersprechen, aber sie sind jetzt an der Macht, und wir müssen uns jetzt mit dieser Realität auseinandersetzen.“ Es gehe darum, einen positiven Einfluss auf das „neue Regime“ auszuüben. Raab warnt die Taliban, Afghanistan dürfe nie wieder Basis für Angriffe von Terroristen auf den Westen werden.

9.15 Uhr Japan: Haben alle Botschaftsmitglieder ausgeflogen

Japan hat sein gesamtes Botschaftspersonal aus Afghanistan abgezogen. „Wegen der raschen Verschlechterung der Sicherheitslage schließen wir zeitweise unsere dortige Botschaft“, teilt das Außenministerium in Tokio mit. Die zwölf letzten Botschaftsmitarbeiter seien von einer befreundeten Nation von Kabul nach Dubai geflogen worden.

8.31 Uhr Bericht: Auch KSK-Soldaten in Kabul

Auch Soldaten der Eliteeinheit KSK sollen am Kabuler Flughafen vor Ort sein. Gemeinsam mit Fallschirmjägern seien sie seit Montagnacht im Einsatz. Das berichtet die „Bild“-Zeitung. Die deutschen Soldaten seien mit dem A400M der Luftwaffe in Kabul eingetroffen.

8.05 Uhr Taliban verkünden Generalamnestie für afghanische Regierungsmitarbeiter 

Die radikalislamischen Taliban haben eine Generalamnestie für alle afghanischen Regierungsmitarbeiter verkündet. Die Islamisten forderten die Beamten am Dienstag auf, zu ihrem Arbeitsplatz zurückzukehren. „Sie sollten mit vollem Vertrauen in Ihren Alltag zurückkehren“, hieß es in einer Erklärung der Islamisten, die am Sonntag wieder die Macht in Afghanistan an sich gerissen hatten.

8.02 Uhr Türkei baut eine Mauer, um afghanische Flüchtlinge abzuhalten

Die Türkei gab bekannt, eine Mauer an der Grenze zum Iran zu bauen – um eventuelle Flüchtlingsströme aus Afghanistan abzuhalten. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP. 

Am Ende soll die Absperrung 297 Kilometer lang sein, verstärkt mit Stacheldraht und Gräben. 

7.10 Uhr Bundeswehr wartet auf Freigabe für Kabul-Flug

Eine Maschine der Bundeswehr warte derzeit auf die Freigabe der Amerikaner, um nach Kabul fliegen zu können, sagt Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer in der ARD. Sie hoffe, dass in den kommenden Tagen eine Luftbrücke aufgebaut werden könne. Die Lage am Flughafen Kabul sei aber sehr unübersichtlich.

6.40 Uhr China kritisiert die USA

Chinas Außenminister Wang Yi hat in einem Telefonat mit seinem US-Kollegen Antony Blinken nach chinesischen Angaben das Vorgehen der USA und den „überhasteten“ Rückzug der US-Streitkräfte kritisiert. Auch zeige Afghanistan, dass es schwierig sei, ein ausländisches Modell in einem Land mit anderer Geschichte und Kultur anzuwenden. „Probleme mit Gewalt und militärischen Mitteln zu lösen, führt nur zu neuen Problemen“, wurde Wang Yi auch zitiert.

China sei bereit, einen Dialog mit den USA zu führen, um einen reibungslosen Übergang in Afghanistan zu fördern und einen neuen Bürgerkrieg und eine humanitäre Katastrophe zu verhindern. Das Land dürfe kein Zufluchtsort und Nährboden für Terrorismus werden. Es müsse ermutigt werden, ein „offenes und inklusives politisches System“ aufzubauen, das zu seinen nationalen Bedingungen passe. Als ständige Mitglieder im UN-Sicherheitsrat und wichtige Akteure im internationalen System müssten die USA und China kooperieren.

Chinas Außenminister wies aber auch auf die Spannungen zwischen beiden Ländern hin, deren Beziehungen auf den schlechtesten Stand seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen 1979 gefallen sind. „Die USA können China aber nicht einerseits eindämmen, unterdrücken und dessen legitimen Rechten und Interessen schaden und andererseits Kooperation und Unterstützung von China erwarten.“ Die USA müssten die „Kerninteressen“ Chinas respektieren.

Bundeswehr bringt erste Menschen aus Kabul in Sicherheit

Die Bundeswehr hat eine erste Gruppe von Menschen aus der Hauptstadt Kabul in Sicherheit gebracht. In der Nacht zum Dienstag startete ein A400M-Transportflugzeug in Richtung Taschkent in Usbekistan, wie das Bundesverteidigungsministerium im Onlinedienst Twitter mitteilte. Wie viele Menschen an Bord waren, wurde zunächst nicht mitgeteilt.

Die „Bild“ berichtete, es seien sieben Menschen von der offiziellen Ausflugsliste an Bord der Maschine gewesen. Mehr habe die Botschaft nicht mehr rechtzeitig zum Flughafen bringen können, auch weil in Kabul ab 21 Uhr eine Ausgangssperre herrscht, heißt es in dem Bericht, der zunächst nicht offiziell bestätigt wurde.

Wegen der chaotischen Lage auf dem Flughafen Kabul hatte sich die Evakuierungsmission der deutschen Luftwaffe zuvor stundenlang verzögert. Der A400M kreiste nach Angaben des Einsatzführungskommandos in Potsdam lange über Kabul, weil er zunächst vergeblich auf eine Landegenehmigung wartete. Das Flugzeug musste dann noch zum Tanken in ein Nachbarland fliegen. Bundeswehr-Soldaten blieben vor Ort in Kabul, um weitere Evakuierungsflüge vorzubereiten.

Entwicklungsministerium will noch tausend afghanische Ortskräfte ausfliegen

Das Bundesentwicklungsministerium will noch rund tausend afghanische Helfer von Entwicklungsprojekten aus Kabul ausfliegen. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sagte der „Augsburger Allgemeinen“, 13 deutsche und internationale Mitarbeiter der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) seien bereits ausgeflogen worden. Es müssten aber noch rund tausend afghanische Ortskräfte, die in laufenden Projekten arbeiteten, sowie deren Familien gerettet werden. Der Minister forderte, auch frühere Mitarbeiter zu berücksichten.

„Die afghanischen Ortskräfte der Entwicklungshilfe werden bei der Ausreise gleich behandelt, wie die der Bundeswehr“, versicherte Müller, der zugleich mehr Hilfe für afghanische Frauen forderte. Bei der Evakuierung Kabuls dürften auch „engagierte Menschenrechtlerinnen und Journalistinnen nicht vergessen werden“.

Bis zu 600 Bundeswehrsoldaten sollen Evakuierung absichern

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer will bis zu 600 Bundeswehrsoldaten zur Absicherung der Evakuierungsaktion in Afghanistan bereitstellen. Das sagte die CDU-Politikerin am Montag in Berlin in der Unterrichtung der Fraktionsvorsitzenden des Bundestags, an der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnahm.

Neben den speziell für solche Einsätze ausgebildeten Fallschirmjägern der Division Schnelle Kräfte sollen beispielsweise auch Feldjäger und Sanitäter zum Einsatz gekommen. Am Mittwoch will das Bundeskabinett ihren Mandatsentwurf beschließen, der Bundestag soll in der kommenden Woche darüber entscheiden. Darin könnten die 600 Soldaten, über die zuerst der „Spiegel“ berichtete, als Obergrenze festgeschrieben werden.

Laschet kündigt Aufarbeitung der Fehleinschätzung zu Afghanistan an

Unionskanzlerkandidat Armin Laschet hat eine „schonungslose“ Aufarbeitung dazu angekündigt, warum die Lage in Afghanistan auch von der Bundesregierung falsch eingeschätzt wurde. Er sagte am Montagabend in den ARD-„Tagesthemen“: „Ich sage zu: Es wird alles aufgeklärt, wir müssen Konsequenzen ziehen.“ Die Bundesregierung habe – wie alle internationalen Institutionen und Dienste – eine „Fehlkalkulation“ gemacht.

So müsse sich Deutschland bei solchen Einsätzen überlegen, was das Ziel sei. „Wie geht man geordnet hinein? Und wie geht man geordnet hinaus? Wie können wir Europäer selbst handlungsfähiger werden?“ Im Fall Afghanistan sei Deutschland fast ausschließlich von der Entscheidung der Amerikaner abhängig. „Das Bundestagsmandat für den Einsatz ging noch bis 2022. Aber nachdem die Amerikaner gesagt haben, sie ziehen sich zurück, ist Europa, ist die Bundeswehr nicht in der Lage, alleine in einem solchen Land zu bleiben“, erklärte Laschet.

„Alles das wird zu analysieren sein, auch schonungslos, auch ohne Rücksicht auf Parteien“, sagte Laschet, der auch CDU-Bundeschef und nordrhein-westfälischer Ministerpräsident ist. „Nur im Moment steht wirklich dieser Rettungseinsatz im Mittelpunkt, und darauf sollten wir uns konzentrieren“, sagte er mit Blick auf den laufenden Einsatz, um deutsche Bundesbürger und afghanische Ortskräfte aus Afghanistan zu holen. „Ob Wahlkampf ist oder nicht: Das ist jetzt einer der gefährlichsten Einsätze der Bundeswehr, ein robustes Mandat.“

Seehofer erwartet bis zu fünf Millionen mehr afghanische Flüchtlinge

Bundesinnenminister Horst Seehofer rechnet nach der Machtübernahme der Taliban damit, dass 300.000 bis fünf Millionen weitere Afghanen die Flucht ergreifen. Das sagte der CSU-Politiker nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am Montag bei einer Unterrichtung der Bundestags-Fraktionschefs. Einen Zeitraum nannte er demnach nicht. Auch der „Spiegel“-Journalist Matthias Gebauer berichtete auf Twitter über die Aussage Seehofers. In der Vergangenheit haben insbesondere Nachbarländer wie der Iran und Pakistan Flüchtlinge aus Afghanistan aufgenommen. Ein weiteres wichtiges Transit- und Zielland ist die Türkei.

Bundeswehr-Maschine über Kabul dreht ab und wird ersetzt

Eine Bundeswehr-Maschine, die in einer Warteschleife im Luftraum über Kabul kreiste, ist wieder abgedreht. Zivilisten auf dem Flugfeld verhinderten die Landung der Maschine, hieß es aus Militärkreisen. Am Abend musste sie demnach in Richtung der usbekischen Hauptstadt Taschkent abdrehen, um nachzutanken. Sie sollte über dem Kabuler Luftraum durch eine andere Maschine ersetzt werden. Auf diese Weise bleibe die Luftwaffe in der Lage, jede Gelegenheit zur Landung zu nutzen, hieß es.

Mauer zum Flughafen in Kabul: Tausende Afghanen versuchen, die Evakuierungsflüge zu erreichen. (Quelle: NurPhoto/imago images)

Außenminister Heiko Maas rechnet damit, dass die US-Streitkräfte auf dem Flughafen Kabul die Landebahn in den nächsten Stunden räumen werden, so dass wieder Flugzeuge zur Evakuierung von Menschen landen können. Derzeit sei dies nicht der Fall, sagt der SPD-Politiker in der ARD. Es sei mit den USA vereinbart, dass US-Militärflugzeuge auch Deutsche aus Kabul ausfliegen würden. Deutsche Flugzeuge wiederum würden neben afghanischen Ortskräften auch Bürger anderer Staaten mit an Bord nehmen können, wenn sie landen könnten, hatten Verteidigungs- und Außenministerium zuvor betont.

Scholz: Geflüchtete aus Afghanistan nicht allein lassen

Vizekanzler Olaf Scholz hat die Machtübernahme durch die Taliban in Afghanistan als bedrückende Entwicklung bezeichnet. „Es ist sehr bedrückend zu sehen, was jetzt in Afghanistan passiert“, sagte der SPD-Kanzlerkandidat am Montag bei einem Wahlkampfauftritt in Berlin. In dem Land würden nun viele Hoffnungen zerstört, Hoffnungen etwa auf mehr Schulbildung, mehr Frauenrechte, auf mehr Demokratie und Rechtsstaat. „Das alles geht jetzt kaputt. Das ist eine furchtbare, das ist eine schreckliche Botschaft.“

Nun gehe es zunächst darum, Deutsche aus Kabul zu evakuieren und auch die Ortskräfte, die den Deutschen geholfen haben. Auch den Helfern, die auf andere Weise das Land verlassen und sich in Nachbarländern bei den deutschen Konsulaten oder Botschaften meldeten, müsse geholfen werden, „dass sie sich nach Deutschland begeben können“. Das betreffe ebenfalls Menschen, die in Afghanistan mit Hilfsorganisationen zusammengearbeitet hätten, Journalisten oder Menschen, die sich für Freiheit, Demokratie und Frauenrechte eingesetzt haben.

„Und dann werden wir diesmal dafür Sorge tragen müssen, dass diejenigen, die darüber hinaus Schutz suchen in den Nachbarländern, nicht, wie das früher oft der Fall war, alleine gelassen werden“, so Scholz. „Sondern dass wir jetzt sofort mit allen Möglichkeiten und Mitteln dafür sorgen, dass dort Integrationsperspektiven bestehen, dass man dort bleiben kann, dass man dort eine sichere Zukunft gewinnen kann.“ Hier gelte es, aus früheren Fehlern zu lernen.

Pentagon: Derzeit rund 2.500 US-Soldaten am Flughafen Kabul

Das US-Militär ist am Flughafen Kabul nach eigenen Angaben inzwischen mit rund 2.500 Soldatinnen und Soldaten im Einsatz. Im Lauf des Dienstags solle deren Zahl auf mehr als 3.000 ansteigen, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Montag. In einigen Tagen sollten dann rund 6.000 US-Soldaten vor Ort sein, sagte er weiter. Sie sollen die Sicherheit des Flughafens gewähren und die Evakuierung von Amerikanern und früheren afghanischen Mitarbeitern der US-Streitkräfte organisieren.

Kirby bestätigte auch Berichte, wonach es am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Zwischenfälle gegeben habe, bei denen US-Soldaten auf Bewaffnete geschossen hätten. Zwei Personen, die ersten Erkenntnissen nach nicht zu den Taliban gehörten, seien dabei getötet worden. Die Soldaten hätten von ihrem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch gemacht, sagte Kirby – ohne weitere Einzelheiten zu dem Zwischenfall zu nennen.

Großbritannien schickt 200 zusätzliche Soldaten nach Kabul

Im Zuge der Evakuierung von britischen Staatsbürgern und afghanischen Helfern will London 200 zusätzliche Soldaten nach Kabul schicken. Das teilte das britische Verteidigungsministerium am Montag mit, nachdem in der vergangenen Woche bereits 600 militärische Kräfte nach Afghanistan entsandt wurden. Die Soldaten sollen dabei helfen, die verbliebenen britischen Staatsbürger und afghanischen Helfer des britischen Militärs möglichst schnell aus dem Land zu holen.

Macron warnt vor Wiedererstarken des Terrorismus in Afghanistan

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat vor einem Wiedererstarken des Terrorismus in Afghanistan nach dem Fall des Landes an die Taliban gewarnt. „Afghanistan darf nicht wieder zu dem Zufluchtsort des Terrorismus werden, der es einmal war“, sagte Macron am Montagabend in einer Fernsehansprache. Islamistische Terroristen würden versuchen, von der aktuellen Situation zu profitieren. Macron kündigte eine Initiative Frankreichs mit den europäischen Partnern gegen diese Bedrohung an. Dazu habe er sich bereits mit dem britischen Premierminister Boris Johnson ausgetauscht.

„Die Destabilisierung Afghanistans droht außerdem zu ungesteuerten Flüchtlingsströmen Richtung Europa zu führen.“ Diese wolle Frankreich mit Deutschland und anderen europäischen Partnern kanalisieren, kündigte Macron an. Er habe dazu bereits mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gesprochen.

Usbekistan: 46 Flugzeuge und Hubschrauber aus Afghanistan zur Landung gezwungen

Nach Angaben der usbekischen Generalstaatsanwaltschaft vom Montag wurden am Wochenende 46 afghanische Militärflugzeuge und Hubschrauber mit 585 Soldaten an Bord nach illegalen Grenzüberquerungen zur Landung auf dem Flughafen Termes gezwungen. Dabei sei eines der Flugzeuge mit einer usbekischen Maschine zusammengestoßen und abgestürzt.

Die Piloten hätten sich mit Fallschirmen aus den Maschinen gerettet, hieß es weiter. Den Angaben zufolge laufen Ermittlungen gegen weitere 158 Zivilisten und Soldaten, die am Sonntag über den Fluss Amu Darja nach Usbekistan gelangt waren.

Bangladesch will keine Menschen aus Afghanistan aufnehmen

Bangladesch hat nach eigenen Angaben ein Ersuchen der USA abgelehnt, zeitweise Menschen aus Afghanistan aufzunehmen. Der Außenminister A. K. Abdul Momen begründete die Entscheidung am Montag damit, dass das 160-Millionen-Einwohner-Land in Südasien bereits dicht besiedelt sei und Mühe habe, Hunderttausende andere Flüchtlinge zu beherbergen.

2017 flohen Hunderttausende Menschen der muslimischen Rohingya-Minderheit aus dem mehrheitlich buddhistischen Nachbarland Myanmar nach Bangladesch. Sie flüchteten aus Furcht vor brutalen Übergriffen des Militärs in Myanmar. Jetzt leben sie in Bangladesch in überfüllten Camps.

Deutsche Ortskräfte in Kabul verlassen Sammelunterkünfte

In Kabul haben rund 350 Ortskräfte ihre von einer deutschen gemeinnützigen Organisation organisierten Sammelunterkünfte verlassen. Das teilte ein ehemaliger Übersetzer der Bundeswehr in Masar-i-Scharif am Montag der Deutschen Presse-Agentur mit. Demnach haben die Ortskräfte eine Anordnung bekommen, ihre drei „Safe Houses“ zu verlassen, sagte der ehemalige Sprachmittler. Zuerst hatte das ZDF-Magazin „Frontal“ berichtet. Mehr dazu hier.

Bericht: Afghanischer Präsident soll mit Autos und Hubschrauber voller Geld geflohen sein

Afghanistans Präsident Aschraf Ghani soll mit vier Autos und einem Hubschrauber voller Bargeld aus dem Land geflohen sein. Das berichtet die russische Nachrichtenagentur RIA unter Berufung auf einen Sprecher der russischen Botschaft in Kabul. Nachrichtenagentur Reuters griff den Bericht auf, konnte aber zunächst keine Bestätigung erhalten. Mehr dazu lesen Sie hier. 

Johnson will virtuellen G7-Gipfel zu Afghanistan ausrichten

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson will angesichts der dramatischen Lage in Afghanistan nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban einen G7-Gipfel ausrichten. Während eines Telefonats mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron habe Johnson die Absicht geäußert, „in den kommenden Tagen“ ein virtuelles Treffen der Staats- und Regierungschefs der G7 zu organisieren, teilte die Downing Street am Montag mit. Die Regierung in London hat derzeit die rotierende G7-Präsidentschaft inne. Neben Großbritannien gehören der Gruppe Deutschland, die USA, Frankreich, Italien, Japan und Kanada an.

Bundeswehrmaschine in Warteschleife über Kabul

Der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in der afghanischen Hauptstadt Kabul verzögert sich. Eine Bundeswehr-Maschine befindet sich derzeit in einer Warteschleife im Luftraum über Kabul. Zivilisten auf dem Flugfeld verhinderten weiterhin die Landung der Maschine, hieß es aus Militärkreisen.

Krisensitzung der EU-Außenminister zur Lage in Afghanistan

Die EU-Außenminister beraten am Dienstag um 16 Uhr in einer Krisensitzung über die Lage in Afghanistan. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell setzte angesichts der jüngsten Entwicklungen eine Video-Konferenz an. Die EU-Staaten versuchen nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban laut Borrell, die Evakuierung von Personal aus Afghanistan zu beschleunigen. 

Hamas gratuliert Taliban zur Machtübernahme in Afghanistan

Die im Gazastreifen regierende radikalislamische Hamas hat den Taliban zu ihrem „Sieg“ in Afghanistan gratuliert. Er sei das „Ergebnis ihres langen Kampfes der vergangenen 20 Jahre“, erklärte die palästinensische Gruppe am Montag. Die Hamas wünsche „dem afghanischen Volk und seiner Führung Einheit, Stabilität und Wohlstand“. Der Sieg der Taliban mache deutlich, dass „der Widerstand der Völker“, auch des palästinensischen Volkes, „zum Sieg bestimmt“ sei. Die palästinensische Hamas wird von westlichen Ländern und Israel als „terroristisch“ eingestuft. 

Maas zu Afghanistan: „Wir haben die Lage falsch eingeschätzt“

Nach der faktischen Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan hat Bundesaußenminister Heiko Maas Fehler eingeräumt. „Es gibt auch nichts zu beschönigen: Wir alle – die Bundesregierung, die Nachrichtendienste, die internationale Gemeinschaft – wir haben die Lage falsch eingeschätzt“, räumte er am Montag ein.

Ex-Präsident Trump: Biden hat sich den Taliban „ergeben“

Der frühere US-Präsident Donald Trump hat seinem Nachfolger Joe Biden vorgeworfen, sich den Taliban „ergeben“ zu haben. Biden habe mit seiner Afghanistan-Politik „das Vertrauen in die Macht und den Einfluss Amerikas zerstört“, erklärte Trump am Montag. Die Folgen des Abzugs der US-Truppen wären unter Führung seiner Regierung „komplett anders“ gewesen, behauptete Trump.

Ex-Präsident Donald Trump: Er wollte auch raus aus Afghanistan, wirft Biden den Truppenabzug aber jetzt vor. (Quelle: LM Otero/AP/dpa)

Trump hatte den Abzug der US-Truppen als Präsident durch ein Abkommen mit den Taliban auf den Weg gebracht. Wenn es nach Trump gegangen wäre, hätten die US-Soldaten Afghanistan schon im Mai verlassen. Biden verzögerte den Abzug, hielt im Grunde aber an dem Vorhaben seines Vorgängers fest. Im Frühjahr kündigte er an, dass die damals noch rund 2.500 verbliebenen Soldaten bis zum 20. Jahrestag der Anschläge vom 11. September Afghanistan verlassen sollten. Zuletzt wurde das Abzugsdatum auf Ende August vorgezogen.

Trumps früherer nationaler Sicherheitsberater John Bolton sagte dem Radiosender NPR am Montag, dieser hätte vermutlich genauso gehandelt wie nun Biden. Der Präsident habe an der von Trump vorgegebenen „falschen“ Politik festgehalten, sagte Bolton. Trump hatte Bolton 2019 wegen Meinungsverschiedenheiten rausgeworfen.

Evakuierungsflüge aus Kabul sollen wieder aufgenommen werden

Die militärischen Evakuierungsflüge am Flughafen in Kabul sollen nach US-Angaben in Kürze wieder aufgenommen werden. Dies sagt ein Regierungsvertreter in Washington. Die Flüge waren wegen der chaotischen Lage an dem Airport vorübergehend ausgesetzt worden.

UN-Chef Guterres: „Berichte über schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen“ 

UN-Generalsekretär Antonio Guterres spricht vor dem Sicherheitsrat in New York von „erschreckenden Berichten über schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen im ganzen Land“. Besonders betroffen seien demnach Frauen und Mädchen. Der Sicherheitsrat müsse „alle verfügbaren Mittel nutzen, um die weltweite terroristische Bedrohung in Afghanistan zu bekämpfen“.

Fluggesellschaften setzen Überflüge über Afghanistan aus

Nach der Übernahme der Macht in Afghanistan durch die Taliban hat die Zivilluftfahrtbehörde des Landes alle Fluggesellschaften aufgefordert, den Luftraum zu meiden. Die Lufthansa und ihre Tochtergesellschaften, British Airways, Virgin Atlantic, Air France sowie Singapore Airlines teilten am Montag mit, sie würden Überflüge über Afghanistan bis auf Weiteres aussetzen. Flüge in bestimmte asiatische Länder verlängern sich deshalb.

Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in Kabul verzögert sich – Flieger auf dem Weg nach Kabul 

Der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in der afghanischen Hauptstadt Kabul verzögert sich. Zwei Militärtransporter vom Typ A400M wurden am Montag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aufgehalten, weil sie wegen des Chaos auf dem Flughafen Kabul derzeit dort nicht landen können. Sie hingen deswegen nach einer Zwischenlandung zunächst aufgetankt im aserbaidschanischen Baku fest. Eine der Maschinen startete dann am Nachmittag von dort nach Kabul, um sich im Luftraum für eine Landung bereitzuhalten, wenn das Flugfeld dafür wieder freigegeben wird.

USA setzen zunächst alle Evakuierungsflüge vom Kabuler Flughafen aus

Die USA setzen zunächst alle Evakuierungsflüge vom Kabuler Flughafen aus. Diese Maßnahme sei nötig, weil Menschen auf die Pisten gelaufen seien, sagt ein Mitglied der US-Armee Reuters. Der Armee-Angehörige, der nicht namentlich genannt werden will, sagt nicht, wie lange die Flugpause dauern soll.

Afghanisches Militärflugzeug in Usbekistan abgestürzt

Ein afghanisches Kampfflugzeug ist im Süden des Nachbarlandes Usbekistan in Zentralasien abgestürzt. Zu dem Vorfall sei es am Sonntagabend nach der Einnahme der afghanischen Hauptstadt Kabul durch die radikalislamischen Taliban gekommen, teilte das usbekische Außenministerium am Montag der russischen Staatsagentur Tass mit.

„Das Militärflugzeug hat illegal die Grenze zu Usbekistan überquert. Eine Untersuchung ist im Gange“, sagte Bachrom Sulfikarow, Sprecher des usbekischen Verteidigungsministeriums, der Nachrichtenagentur AFP am Montag. Zuvor hatten usbekische Medien berichtet, dass am Sonntagabend eine Maschine in der an Afghanistan grenzenden südlichen Provinz Surchondarjo abgestürzt sei. Russische Nachrichtenagenturen berichteten unter Berufung auf Vertreter des Verteidigungsministeriums hingegen, die Maschine sei von der usbekischen Luftabwehr abgeschossen worden.

Das usbekische Nachrichtenportal „Gazeta.uz“ berichtete, mindestens ein Pilot habe sich mit einem Fallschirm retten können. Er sei in ein Krankenhaus gebracht worden. Unklar war, ob der Pilot vor den Taliban fliehen wollte oder weshalb das Flugzeug über Usbekistan flog.

USA schicken Einsatzkräfte zu Kabuler Flughafen

Die USA werden heute und morgen zusätzliche Einsatzkräfte an den Kabuler Flughafen verlegen. Das kündigt der stellvertretende Nationale Sicherheitsberater Jon Finer in einem MSNBC-Interview an. Er räumt ein, die Situation habe sich schneller verschlechtert als erwartet. Seinen Angaben nach verhandeln die USA weiter mit Vertretern der Taliban in Doha in Katar. Die USA machten den Taliban klar, dass sie zu leiden hätten, falls die Aggressionen gegen die USA zunehmen würden.

Ex-Präsident: Gespräche zwischen Politikern und den Taliban sollen laufen

Nach der faktischen Machtübernahme durch die radikalislamischen Taliban in Afghanistan sollen Gespräche zwischen Politikern und Vertretern der Islamisten laufen. Das teilte ein Sprecher des ehemaligen Präsidenten Hamid Karsai der Deutschen Presse-Agentur am Montag mit. In einem ersten Schritt habe man betont, dass das Leben und das Vermögen der Bevölkerung sowie die öffentliche Infrastruktur geschützt werden müssten, sagte der Sprecher weiter. Einen Kommentar von Taliban-Seite gab es dazu zunächst nicht.

Nach der Flucht des Präsidenten Aschraf Ghani am Sonntag ist nach Angaben Karsais ein Koordinierungsrat für eine friedliche Übergabe der Macht gebildet worden. Ihm gehören der Vorsitzende des Nationalen Versöhnungsrates, Abdullah Abdullah, der ehemalige Kriegsfürst Gulbuddin Hekmatjar und Karsai selbst an.

Es gab keine Angaben dazu, wo die Gespräche stattfinden und wer von Taliban-Seite daran teilnimmt. Es ist zudem insgesamt unklar, ob die Islamisten dazu bereit sind, nach ihrem rasanten militärischen Erfolg die Macht mit anderen Politikern im Land zu teilen.

Auswärtiges Amt warnt deutsche Helfer in Kabul

Das Auswärtige Amt fordert afghanische Ortskräfte in Kabul dazu auf, sich nicht eigenständig zum Flughafen zu begeben. Dies sei derzeit zu gefährlich, sagt ein Ministeriumssprecher in Berlin. Sie sollten vielmehr an einem sicheren Ort bleiben und darauf warten, bis sie von der deutschen Botschaft kontaktiert würden. Wer nicht auf einer Ausflugsliste stehe, werde nicht in das Flughafengebäude gelassen. Die Lage am Flughafen Kabul sei derzeit zudem sehr unübersichtlich.

Die Behörde gibt keine Prognose ab zu der Frage, wie lange Evakuierungen aus Kabul noch möglich seien. Die Lage sei sehr unübersichtlich, sagt ein Ministeriumssprecher in Berlin. Derzeit gebe es am Flughafen in der afghanischen Hauptstadt wegen der chaotischen Zustände keine Flugbewegungen. Auch der Zugang zum Flughafen sei unübersichtlich.

Krisensitzung der EU-Außenminister am Dienstag

Die Außenminister der Europäischen Union werden am Dienstag auf einer Krisensitzung über die Lage in Afghanistan nach der Machtübernahme der radikal-islamischen Taliban beraten. Nach der jüngsten Entwicklung und intensiven Kontakten mit den Partnern in den vergangenen Tagen und Stunden habe er ein Sondertreffen per Videokonferenz einberufen, teilt der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Montag auf Twitter mit. „Afghanistan steht an einem Scheideweg. Die Sicherheit und das Wohlergehen seiner Bürger sowie die internationale Sicherheit stehen auf dem Spiel“, fügt er hinzu.

Berichte über Kämpfe und mindestens fünf Tote am Flughafen 

Die Lage am Flughafen von Kabul spitzt sich zu. Anscheinend sind Kämpfer der Taliban in das Flughafengebäude gelangt. Dort sollen sie sich Gefechte mit US-Sicherheitskräften liefern. Das berichtet die ARD-Korrespondentin Natalie Amiri auf Twitter mit Verweis auf eine Quelle vor Ort. Auf Videos sind Schüsse zu hören. 

Augenzeugen berichteten der Nachrichtenagentur Reuters, mindestens fünf Menschen seien bei den chaotischen Zuständen dort getötet worden. Ein Augenzeuge sagte, fünf Leichen seien zu einem Wagen getragen worden. Ein anderer Zeuge berichtete, es sei unklar, ob sie in der Massenpanik gestorben oder ob sie erschossen worden seien.

Auswärtiges Amt: Ortskräfte sollen nicht zum Flughafen

Das Auswärtige Amt ruft die afghanischen Ortskräfte in Kabul auf, sich nicht eigenständig zum Flughafen zu begeben. Dies sei derzeit zu gefährlich, sagt ein Ministeriumssprecher in Berlin. Sie sollten vielmehr an einem sicheren Ort bleiben und darauf warten, bis sie von der deutschen Botschaft kontaktiert würden. Wer nicht auf einer Ausflugsliste stehe, werde nicht in das Flughafengebäude gelassen. Die Lage am Flughafen Kabul sei derzeit zudem sehr unübersichtlich.

Bericht: Botschaft in Kabul warnte schon länger vor Gefahrenlage

Offenbar wusste die deutsche Botschaft in Kabul schon länger um die Gefahrenlage für Mitarbeiter und Helfer in Afghanistan. Das Auswärtige Amt reagierte trotzdem spät. Das geht aus einem veröffentlichten Lagebericht hervor. Mehr dazu lesen Sie hier.

Zweite Bundeswehr-Maschine unterwegs

Ein zweites Transportflugzeug der deutschen Luftwaffe ist auf dem Weg nach Kabul. Es soll deutsche Staatsbürger und afghanische Helfer ausfliegen, sagt ein Luftwaffensprecher. Ein erstes Transportflugzeug vom Typ A400M ist am frühen Montagmorgen vom Fliegerhorst Wunstdorf aus gestartet. Sicherheitskreisen zufolge soll es zwischen Kabul und der usbekischen Hauptstadt Taschkent hin- und herfliegen, um so viele Menschen wie möglich zu evakuieren.

Bericht: Regierung will „einige hundert Soldaten“ entsenden

Für den Evakuierungseinsatz der Bundeswehr sollen laut Plänen der Regierung mehrere hundert Soldaten nach Afghanistan geschickt werden. Auch eine Luftbrücke ist vorgesehen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Afghanische Medien nur eingeschränkt in Betrieb

Afghanische Medien und Fernsehsender arbeiten seit der Übernahme der Hauptstadt Kabul durch die militant-islamistischen Taliban nur noch sehr eingeschränkt. Die beliebten Fernsehkanäle ToloNews oder Ariana etwa senden nicht mehr live. Am Sonntag bereits zeigten sie praktisch nur Wiederholungen.

Reine Musik-Kanäle sind momentan in Kabul Bewohnern der Stadt zufolge nicht mehr zu empfangen. Auch Programme mit Frauen werden nur eingeschränkt gezeigt. Türkische Serien, die bereits vor der Taliban-Übernahme von konservativen Afghanen als nicht mit afghanischen Werten übereinstimmend kritisiert wurden, seien auch aus den Programmen genommen worden. 

Laschet verlangt breit angelegte Luftbrücke

CDU-Chef Armin Laschet hat eine breit angelegte Luftbrücke der Bundeswehr verlangt, die neben Deutschen und Ortskräften etwa auch Frauenrechtlerinnen aus Afghanistan holt. Es sei wichtig, dass die Bundeswehr ihre Luftbrücke so lange wie möglich aufrechterhalte, sagte der Unions-Kanzlerkandidat am Montag bei Beratungen der CDU-Spitzengremien.

Armin Laschet: Der CDU-Vorsitzende will nicht nur Ortskräfte und Deutsche aus Afghanistan retten. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa)

„Diese Luftbrücke darf sich nicht nur beziehen auf Ortskräfte, nicht nur auf deutsche Staatsangehörige, die noch in Afghanistan sind, sondern muss auch aktive Frauen-, Menschenrechtlerinnen, Aktivistinnen, Bürgermeisterinnen und andere umfassen. Das muss im Mandat mit vermerkt sein“, sagte Laschet. Das Kabinett will an diesem Mittwoch ein Mandat für den Hilfseinsatz der Bundeswehr beschließen.

Wut über geflüchteten Präsidenten

Viele Afghanen drücken in sozialen Medien große Wut über den geflüchteten Präsidenten Aschraf Ghani aus. Er habe Afghanistan zerstört, durch ihn seien Tausende Kinder nun vaterlos, er habe dem Land jegliche Sicherheit genommen und schließlich dem Feind übergeben, schrieb die Sängerin Sedika Madadgar auf Facebook. Er werde als das „schmutzigste Tier“ in die Geschichte des Landes eingehen.

Eine junge Frau schrieb auf Facebook, dass wegen Ghani nun ihre Familie Bücher und Musikinstrumente verbrennen müsse, mit denen auch so viele Kindheitserinnerungen verbunden seien. Wieder andere teilten Bilder von Ghani und versahen diese lediglich mit Schimpfwörtern.

Dramatische Bilder vom Flughafen Kabul: US-Soldaten geben Warnschüsse ab

Viele Menschen versuchen verzweifelt Kabul zu verlassen – und strömen zum Flughafen. Dort wird die Lage immer unübersichtlicher. Auf verschiedenen Bildern und Videos in sozialen Netzwerken sind Menschenmassen auf dem Rollfeld zu sehen. Ein Video zeigt, wie Dutzende versuchen, in ein parkendes Flugzeug zu klettern. Die Bilder sehen Sie hier oder direkt oben im Artikel.

US-Soldaten feuerten Warnschüsse in die Luft. Man wolle damit Hunderte Afghanen davon abhalten, das Rollfeld zu stürmen, um an Bord von Militärflugzeugen zu gelangen, sagt ein US-Vertreter. Die militärischen Flüge seinen nur für Diplomaten, Botschaftspersonal und einheimische Ortskräfte der Botschaft gedacht.

Der Journalist Matthieu Aikins, der für die „New York Times“ von vor Ort berichtet, schreibt auf Twitter, die Menschen seien aufgrund falscher Informationen zum Flughafen gestürmt. Demnach gebe es Gerüchte, wonach Flugzeuge auch Menschen ohne Visum nach Kanada ausfliegen würden. 

Auf Twitter kursieren zudem Berichte über Tote am Flughafen Kabul. Demnach seien mindestens zwei Menschen erschossen und weitere verletzt worden. Eine offizielle Bestätigung gibt es nicht, die Hintergründe sind noch völlig unklar.

Afghanische Flugaufsicht rät vom Überfliegen des Landes ab 

Die zivile Flugverkehr-Aufsicht ACAA in Afghanistan teilt mit, dass der Luftraum für das Militär freigegeben worden sei. Die Behörde rät von Überflügen Afghanistans im Transitverkehr ab. Das Flugdatenportal „FlightRadar24“ twittert, ein Air-India-Flug von Chicago nach Neu-Delhi habe den afghanischen Luftraum kurz nach dem Eintritt wieder verlassen, auch ein Terra-Avia-Flug von Baku in Aserbaidschan in die indische Hauptstadt habe seinen Kurs geändert.

Britischer Verteidigungsminister: „Werden nicht zurückkehren“ 

Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace lehnt einen erneuten Kampfeinsatz gegen die Taliban ab. „Wir werden nicht zurückgehen“, sagt er dem Sender Sky News. „Ich habe zur Kenntnis genommen, dass die Taliban das Land kontrollieren“, erklärt er.

Bundeswehrmaschine startet in Richtung Kabul

Die Bundeswehr ist zur Evakuierung deutscher Staatsbürger und afghanischer Ortskräfte mit einem ersten Transportflugzeug nach Afghanistan aufgebrochen. Am niedersächsischen Fliegerhorst in Wunstorf startete am Montagmorgen eine Maschine des Typs A400M nach Kabul.

Fallschirmjäger der Bundeswehr sollen am Montag in den Militärtransportern in der afghanischen Hauptstadt ankommen, um deutsche Staatsbürger und einheimische Helfer vor den Kämpfern der militant-islamistischen Taliban in Sicherheit zu bringen. Am selben Tag trifft nach Angaben aus Sicherheitskreisen ein sogenanntes Krisenunterstützungsteam (KuT) aus Experten verschiedener Ministerien in der afghanischen Hauptstadt ein.

In der usbekischen Hauptstadt Taschkent soll ein zweites Team eine Drehscheibe („Hub“) für die Rettung von Menschen vor den Islamisten organisieren. Es geht um den bislang wohl größten Evakuierungseinsatz der Bundeswehr – und um einen gefährlichen, wie Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Sonntagabend in Berlin deutlich machte.

Evakuierung deutscher Staatsbürger aus Kabul hat begonnen

Die Evakuierung deutscher Staatsbürger aus der afghanischen Hauptstadt Kabul hat begonnen. In der Nacht zu Montag landeten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur 40 Mitarbeiter der deutschen Botschaft mit einem US-Flugzeug in Doha im Golfemirat Katar. An Bord der Maschine waren auch vier Angehörige der Schweizer Vertretung in Afghanistan.

Der erste Evakuierungsflug wurde mit einer US-Maschine absolviert, da die Bundeswehr erst in der Nacht zu Montag zwei Transportmaschinen vom Typ A400M vom niedersächsischen Wunstorf aus nach Kabul losschicken wollte. Sie sollen in den nächsten Tagen zentraler Bestandteil einer „Luftbrücke“ sein, über die neben den Botschaftsmitarbeitern auch andere deutsche Staatsbürger sowie Ortskräfte, die für die Bundeswehr oder Bundesministerien in Afghanistan gearbeitet haben oder noch arbeiten, nach Deutschland gebracht werden sollen.

Die beiden A400M, die Platz für 114 Passagiere bieten und über besonderen Schutz gegen Angriffe beispielsweise mit Raketen verfügen, fliegen die Betroffenen in ein „Drittland“ aus, das von der Bundesregierung aus Sicherheitsgründen noch nicht genannt wird. Von dort geht es mit zivilen Maschinen weiter nach Deutschland. Wie viele Menschen insgesamt ausgeflogen werden sollen ist noch unklar.

Evakuierung der US-Botschaft in Kabul abgeschlossen – Flughafen gesichert

Die Evakuierung der US-Botschaft in Kabul ist nach Angaben des Außenministeriums abgeschlossen. Das gesamte Botschaftspersonal befinde sich auf dem Gelände des Flughafens von Kabul, dessen Umgebung vom US-Militär gesichert werde, erklärte das Ministerium am Sonntagabend (Ortszeit). Von dort soll früheren Angaben nach ein Großteil des Personals ausgeflogen werden. Offen war, welche und wie viele Mitarbeiter noch in Kabul bleiben sollten.

Medienberichten zufolge war zuvor bereits die US-amerikanische Flagge auf dem Gelände eingeholt worden. Ende vergangener Woche hatte das Außenministerium betont, dass das Botschaftspersonal zwar auf ein Minimum reduziert werden sollte, es sich aber nicht um eine Evakuierung der Botschaft handele. Zunächst hieß es auch, dass der Standort der Botschaft in Kabul erhalten bleibe. Dies änderte sich dann im Laufe des Wochenendes. Die militant-islamistischen Taliban marschierten am Sonntag in die afghanische Hauptstadt Kabul ein.

Auch Deutschland und weitere westliche Staaten hatten zuvor ihre Botschaften in Kabul geräumt und ihre Mitarbeiter an den Flughafen gebracht, um sie auszufliegen.

Republikaner greifen Biden für „verpfuschten“ Afghanistan-Abzug an

US-Präsident Joe Biden steht nach dem Eroberungszug der Taliban in  im Kreuzfeuer führender Republikaner. Der „verpfuschte Abzug“ aus Afghanistan und die „hektische Evakuierung“ von Amerikanern und afghanischen Helfern sei ein „beschämendes Versagen der amerikanischen Führung“, sagte der Minderheitsführer der Republikaner im US-Senat, Mitch McConnell, am Sonntag (Ortszeit). Lesen Sie hier mehr darüber.

Joe Biden berät zur Lage in Afghanistan: Die US-Botschaft wurde evakuiert. Nun soll der Flughafen gesichert werden. (Quelle: @WhiteHouse/Reuters)

Große Airlines meiden afghanischen Luftraum

Große Fluggesellschaften wie United Airlines, British Airways und Virgin Atlantic erklären, sie würden den Luftraum Afghanistans nicht mehr überfliegen. Grund sei die aktuelle Entwicklung im Land. Die Airlines sind nach dem Abschuss eines Verkehrsflugzeugs über der Ukraine im Jahr 2014 und dem Abschuss einer Maschine im Iran im Jahr 2020 bei Flügen über Konfliktzonen vorsichtiger geworden.

Ausländische Militärs müssen Afghanistan verlassen

Alle ausländischen Streitkräfte müssen Afghanistan verlassen, bevor mit dem Umbau der Regierung begonnen werde, sagt ein Taliban-Führer, der namentlich nicht genannt werden will, der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon. Es sei aber noch zu früh, um zu sagen, wie man die Regierung übernehmen werde. Er fügte hinzu, die Taliban-Kämpfer in Kabul seien gewarnt worden, Zivilisten nicht zu verängstigen. Zudem solle den Bürgern erlaubt werden, ihre normalen Tagesaktivitäten wieder aufzunehmen.

60 Länder fordern Offenhaltung von Airport und Grenzen

Mehr als 60 Länder fordern in einer gemeinsamen Erklärung, Afghanen und andere Staatsbürger, die das Land verlassen wollen, müsse die Ausreise erlaubt werden. Auch Flughäfen und Grenzübergänge müssten geöffnet bleiben, teilt das US-Außenministerium mit.

Die Forderung sei unter anderem von den USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Kanada, Japan, Italien, Südkorea, Australien und Katar unterzeichnet worden.

Die Machthaber in Afghanistan trügen die Verantwortung für den Schutz von Menschenleben und Eigentum sowie die sofortige Wiederherstellung von Sicherheit und bürgerlicher Ordnung. Das afghanische Volk verdiene es, in Sicherheit und Würde zu leben. Die internationale Gemeinschaft stehe bereit, ihnen zu helfen.

Pentagon: Mehrere hundert Zivilisten aus Afghanistan ausgeflogen

Die US-Streitkräfte haben nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums die Flugverkehrskontrolle auf dem Flughafen von Kabul übernommen. Dabei würden sie von afghanischen Helfern unterstützt, erklärte der Sprecher des Ministeriums, John Kirby, am Sonntagabend (Ortszeit). Der kommerzielle Flugverkehr laufe weiter, auch wenn es zwischendurch zu Unterbrechungen und Verzögerungen gekommen sei. Mehrere hundert Botschaftsmitarbeiter und private US-Bürger wurden dem Ministerium zufolge bisher aus Afghanistan ausgeflogen.

Taliban-Sprecher: „Der Krieg in Afghanistan ist vorbei“

Ein Sprecher des Politbüros der Taliban erklärt den Krieg in Afghanistan für beendet. „Der Krieg in Afghanistan ist vorbei“, sagt der Sprecher des Taliban-Politbüros, Mohammad Naeem, dem Sender Al Dschasira. „Wir versichern allen, dass wir für die Sicherheit der Bürger und der diplomatischen Vertretungen sorgen werden“, fügt er hinzu. „Wir sind bereit, einen Dialog mit allen afghanischen Persönlichkeiten zu führen, und werden ihnen den notwendigen Schutz garantieren.“ Die Form der Regierung werde bald feststehen.

Die Taliban erwarten nach Angaben eines Sprechers, dass ausländische Mächte „ihre gescheiterte Erfahrung in Afghanistan“ nicht wiederholen werden. „Wir sind bereit, uns mit den Sorgen der internationalen Gemeinschaft im Dialog zu befassen“, sagte Naeem weiter.

US-Medien: USA wollen weitere Verstärkung nach Kabul schicken

Die USA wollen Berichten zufolge angesichts des rasanten Eroberungszug der Taliban rund 1.000 weitere Soldaten nach Afghanistan schicken. Das berichteten am Sonntagnachmittag (Ortszeit) mehrere Medien wie etwa der Sender CNN und die Zeitung „Washington Post“ übereinstimmend unter Berufung auf Beamte im Verteidigungsministerium.

Das Ministerium bestätigte dies auf Anfrage zunächst nicht. Es soll sich um Soldaten der 82. Luftlandedivision handeln, die eigentlich nach Kuwait unterwegs waren, schrieb CNN. Damit würde die Zahl der US-Militärangehörigen, die in Kabul oder auf dem Weg dorthin sind, auf rund 6.000 steigen.

Chaotische Szenen am Zivilflughafen von Kabul – Berichte von Schüssen

Augenzeugen zufolge spielen sich derzeit chaotische Szenen am Zivilflughafen von Kabul ab. Hunderte Menschen mit Koffern versammelten sich demnach auf dem Rollfeld und versuchten an Bord der Flieger zu gelangen. Zivilflüge konnten daher offenbar nicht abheben, wie mehrere Menschen in den sozialen Netzwerken berichteten. Sicherheitspersonal sei nicht vor Ort gewesen. Videos, die in sozialen Netzwerken kursierten aber bislang nicht verifiziert sind, zeigten die dramatischen Szenen. 

Diese auf Twitter geteilten Videos sollen am Abend auf dem Flughafen Kabul entstanden sein:

Die US-Botschaft in Kabul hatte zuvor Landsleute angewiesen, sich in Sicherheit zu bringen. „Die Sicherheitslage in Kabul ändert sich schnell, auch auf dem Flughafen. Es gibt Berichte, dass der Flughafen unter Beschuss geraten ist; daher weisen wir US-Bürger an, sich in Sicherheit zu bringen“, hieß es in einer am Sonntag veröffentlichten Warnung. Auf dem Flughafen wird nach Nato-Angaben die zivile Luftfahrt eingestellt. Es seien nur noch Militärflüge erlaubt, sagte ein Nato-Vertreter.

Der sichere Betrieb des Flughafens ist Voraussetzung dafür, dass etliche Staaten, darunter Deutschland, ihr Personal wie geplant schnell ausfliegen können. Die Bundesregierung hatte am Sonntag wegen des Vormarsches der militant-islamistischen Taliban ihre Botschaft in Kabul dichtgemacht und die Mitarbeiter zum militärischen Teil des Flughafens verlegt. Auch die USA begannen mit der Räumung ihrer Botschaft und brachten ihr Personal zum Flughafen.

23 Uhr: UN-Chef Guterres fordert Taliban zum Schutz von Leben auf

UN-Generalsekretär Antonio Guterres ruft die Taliban und alle anderen Parteien zu größtmöglicher Zurückhaltung auf, um Leben zu schützen. Guterres fordere sie auf, sicherzustellen, dass humanitäre Bedürfnisse bedient werden könnten, sagt der Sprecher von Guterres.

21.46 Uhr: Taliban im Präsidentenpalast in Kabul

Die Taliban haben die Kontrolle über den Präsidentenpalast in Kabul übernommen. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie sich dutzende bewaffnete Kämpfer der Miliz in dem Gebäude aufhielten. „Unser Land wurde befreit und die Mudschaheddin haben in Afghanistan gesiegt“, sagte einer von ihnen dem TV-Sender Al-Dschasira.

Unterdessen erklärte ein führender Repräsentant der Taliban den Sieg der Miliz in Afghanistan. Dieser unerwartete Erfolg sei beispiellos in der Welt, sagte Mullah Baradar am Sonntag in einer Videobotschaft.

20.47 Uhr Ghani: „Die Taliban haben gesiegt“

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani hat die militärische Niederlage gegen die radikalislamischen Taliban eingestanden. „Die Taliban haben gesiegt“, schrieb Ghani auf Facebook. Die Islamisten seien nun verantwortlich für „die Ehre, das Eigentum und die Selbsterhaltung ihrer Landsleute“.

Ghani sagte nicht, in welchem Land er sich inzwischen aufhält. Einem Medienbericht zufolge ist er nach Usbekistan geflüchtet. Wie der Sender Al Dschasira unter Berufung auf einen Leibwächter des Politikers berichtet, machte sich Ghani unter anderem mit seinem Stabschef auf den Weg in die usbekische Hauptstadt Taschkent.

Er sei geflohen, um „eine Flut des Blutvergießens zu verhindern“, erklärte Ghani in seinem Facebook-Post. Wenn er geblieben wäre, wären „zahllose Patrioten“ getötet und Kabul zerstört worden, fügte er hinzu. 

20.10 Uhr Berichte über Explosionen in Kabul

In Kabul sollen sich afghanischen Medienberichten zufolge mehrere Explosionen ereignet haben. Nähere Informationen liegen zunächst nicht vor.

19.40 Uhr Maas: Evakuierung von Botschaftsangehörigen beginnt umgehend

Deutschland beginnt noch am Sonntag mit der Evakuierung deutscher Staatsbürger aus Kabul. „Ein Teil von ihnen wird noch im weiteren Verlauf des Tages ausgeflogen“, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Sonntagabend in Berlin. In der Nacht sollen dann nach Angaben des Ministers die Flugzeuge der Bundeswehr in die afghanische Hauptstadt starten, um bei der weiteren Evakuierung zu helfen.

Außenminister Heiko Maas (SPD): „Wir setzen jetzt alles daran, unseren Staatsangehörigen und unseren Ortskräften eine Ausreise zu ermöglichen“. (Quelle: Christoph Soeder/dpa)

„Wir setzen jetzt alles daran, unseren Staatsangehörigen und unseren ehemaligen Ortskräften eine Ausreise in den kommenden Tagen zu ermöglichen“, sagte Maas. „Die Umstände, unter denen das stattfinden kann, sind aber derzeit schwer vorherzusehen.“ Deshalb stehe die Bundesregierung auch in einem engen Austausch mit den USA und anderen internationalen Partnern. „Wir haben uns darauf verständigt, dass wir uns bei den Evakuierungsmaßnahmen in den kommenden Tagen gegenseitig und wechselseitig unterstützen werden.“

Bereits zuvor hatte Deutschland seine Botschaft in Afghanistan wegen des Vorrückens der Taliban auf Kabul geschlossen und das Personal zum militärischen Teil des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt verlegt. Das teilte Außenminister Maas auf Twitter mit. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dort inzwischen eingetroffen und stellen ihre Arbeitsfähigkeit her“, erklärte Maas.

19.09 Uhr Johnson: Afghanistan darf nicht wieder zur Brutstätte für Terrorismus werden

Der britische Premierminister Boris Johnson hat westliche Staaten davor gewarnt, die Taliban ohne vorherige Absprache als neue Regierung Afghanistans anzuerkennen. Es sei klar, dass es demnächst eine neue Regierung in Kabul geben werde, sagte Johnson nach einer Sitzung des nationalen Sicherheitskabinetts in London. Es sei aber „sehr wichtig, dass der Westen zusammenarbeitet, um dieser neuen Regierung – ob es Taliban sind oder jemand anderes – klarzumachen, dass niemand will, dass Afghanistan wieder zur Brutstätte für Terrorismus wird“, so Johnson weiter.

Die Situation in Afghanistan beschrieb Johnson als sehr schwierig. Höchste Priorität habe es nun, britische Staatsangehörige und Afghanen, die mit Großbritannien zusammengearbeitet hätten, außer Landes zu bringen. „Wir werden so viele wie möglich in den nächsten paar Tagen rausbringen“, so der konservative Politiker weiter.

17.54 Uhr Frankreich verlegt Botschaft zum Kabuler Flughafen

Auch Frankreich verlegt seine Botschaft in die Nähe des Flughafens von Kabul. Der Betrieb werde für die Evakuierung aller französischen Staatsbürger aufrechtgehalten, teilt Außenminister Jean-Yves Le Drian mit. Er kündigt an, dass in den kommenden Stunden militärische Verstärkung in die Vereinigten Arabischen Emirate entsandt werde, um womöglich die ersten Evakuierungen nach Abu Dhabi auf den Weg zu bringen.

17.42 Uhr Iran richtet Pufferzonen für afghanische Flüchtlinge ein

Der Iran hat angesichts des Eroberungszugs der radikalislamischen Taliban im Nachbarland Afghanistan Pufferzonen für Flüchtlinge aus dem Krisenstaat eingerichtet. „Wir haben schon vor zwei Monaten mit einer neuen Flüchtlingswelle aus Afghanistan gerechnet und daher schon damals mit der Einrichtung von provisorischen Pufferzonen an den drei Grenzübergängen begonnen“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Sonntag der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA.

Die drei Pufferzonen an den Grenzübergängen im Nord- sowie Südosten des Landes sollen afghanischen Flüchtlingen vorerst Schutz und Sicherheit bieten. „Sobald sich die aktuelle Situation wieder entspannt hat, können die Flüchtlinge dann von dort aus wieder in ihre Heimat zurückkehren“, sagte Sprecher Hussein Ghassemi. Wegen der akuten Corona-Krise im Iran werden laut Ghassemi auch Vertreter des iranischen Gesundheitsministeriums in den Pufferzonen tätig.

Für den Iran ist die erneute Flüchtlingswelle aus Afghanistan nicht neu. Das Land hatte nach der sowjetischen Invasion in Afghanistan 1979 über drei Millionen afghanische Flüchtlinge einreisen lassen. Wegen der Corona-Pandemie und der schweren Wirtschaftskrise gilt es laut Beobachtern jedoch als eher unwahrscheinlich, dass Teheran dies erneut erlaubt.

17.41 Uhr: Taliban: Haben Kontrolle über Präsidentenpalast übernommen

Die Taliban sind nach eigenen Angaben in den Präsidentenpalast eingedrungen und haben die Kontrolle über das Gebäude übernommen. Die afghanische Regierung bestätigte die Angaben der zwei Taliban-Befehlshaber zunächst nicht.

17.31 Uhr Frankreich, Italien und die Niederlande beschleunigen Rückführungen aus Kabul

Angesichts der bevorstehenden Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan beschleunigen auch Frankreich, Italien und die Niederlande die Rückführung ihres zivilen Personals aus Kabul. Kanada hat sein Personal bereits ausgeflogen.

„Absolute Priorität in den kommenden Stunden“ habe die Sicherheit von Franzosen und afghanischen Ortskräften in Kabul, teilte der Elysée-Palast am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP mit. Der Einsatz zur Ausreise der Menschen dauere an. Am Freitag hatte Paris angekündigt, auch bedrohte afghanische Aktivisten, Journalisten und Künstler aufnehmen zu wollen. Nach offiziellen Angaben hat Frankreich seit Mai die Aufnahme von 625 afghanischen Ortskräften und ihren Familien organisiert.

Nach Angaben des niederländischen Außenministeriums wurde die Botschaft am Samstagabend in die Nähe des Flughafens von Kabul verlegt. Ein Militärflugzeug sei bereits im Einsatz, um einen Teil des Personals sowie Dolmetscher und ihre Familien in die Niederlande zu holen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Verteidigungsministerin Ank Bijleveld bot allen Dolmetschern, die auf der Mitarbeiterliste stehen, an, in den Niederlanden Asyl zu beantragen, wie der Sender NOS berichtete.

17.20 Uhr Taliban-Vertreter: Es wird keine Übergangsregierung geben

Zwei Vertreter der Taliban widersprechen Darstellungen der Regierung, wonach es eine Übergangsregierung geben solle. Das werde nicht der Fall sein, sagen sie zu Reuters. Die Gruppe erwarte eine vollständige Machtübergabe. Der kommissarische Innenminister Abdul Sattar Mirsakawal hatte zuvor gesagt, die Macht werde an eine Übergangsregierung übergehen.

17.15 Uhr Dutzende Verletzte bei Kämpfen am Stadtrand von Kabul

Mehr als 40 Menschen sind nach Angaben eines Krankenhauses in Kabul bei Kämpfen am Stadtrand verletzt worden. Details wurden nicht genannt.

17.04 Uhr Merkel will Fraktionsvorsitzende über Lage in Kabul unterrichten 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird die Fraktionsvorsitzenden im Bundestag noch an diesem Sonntag über die dramatische Zuspitzung der Lage in Afghanistan unterrichten. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Fraktionskreisen. Dabei dürfte es auch um die Evakuierung des deutschen Botschaftspersonals, anderer deutscher Staatsbürger und afghanischer Ortskräfte durch die Bundeswehr gehen. Die Unterrichtung soll den Angaben zufolge um 18.30 Uhr stattfinden. Zuerst hatte das ZDF über den Termin berichtet.

Deutschland hat seine Botschaft in Afghanistan wegen des Vorrückens der Taliban auf Kabul am Sonntag geschlossen und das Personal zum militärischen Teil des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt verlegt. Das teilte Außenminister Heiko Maas (SPD) auf Twitter mit. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dort inzwischen eingetroffen und stellen ihre Arbeitsfähigkeit her“, erklärte Maas.

16.50 Uhr Britischer Außenminister ruft Taliban zur Gewaltlosigkeit auf

Der britische Außenminister Dominic Raab hat die Taliban zur Gewaltlosigkeit und zur Einhaltung der Menschenrechte aufgerufen. „Habe meine große Besorgnis über die Zukunft Afghanistans mit (dem pakistanischen) Außenminister Qureshi geteilt“, schrieb Raab am Sonntag auf Twitter. Es sei von entscheidender Bedeutung, dass die internationale Gemeinschaft in dem Aufruf an die Taliban zur Gewaltlosigkeit und zum Schutz der Menschenrechte vereint sei, so der konservative Politiker weiter. 

Der britische Premierminister hatte angesichts des rasanten Eroberungszugs der islamistischen Extremisten in Afghanistan eine Sitzung des nationalen Sicherheitskabinetts Cobra einberufen. Am kommenden Mittwoch soll das Unterhaus in London zu einer Sondersitzung zusammentreten.

16.45 Uhr Trittin wirft Maas persönliches Versagen in Afghanistan vor

Der Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin hat Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) ein beispielloses Versagen bei der Rettung afghanischer Ortskräfte vorgeworfen. Maas habe „hier viel Schuld auf sich geladen“, sagte Trittin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Montagsausgaben). Trittin warf dem von Maas geführten Auswärtigen Amt vor, eine Rettung und unbürokratische Aufnahme der afghanischen Ortskräfte in Deutschland blockiert zu haben.

„So ein Versagen, das so viel Leid mit sich bringen wird, ist beispiellos“, sagte Trittin, der dem Auswärtigen Ausschuss des Bundestags angehört. Er wies dem Außenminister eine persönliche Verantwortung für das Schicksal der Betroffenen zu: Wenn die Ortskräfte nun „nicht mehr gerettet werden können, ist er dafür verantwortlich“.

Jürgen Trittin (Archivfoto): Der Grünen-Außenpolitiker warf dem von Maas geführten Auswärtigen Amt vor, eine Rettung und unbürokratische Aufnahme der afghanischen Ortskräfte in Deutschland blockiert zu haben. (Quelle: Imago/Political-Moments)

Bei den Ortskräften handelt es sich um einheimische Mitarbeiter deutscher Stellen in Afghanistan. Es besteht die Befürchtung, dass sie zum Ziel von Racheakten der radikalislamischen Taliban werden können. Eine größere Gruppe Ortskräfte wurde bereits nach Deutschland ausgeflogen, mehrere Hundert sitzen aber noch in Afghanistan fest.

16.44 Uhr Türkei will Kooperation mit Pakistan stärken

Angesichts einer drohenden Fluchtbewegung aus Afghanistan hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eine verstärkte Zusammenarbeit mit Pakistan angekündigt. „Der Türkei droht eine wachsende Migrantenwelle von Afghanen, die über den Iran einwandern“, sagte Erdogan bei einem Treffen mit Pakistans Staatschef Arif Alvi am Sonntag in Istanbul. Ankara wolle sich für „Stabilität in der Region“ einsetzen und zu diesem Zweck die „Kooperation mit Pakistan stärken“.

„Wir sind entschlossen, alle zur Verfügung stehenden Mittel zu mobilisieren, um erfolgreich zu sein“, sagte Erdogan weiter. Wegen der erwarteten massiven Zunahme von Flüchtlingen aus Afghanistan hatte die türkische Regierung in den vergangenen Tagen bereits den Bau einer Grenzmauer zum Iran vorangetrieben. „Mit dieser Mauer werden wir die Ankunft von Migranten komplett stoppen“, betonte Erdogan am Sonntag.

In Afghanistan sind noch mehrere hundert türkische Soldaten stationiert. Erdogan hatte angeboten, nach dem vollständigen Abzug der Nato-Truppen aus dem Land die Sicherung des internationalen Flughafens von Kabul zu gewährleisten, sollten die USA dies finanziell und logistisch unterstützen. Auch ein Treffen mit der Taliban-Führung hatte Erdogan vorgeschlagen.

Die voraussichtliche Ankunft zahlreicher afghanischer Flüchtlinge an der türkischen Grenze ist in der Türkei, die bereits viele syrische Flüchtlinge beherbergt, ein hochsensibles Thema. Die Opposition forderte Erdogan zuletzt auf, die Einreise weiterer Migranten zu stoppen.

16.41 Uhr Élyséekreise: Sicherheit von Franzosen in Kabul „absolute Priorität“

Angesichts der drohenden Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistans Hauptstadt Kabul hat die Regierung in Paris sich besorgt über die dort verbliebenen französischen Staatsbürger und einheimischen Ortskräfte geäußert. Präsident Emmanuel Macron verfolge rund um die Uhr die „sehr besorgniserregende Verschlechterung der Situation in Afghanistan“, hieß es am Sonntag aus Élyséekreisen. Die Sicherheit der Franzosen und der afghanischen Ortskräfte habe „absolute Priorität“. Frankreich sei in den vergangenen Wochen eins der wenigen Länder gewesen, die gefährdeten Menschen vor Ort noch Schutz geboten hätten. Diese Operationen würden fortgeführt, hieß es. Frankreich stehe an der Seite des afghanischen Volks.

16.31 Uhr Berichte: Schusswechsel in Kabul

Augenzeugen und auch das Innenministerium berichteten von Schusswechseln in mehreren Teilen der afghanischen Hauptstadt Kabuls, so die BBC. 

16.18 Uhr Taliban-Sprecher: Kämpfer sollen in Kabul einrücken um Plünderungen zu verhindern

Die Taliban haben nach Angaben eines Sprechers ihre Kämpfer angewiesen, in die Hauptstadt Kabul einzurücken, um Plünderungen zu verhindern.

16.07 Uhr Italien fliegt Botschaftsangehörige aus

Mitarbeiter der italienischen Botschaft in Kabul sollen nach Angaben des Außenministeriums noch am Sonntag nach Rom ausgeflogen werden. Ein Militärflugzeug werde in Kabul am Abend abheben. Von einer Schließung der Botschaft können aber noch keine Rede sein. 

16.04 Uhr Taliban-Sprecher: Werden keine Rache üben

Ein an Gesprächen mit der afghanischen Regierung in Katar beteiligter Taliban-Unterhändler hat Befürchtungen vor Gewalttaten bei einer Übernahme der Macht in Kabul zurückgewiesen. „Wir versichern den Menschen (…) in der Stadt Kabul, dass ihr Hab und Gut und ihre Leben sicher sind“, sagte Suhail Schahin der BBC in einem Telefonat aus Doha. Es werde „keine Rache an irgendjemandem“ geben. Die Taliban-Kämpfer seien vor den Toren der afghanischen Hauptstadt und hätten den Befehl erhalten, die Stadt nicht zu betreten. „Wir warten auf eine friedliche Übergabe der Macht“, so Schahin weiter. Das bedeute, dass die Stadt dem „Islamischen Emirat von Afghanistan“ übergeben werden solle.

Seit Beginn des Abzugs der US- und Nato-Truppen aus Afghanistan im Mai haben die radikalislamischen Taliban gewaltige Gebietsgewinne verzeichnet. In einem rasanten Vormarsch haben sie mittlerweile mehr als zwei Drittel der Provinzhauptstädte des Landes eingenommen und stehen vor Kabul. Derzeit laufen Gespräche zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung.

16.02 Uhr Niederlande haben Botschaft verlegt

Die Niederlande haben ihre Botschaft in Kabul nach Angaben eines Sprechers des Außenministeriums in die Nähe des internationalen Flughafens der afghanischen Hauptstadt verlegt. Der Betrieb solle so lange wie möglich aufrecht gehalten werden. Das Verteidigungsministerium teilt mit, für Evakuierungen sei ein Militärflugzeug nach Kabul geschickt worden.

16.01 Uhr Deutsche Medien schreiben Hilfe-Ruf 

Zahlreiche deutsche Medien, darunter „Die Zeit“, „Der Spiegel“, „Süddeutsche Zeitung“ und die Nachrichtenagentur dpa haben einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin veröffentlicht. In ihrem Appell fordern sie die Bundesregierung dazu auf, die Mitarbeiter ihrer Medien vor Ort in Afghanistan zu retten. Die langjährige Berichterstattung aus dem Land sei nicht denkbar gewesen, ohne die vielen Mitarbeiter vor Ort. „Das Leben dieser freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist nun akut gefährdet.“ Sie fordern deshalb ein „Visa-Notprogramm für afghanische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutscher Medienhäuser“. 

15.56 Uhr Norwegen und Estland beantragen UN-Sicherheitsrats-Sitzung

Estland und Norwegen haben Diplomaten zufolge eine Sondersitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen beantragt. Das Gremium solle so bald wie möglich zusammentreten.

15.54 Uhr Afghanischer Präsident soll das Land verlassen haben

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani hat nach Angaben seines früheren Stellvertreters angesichts der erfolgreichen Taliban-Offensive das Land verlassen. „Der frühere afghanische Präsident hat die Nation verlassen“, sagte der Vorsitzende des afghanischen Friedensrats, Abdullah Abdullah, in einem am Sonntag auf seiner Facebook-Seite veröffentlichten Video. 

Der „Ex-Präsident“ habe in dieser Situation das Land verlassen, und Gott möge ihn zur Rechenschaft ziehen, sagte Abdullah weiter. Auch das Volk werde über ihn richten. Angaben dazu, wohin der Präsident das Land verlassen habe, machte Abdullah nicht. Lokale Medien berichteten, er sei nach Tadschikistan geflogen

15.31 Uhr US-Außenminister Blinken weist Kabul-Saigon-Vergleich zurück

Für US-Außenminister Antony Blinken ist die Evakuierung des Botschaftspersonals aus Afghanistans Hauptstadt Kabul die „Aufgabe Nummer eins“. „Daran arbeiten wir gerade“, sagte Blinken im US-Fernsehen am Sonntagmorgen (Ortszeit). Das gelte auch für afghanische Helfer, die US-Truppen während des Einsatzes unterstützt haben.

Blinken betonte: „Das ist nicht Saigon.“ Damit spielte auf die Niederlage der USA im Vietnamkrieg 1975 an. Damals gingen Bilder einer chaotischen Rettung des Botschaftspersonals aus Hanoi um die Welt. Blinken äußerte sich nicht zum Stand der Evakuierung in Kabul.

Blinken verteidigte den Truppenabzug. „Wir sind vor 20 Jahren nach Afghanistan gegangen, mit einer Mission“, sagte er. Es sei darum gegangen, sich mit den Leuten zu befassen, welche die USA am 11. September 2001 angegriffen hätten. „Und wir haben diese Mission erfolgreich erfüllt“, sagte Blinken. Er räumte allerdings ein, dass auch die USA von den Ereignissen in Afghanistan überrascht worden seien. „Wir sehen, das die Streitkräfte nicht in der Lage waren, das Land zu verteidigen – und zwar schneller, als wir es erwartet hatten“, so der Minister.

Biden hatte am Samstag eine weitere Verstärkung von 1000 Soldaten nach Kabul angeordnet. Sie sollen Berichten nach aus dem Nahen Osten kommen. Dort waren zuvor zusätzliche Militärs stationiert worden, um als Verstärkung bereitzustehen. Damit sind insgesamt rund 5000 US-Soldaten mit der Sicherung des Flughafens in Kabul sowie der Evakuierung des Botschaftspersonals und der afghanischen Hilfskräfte befasst. Dazu zählen 3000 Militärs, deren Verlegung in der vergangenen Woche angekündigt wurde, und rund 1000 Soldaten, die bereits vor Ort waren.

14.52 Uhr Maas: Personal der deutschen Botschaft an Flughafen Kabul verlegt

Deutschland hat seine Botschaft in Afghanistan wegen des Vorrückens der Taliban auf Kabul geschlossen und das Personal zum militärischen Teil des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt verlegt. Das teilte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Sonntag auf Twitter mit. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dort inzwischen eingetroffen und stellen ihre Arbeitsfähigkeit her“, erklärte Maas.

Für den Nachmittag habe er erneut den Krisenstab der Bundesregierung einberufen. Es gehe darum, „Sofortmaßnahmen zur Sicherung und zur Ausreise deutscher Bediensteter und weiterer gefährdeter Personen aus Afghanistan auf den Weg zu bringen“.

Zuvor hatte bereits das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ über die Evakuierung der deutschen Botschaft berichtet. Nach ersten Meldungen über das Eindringen von Taliban-Einheiten in die Stadt seien die etwa 20 Botschaftsangehörigen und die Bundespolizisten, die zum Schutz der diplomatischen Vertretung abgestellt sind, aus Sicherheitsgründen zum militärisch gesicherten Flughafen gebracht worden.

14.43 Uhr Afghanische Regierungsdelegation soll mit Taliban in Katar beraten

Eine Delegation der afghanischen Regierung soll noch am Sonntag zu Verhandlungen mit den Taliban nach Katar fliegen. Dies teilt ein Mitglied des Verhandlungsteams der Regierung mit. Bei den Gesprächen soll es um eine Machtübergabe gehen, sagte eine mit Plänen vertraute Person. Auch US-Vertreter würden daran beteiligt sein.

14.42 Uhr „Wir haben Angst davor, was passieren wird“

Farzana Kocha, Mitglied des Parlaments in Kabul, schilderte der BBC Eindrücke aus der Stadt: „Manche rennen, manche verstecken sich in ihren Häusern“. Immer wieder könne man Schüsse außerhalb Kabuls hören. Sie hätten Angst davor, was passieren wird. „Die Menschen denken, alles kann passieren, in einer Minute, oder in einer Stunde“. 

Bewohner Kabuls laufen auf den Flughafen zu: Viele Afghanen strömten aus Angst vor Gewalt und Racheakten der Taliban zum Flughafen. (Quelle: Reuters)

14.27 Uhr Auswärtiges Amt: Deutsche Botschaft in Kabul ist geschlossen

Deutschland hat wegen des Vorrückens der Taliban auf Kabul seine Botschaft in der afghanischen Hauptstadt geschlossen. Das teilte das Auswärtige Amt am Sonntag mit. Die Sicherheitslage habe sich drastisch verschlechtert, hieß es in einer Reisewarnung. Deutsche Staatsangehörige werden aufgefordert, Afghanistan zu verlassen.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ wurde die Botschaft bereits evakuiert. Nach ersten Meldungen über das Eindringen von Taliban-Einheiten in die Stadt seien die etwa 20 Botschaftsangehörigen und die Bundespolizisten, die zum Schutz der diplomatischen Vertretung abgestellt sind, aus Sicherheitsgründen zum militärisch gesicherten Flughafen gebracht worden.

14.25 Uhr Caritas in Afghanistan: „große Unruhe“ in Kabul

Von einer „großen Unruhe“ in der afghanischen Hauptstadt Kabul berichtet Stefan Recker, der Leiter des Afghanistan-Büros der Hilfsorganisation Caritas, im Gespräch mit tagesschau24. Er schildert, dass es vor den Banken lange Schlangen gebe – in den Geschäften komme es zu Panikkäufen. 

14.12 Uhr Bericht: Deutsche Botschaft in Kabul evakuiert

Die Bundesregierung hat am Sonntag die deutsche Botschaft in der afghanischen Hauptstadt Kabul evakuiert. Das berichtet der „Spiegel“. Nach den ersten Meldungen über die vorrückenden Taliban seien aus Sicherheitsgründen etwa 20 Botschaftsangehörige und Bundespolizisten zum Flughafen gebracht worden. Dieser ist militärisch abgesichert. 

Das Tempo des Taliban-Vorstoßes auf Kabul hat die Bundesregierung offenbar überrascht. Noch am Donnerstag hatte Maas angekündigt, bis Ende August Chartermaschinen nach Kabul zu schicken, um Ortskräfte aus dem Land zu holen. Das Vorrücken der Miliz bis an die Tore Kabuls zwang die Bundesregierung nun aber zu größerer Eile. Am Sonntag wurde „unter Hochdruck“ an Evakuierungsplänen gearbeitet, verlautete aus Regierungskreisen.

13.58 Uhr US-Vertreter: Taliban rücken derzeit in Kabul nicht vor

Ein größeres Vordringen der Taliban in die afghanische Hauptstadt Kabul ist nach den Worten eines US-Vertreters derzeit nicht zu erkennen. Er fügte hinzu, dass eine Änderung der US-Militärstrategie unwahrscheinlich sei, solange die Islamisten die Evakuierung der amerikanischen Botschaft nicht störten. Zuvor hatte das afghanische Innenministerium mitgeteilt, dass die Taliban von allen Seiten in die Stadt vorstießen. Die Taliban erklärten dagegen, sie hätten ihre Kämpfer angewiesen, nicht nach Kabul hinein vorzudringen, sondern an den Toren der Stadt Stellung zu beziehen, bis eine friedliche und zufriedenstellende Machtübergabe vereinbart sei.

13.31 Uhr Afghanistans Präsident mahnt Einhaltung von Sicherheit in Kabul an 

Nach dem Vorstoß der radikalislamischen Taliban bis an den Stadtrand von Kabul hat Afghanistans Präsident Aschraf Ghani die Regierungstruppen aufgefordert, in der Hauptstadt weiterhin für „die Sicherheit aller Bürger“ zu sorgen. Die Verbreitung von „Chaos“ oder Plünderungen würden nicht geduldet, erklärte Ghani in einer am Sonntag verbreiteten Videobotschaft.

13.24 Uhr Bericht: Bundeswehr startet noch am Sonntag nach Afghanistan 

Wie die „Bild“ berichtet, sollen noch am Sonntag ein Airbus A400 der Bundeswehr und ein Airbus A310 der Luftwaffe nach Afghanistan fliegen, um rund 100 deutsche Staatsbürger vor den Taliban in Sicherheit zu bringen. Von Kabul aus sollen sie in die usbekische Hauptstadt Taschkent gebracht werden. 

Bereits seit gestern seien die deutschen Flugzeuge sowie 200 Fallschirmjäger einsatzbereit gewesen. „Wir hätten gestern fliegen können“, so ein ranghoher Offizier zu „Bild“. Das Auswärtige Amt habe aber mehrere Entscheidungen verzögert. 

Eigentlich war eine Evakuierung erst für Montag geplant. In Kabul sollen noch rund 100 Deutsche sein, darunter 30 Botschaftsmitarbeiter und Bundespolizisten. Die Deutschen sowie afghanischen Ortskräfte sollten von der Luftwaffe zunächst nach Taschkent in Usbekistan ausgeflogen werden. Geschützt würden sie von rund 200 Fallschirmjäger, die in das Land flögen. „Bild“ zufolge ist die Regierung mit dem Bundestag im Gespräch, der den Einsatz wegen der akuten Gefahr auch erst im Nachhinein genehmigen könnte.

13.04 Uhr Tschechien bringt Botschaftsmitarbeiter in Sicherheit

Wegen des Vormarschs der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan will Tschechien die Diplomaten und Ortskräfte seiner Botschaft in Kabul in Sicherheit bringen. Sie sollen in den kommenden Tagen von der Armee des Nato-Staats nach Europa ausgeflogen werden, wie das Verteidigungsministerium in Prag am Sonntag bekanntgab. Zwei tschechische Diplomaten harren derzeit noch am internationalen Flughafen in Kabul aus.

Geholfen werden soll auch Dolmetschern, die für die tschechischen Nato-Kräfte in dem zentralasiatischen Land tätig gewesen waren. Man werde sich um sie und ihre Familien kümmern, betonte Verteidigungsminister Lubomir Metnar nach einer Krisensitzung des Kabinetts. Ihre Arbeit sei für die tschechische Armee wichtig und wertvoll gewesen.

Die Opposition in Prag kritisierte, dass die Regierung viel zu spät auf die Gefahren für die Ortskräfte reagiert habe. „Es ist eine moralische Pflicht, denen zu helfen, die uns geholfen haben“, forderte der Vorsitzende der liberalen Bürgerdemokraten (ODS), Petr Fiala. „Andernfalls droht ihnen der sichere Tod“, warnte Ivan Bartos, der Chef der tschechischen Piratenpartei.

13.00 Uhr Ex-Innenminister soll Übergangsregierung leiten

Der ehemalige afghanische Innenminister und Botschafter in Deutschland, Ali Ahmad Jalali, ist Diplomatenkreisen zufolge im Gespräch, eine Übergangsregierung zu führen. Ob die Taliban Jalalis Ernennung zustimmen, sei noch nicht klar. Er gelte aber als Kompromisskandidat, der potenziell von allen Seiten akzeptiert werden könnte.

12.30 Uhr Taliban sollen die Bagram Air Base außerhalb Kabuls eingenommen haben

Laut Aussagen der Taliban hat die radikalislamische Miliz die Bagram Air Base und das dort befindliche Gefängnis eingenommen. Das berichtet die BBC. 

Die Basis befindet sich außerhalb der Hauptstadt Kabul und war der Hauptmilitärstützpunkt der USA und der Koalitionstruppen, und zugleich das Hauptquartier des US-Militärs während des Afghanistaneinsatzes. Im letzten Monat hatte das US-Militär den Stützpunkt verlassen. 

In dem Gefängnis auf dem Gelände sollen rund 5.000 Taliban inhaftiert gewesen sein, so die BBC. Die Taliban behaupteten nun, sie hätten die Häftlinge freigelassen. 

12.10 Uhr Albanien will afghanische Flüchtlinge aufnehmen

Albanien will Afghanen vorübergehend aufnehmen, die vor den vorrückenden Taliban aus ihrem Land fliehen. Man komme damit einer Bitte der USA nach, erklärte Ministerpräsident Edi Rama am Sonntag bei Facebook. Auch sehe man sich als Nato-Mitglied dazu verpflichtet. Es gehe darum, Flüchtlinge aufzunehmen, die später in die USA gebracht werden sollen.

Rama betonte, dass Hilfe für Schutzsuchende in seinem Land Tradition habe. Unter anderem habe man im 20. Jahrhundert von den Nazis verfolgte Juden aufgenommen. Albanien ist seit 2009 Mitglied der Nato.

12.05 Uhr Taliban: Ausländer können Kabul verlassen

Ausländer können den Taliban zufolge die afghanische Hauptstadt Kabul verlassen, wenn sie dies wünschten. Andernfalls müssten sie sich in den kommenden Tagen bei von den Taliban eingerichteten Stellen registrieren lassen, sagt ein Taliban-Vertreter. Kabul sei eingeschlossen, der Flughafen bleibe aber in Funktion. Die Versorgung von Krankenhäusern werde nicht unterbunden. Mitglieder der afghanischen Armee könnten nach Hause gehen. Die Taliban hätten zum jetzigen Zeitpunkt Freuden-Schüsse als Siegeszeichen untersagt.

12.01 Uhr Afghanen versuchen aus Kabul zu fliehen

In ihren Autos versuchen Menschen aus der afghanischen Hauptstadt Kabul zu fliehen. Dies führe zu langen Staus, berichtet die BBC. Einige Menschen sollen deshalb sogar ihre Autos verlassen haben und sich zu Fuß zum Flughafen aufgemacht haben. 

11.19 Uhr Ex-NATO-General hat Zweifel an der Loyalität der afghanischen Armee 

Der ehemalige NATO-General Hans-Lothar Domröse geht davon aus, dass Kabul schnell an die Taliban fallen wird. Das sagte er im Gespräch mit tagesschau24. Wie schnell die afghanische Hauptstadt in die Hände der radikalislamischen Kämpfer falle, hänge an der Frage, wie lang die afghanische Regierung durchhalte. „Ich habe da kein großes Vertrauen mehr, denn man weiß nicht, auf was sie sich stützt. Welche Sicherheitskräfte sind denn jetzt noch loyal dem Präsidenten gegenüber?“. In dieser Auffassung sieht sich Domröse bestätigt, da die Provinzhauptstädte rasch kapituliert hätten – die Loyalität zur Regierung sei offenbar sehr begrenzt. 

11.15 Uhr Johnson will UK-Parlament aus der Sommerpause rufen

Angesichts der dramatischen Entwicklungen in Afghanistan will der britische Premierminister Boris Johnson laut Medienberichten das Parlament für eine Dringlichkeitssitzung aus der Sommerpause zurückholen. Wie der Sender Sky News und die britische Nachrichtenagentur Press Association am Sonntag unter Berufung auf Vertreter der Downing Street berichteten, sollen die Abgeordneten über das weitere britische Vorgehen in Afghanistan beraten.

11.11 Uhr Russland will Botschaft in Afghanistan vorerst nicht evakuieren

Trotz des Vormarschs der Taliban auf Kabul will Russland seine Botschaft in der afghanischen Hauptstadt vorerst nicht räumen. Eine Evakuierung sei nicht geplant, sagte der Afghanistan-Beauftragte des russischen Außenministeriums, Samir Kabulow, am Sonntag der Agentur Interfax. „Der Botschafter und unsere Mitarbeiter nehmen ihre Aufgaben in aller Ruhe wahr.“

Westliche Staaten beschleunigen dagegen ihre Bemühungen, eigenes Personal und afghanische Ortskräfte vor den militant-islamistischen Taliban in Sicherheit zu bringen. Auch die zentralasiatische Republik Kasachstan wies am Sonntag an, den Schutz eigener Diplomaten zu verstärken.

Nach Angaben des russischen Diplomaten hat es bis dahin keine Kämpfe um Kabul gegeben. „Nun, das ist das traurige Bild der Folgen der amerikanischen Präsenz“, sagte Kabulow. Seit der Entscheidung über den Abzug der internationalen Truppen, darunter auch der Bundeswehr, haben die Taliban in Afghanistan große Teile des Landes erobert. Russland setzt sich für eine diplomatische Lösung des Konflikts ein.

In Moskau forderte der prominente Außenpolitiker Leonid Sluzki ein sofortiges Handeln des UN-Sicherheitsrates. „Es ist wichtig, eine neue humanitäre Katastrophe zu verhindern“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma. Die Sicherheit und Stabilität in der Region dürften nicht noch weiter bedroht werden.

11.06 Uhr Pakistan schließt wichtigen Grenzübergang zu Afghanistan

Pakistan hat angesichts des Vormarsches der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan einen wichtigen Grenzübergang zu seinem Nachbarland geschlossen. Innenminister Sheikh Rashid verkündete die Schließung des Grenzübergangs Torkham im Nordwesten Pakistans am Sonntag, ohne einen Termin für die Wiedereröffnung zu nennen. Die Entscheidung sei getroffen worden, nachdem die afghanische Seite der Grenze nach der Eroberung von Dschalalabad nun unter der Kontrolle der Taliban stehe. Tausende Menschen säßen auf beiden Seiten der Grenze fest.

Am Freitag hatte Pakistan nach Gesprächen mit den Taliban den für den Handel wichtigen Grenzübergang Chaman wieder eröffnet. Seit Beginn des Abzugs der US- und Nato-Truppen im Mai haben die Taliban gewaltige Gebietsgewinne in Afghanistan verzeichnen. Seit vergangenem Freitag haben sie in einem rasanten Vormarsch mehr als zwei Drittel der Provinzhauptstädte des Landes eingenommen.

11.00 Uhr Innenminister Afghanistans kündigt „friedliche Machtübergabe“ an

Die afghanische Regierung hat angesichts der bis an den Stadtrand der Hauptstadt Kabul vorgerückten Taliban eine „friedliche Machtübergabe“ angekündigt. „Es wird keinen Angriff auf die Stadt geben“, sagte Innenminister Abdul Sattar Mirsakwal am Sonntag in einer aufgezeichneten Ansprache. Demnach soll eine „Übergangsregierung“ gebildet werden.

Mirsakwal rief die Menschen dazu auf, keinen Fehlinformationen zu vertrauen. „Die Leute brauchen sich keine Sorgen zu machen, die Stadt ist sicher“, erklärte er. Jeder, der Unordnung in der Stadt verursache, werde in Übereinstimmung mit dem Gesetz behandelt.

Kurz zuvor hatte der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid der BBC gesagt, er könne bestätigen, dass es Gespräche mit dem Präsidentenpalast über eine friedliche Machtübernahme gebe. Der Leiter des Hohen Rates für Nationale Versöhnung, Abdullah Abdullah, organisiere diese.

Auch Verteidigungsminister Bismillah Chan Mohammadi erklärte in einer auf Facebook veröffentlichten Videoansprache, er als Vertreter der Streitkräfte garantiere die Sicherheit Kabuls. Die Menschen sollten nicht in Panik verfallen. Präsident Aschraf Ghani habe sich mit heimischen Politikern getroffen und ihnen die Verantwortung übertragen, eine Delegation aufzustellen, die am Montag nach Qatar am Persischen Golf reisen solle, um dort mit der Taliban-Führung eine Einigung über die Afghanistan-Frage zu erzielen. Die Sicherheit Kabuls werde gewährleistet, bis eine Einigung erzielt wird, sagte er. 

10.43 Uhr Taliban: Sprechen mit Regierung über friedliche Übergabe

Die Taliban sind nach eigenen Angaben in Gesprächen mit der afghanischen Regierung über eine friedliche Übergabe der Hauptstadt Kabul. Man werde keine Rache üben, sagte ein Taliban-Sprecher. Allen, die der Regierung oder im Militär gedient hätten, werde vergeben. Zivilisten müssten das Land nicht aus Angst verlassen.

10.36 Uhr Taliban: Kämpfer sollen nicht nach Kabul eindringen

Die militant-islamistischen Taliban haben ihre Kämpfer angewiesen, nicht in die Hauptstadt Kabul vorzudringen. Sie sollten vielmehr an den Toren der Stadt Stellung beziehen, heißt es in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung der Islamisten.

Da die Hauptstadt Kabul eine große und dicht besiedelte Stadt sei, beabsichtigten die Taliban nicht, die Stadt mit Gewalt oder Krieg zu betreten. Man wolle vielmehr mit der anderen Seite über einen friedlichen Einmarsch in Kabul verhandeln.

Die Erklärung wurde während unbestätigter Berichte in sozialen Medien veröffentlicht, dass Taliban-Kämpfer bereits in die Stadt vorgedrungen seien. In Kabul spielten sich chaotische Szenen ab. Es kam zu einer Schießerei vor einer Bank, wie ein Bewohner der Stadt sagte. Viele Menschen versuchten, ihr Erspartes abzuheben, Lebensmittel zu kaufen und zu ihren Familien heimzukehren. Ein Soldat aus Kabul sagte, seine gesamte Einheit habe die Uniformen abgelegt.

10.35 Uhr Taliban stehen am Stadtrand von Kabul

Die radikalislamischen Taliban sind bis an den Stadtrand der afghanischen Hauptstadt Kabul vorgerückt und teilweise auch auf Stadtgebiet vorgedrungen. Ein Sprecher der Islamisten erklärte am Sonntag auf Twitter, ihre Kämpfer hätten Anweisung, an den Stadttoren Halt zu machen und nicht in die Stadt vorzudringen. Bewohner von Außenbezirken Kabuls sagten der Nachrichtenagentur AFP jedoch, Taliban-Kämpfer seien bereits im Stadtgebiet.

„Es gibt bewaffnete Taliban-Kämpfer in unserer Nachbarschaft, aber es wird nicht gekämpft“, sagte ein Bewohner eines östlichen Vororts der Hauptstadt. Die Islamisten hatten in den vergangenen Tagen eine afghanische Stadt nach der anderen oft kampflos eingenommen. Die Hauptstadt Afghanistans war am Wochenende die letzte noch verbliebene Bastion der Regierungstruppen.

USA starten Evakuierung der Botschaft in Kabul

Die USA haben mit der Evakuierung ihrer Botschaft in der afghanischen Hauptstadt Kabul begonnen. Die Evakuierung sei zunächst mit einer kleinen Gruppe gestartet worden, aber auch der Großteil des Personals sei zum Abzug bereit, teilten zwei US-Vertreter mit.

Biden verteidigt Afghanistan-Abzug

US-Präsident Joe Biden hat trotz des rasanten Vormarsches der islamistischen und militanten Taliban in Afghanistan erneut den Abzug der US-Truppen aus dem Krisenstaat verteidigt.

Joe Biden: Laut dem US-Präsidenten hätte ein längerer US-Militäreinsatz in Afghanistan keinen Unterschied gemacht. (Quelle: Evan Vucci/dpa)

„Ein weiteres Jahr oder fünf weitere Jahre US-Militärpräsenz hätten keinen Unterschied gemacht, wenn das afghanische Militär sein eigenes Land nicht halten kann oder will“, hieß es am Samstag in einer Mitteilung des Präsidenten. Eine endlose amerikanische Präsenz inmitten eines Bürgerkriegs in einem anderen Land sei für ihn nicht akzeptabel gewesen.

„Ich war der vierte Präsident, der eine amerikanische Truppenpräsenz in Afghanistan geleitet hat – zwei Republikaner, zwei Demokraten“, so Biden. Er werde „diesen Krieg nicht an einen fünften Präsidenten weitergeben“.

Taliban haben Dschalalabad eingenommen

Die radikalislamischen Taliban haben auch die ostafghanische Stadt Dschalalabad eingenommen. Die Hauptstadt der Provinz Nangarhar sei kampflos an die Taliban gegangen, sagten Bewohner von Dschalalabad am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP und bestätigten damit entsprechende Behauptungen der Taliban in Online-Netzwerken. Damit ist die Hauptstadt Kabul die letzte große Stadt des Landes, die nicht von der radikalislamischen Miliz kontrolliert wird. Lesen Sie hier mehr darüber. 

Bericht: Deutscher Evakuierungsflug startet am Montag

Zur Evakuierung des deutschen Botschaftspersonals in Kabul werden laut einem Zeitungsbericht am Montag Militärtransporter der deutschen Luftwaffe vom Typ A400M in die afghanische Hauptstadt fliegen. Diese Maschinen, die höchsten Schutz böten, sollten die Deutschen sicher außer Landes bringen, berichtet die „Bild am Sonntag“. Voraussichtlich werde in der usbekischen Hauptstadt Taschkent eine Drehscheibe für Zwischenlandungen der A400M-Maschinen eingerichtet. Lesen Sie hier mehr.

Biden schickt mehr Soldaten nach Kabul

Angesichts des raschen Vorrückens der radikalislamischen Taliban-Miliz auf Kabul hat US-Präsident Joe Biden die Zahl der US-Soldaten erhöht, die bei der Evakuierung der Botschaft in der afghanischen Hauptstadt helfen sollen. Statt der vorhergesehenen 3.000 Soldaten sollten nun „etwa 5.000 Soldaten“ eingesetzt werden, um die Ausreise des Botschaftspersonals und unzähliger ziviler Ortskräfte zu sichern, erklärte Biden am Samstag nach Rücksprache mit seinen nationalen Sicherheitsberatern. Nach Berichten des US-Fernsehsender CBS soll eine Evakuierung unmittelbar bevorstehen. 

Biden warnte die Taliban davor, die Mission zu behindern. Angriffe auf US-Interessen würden rasch und energisch beantwortet.

Berlin möchte Flüchtlinge aufnehmen

Das Land Berlin ist zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan bereit. Gemeinsam mit anderen Bundesländern würde Berlin ein Kontingent von Flüchtlingen aufnehmen, „die sich in Afghanistan für den Aufbau der Demokratie eingesetzt haben“, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) dem „Tagesspiegel“ (Sonntags-Ausgabe). „Wir brauchen dafür dringend Entscheidungen auf Bundesebene.“

Die Berliner Senatorin für Integration, Elke Breitenbach (Linke), forderte ebenfalls eine „humanitäre Hilfsaktion, an der sich Berlin selbstverständlich beteiligen wird“. Auch die Grünen-Spitzenkandidatin in Berlin, Bettina Jarasch, sieht Deutschland und Berlin in der Verantwortung: „Berlin muss dem Bund ein Angebot machen, im Rahmen des deutschen Handelns ein Kontingent Flüchtlinge aufzunehmen.“

Taliban erobern Masar-i-Scharif

Die islamistischen Taliban in Afghanistan haben auf ihrem rasanten Eroberungszug nun auch die Großstadt Masar-i-Scharif im Norden eingenommen. Dort war bis vor wenigen Wochen ein großes Feldlager der Bundeswehr, seit Ende Juni sind die deutschen Soldaten aus dem Krisenstaat abgezogen. Dass Masar-i-Scharif am Samstag gefallen ist, bestätigten eine Sicherheitsquelle und ein Provinzrat der Deutschen Presse-Agentur. Damit hält die Regierung lediglich noch zwei Großstädte – Dschalalabad im Osten und die Hauptstadt Kabul.

Die Islamisten hatten seit rund einer Woche Masar-i-Scharif intensiv angegriffen. Immer wieder versuchten sie von mehreren Seiten, in die auch wirtschaftlich starke Metropole mit geschätzt 500.000 Einwohnern einzudringen. Milizen des Ex-Gouverneurs Mohammad Atta Nur und des Ex-Kriegsfürsten Abdul Raschid Dostum hatten zuletzt nördlich der Stadt eine zusätzliche Verteidigungslinie zur Unterstützung der Sicherheitskräfte aufgebaut.

In Masar-i-Scharif hatte die deutsche Bundeswehr bis vor kurzem ein großes Feldlager im Camp Marmal in der Nähe des Flughafens. Dort waren bis zum Sommer noch rund 1.000 deutsche Soldaten stationiert. Ende Juni waren nach der US- und Nato-Abzugsentscheidung in vier Militärmaschinen die letzten verbliebenen Soldaten nachts ausgeflogen worden. Die Bundeswehr hatte zuletzt afghanische Sicherheitskräfte im Zuge der Nato-Mission „Resolute Support“ ausgebildet. Es könnten weitere Ortskräfte der Bundeswehr in der Stadt sein. An ihnen werden Racheaktionen der Taliban befürchtet. 

Tschechien nimmt Ortskräfte auf

Tschechien kündigt die Aufnahme afghanischer Ortskräfte seiner Botschaft in Kabul und seines Militärs an. „Diese Menschen haben der Tschechischen Republik gedient und wir tragen die volle Verantwortung für sie“, erklärt Außenminister Jakub Kulhanek. Das gelte auch für deren Ehefrauen und Kinder. Die Evakuierungsflüge seien in den kommenden Tagen geplant.

Berichte: Taliban führen mutmaßliche Verbrecher am Strick durch die Stadt

In Afghanistan sorgen Videos und Bilder von zwei mutmaßlichen Straftätern für Aufregung, die Berichten zufolge von militant-islamistischen Talibankämpfern an einem Strick durch die Stadt geführt wurden. In den in sozialen Netzwerken kursierenden Videos ist zu sehen, wie die Männer, deren Gesichter mit schwarzer Farbe bemalt sind, erst auf ein Podest gestellt und dann an einem Strick über eine Straße geführt werden. Eine unabhängige Bestätigung für die Echtheit der Aufnahmen gab es zunächst nicht; zuerst hatte „Bild“ berichtet. 

Taliban in Herat: Sie sollen zwei Männer an einem Strick durch die Stadt geführt haben. (Quelle: Stringer/Reuters)

In einem Video, das von einem Wohnhaus aus die Szene filmt, kommentiert ein Mann, dass die Taliban einen Dieb festgenommen hätten und sie nun in Richtung Mastufijat-Platz gehen würden. Bewohner der Stadt Herat im Westen des Landes bestätigten, dass die Aufnahmen in Herat gemacht wurden. Die Taliban hatten die drittgrößte Stadt des Landes am Donnerstag erobert. Ein bekannter afghanischer Journalist hatte die Bilder von dem Vorfall geteilt und kommentiert, dieser habe sich am Freitag nach dem Freitagsgebet zugetragen.

Zuletzt gab es vereinzelt Berichte, dass die Taliban in den von ihnen eroberten Gebieten wie während ihrer früheren Herrschaft von 1996 bis 2001 wieder unmenschliche und drakonische Strafen verhängen. Die „New York Times“ berichtete Ende Juli, dass Taliban in einer Stadt nördlich von Laschkargah zwei Männer für alle sichtbar am Eingangstor zur Stadt gehängt hätten. Die Männer seien beschuldigt worden, Kinder entführt zu haben.

Bundeswehr bereitet großen Evakuierungseinsatz in Kabul vor

Die Bundeswehr bereitet angesichts des rasanten Vormarsches der radikal-islamischen Taliban einen Evakuierungseinsatz in Afghanistan vor. „Die Sicherheitslage in Afghanistan spitzt sich weiter zu. Wir werden das Auswärtige Amt bei der Rückführung deutscher Staatsbürger und weiterer zu Schützender aus Afghanistan nach Deutschland unterstützen“, teilte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer mit. 

Reisende am Flughafen Kabul: Unklar ist noch, wie viele afghanische Mitarbeiter die Bundeswehr ausfliegen muss. (Quelle: Rahmat Gul/dpa)

In Afghanistan sind noch mehr als 100 Deutsche, darunter die Diplomaten und Mitarbeiter der Botschaft in Kabul sowie Experten anderer Ministerien und Organisationen. Auch Ortskräfte sollen ausgeflogen werden. Deren genaue Zahl ist aber noch unklar. So haben allein Organisationen aus dem Geschäftsbereich des Bundesentwicklungsministeriums derzeit noch mehr als 1.000 einheimische Mitarbeiter in Afghanistan.

CDU-Chef Armin Laschet sprach sich dafür aus, dass die Bundeswehr afghanische Ortskräfte schnell aus dem Land holt. Notwendig sei rasch ein neues Mandat des Bundestages. „Diesen Leuten muss geholfen werden, sie müssen jetzt rausgeholt werden“, sagte Laschet am Samstag beim Landestag der Jungen Union Hessen in Gießen. Ein Evakuierungseinsatz muss vom Bundestag genehmigt werden, weil es nach dem Ende des Nato-Einatzes „Resolute Support“ keine rechtliche Grundlage mehr dafür gibt.

Taliban haben Kabul umstellt

Die radikalislamischen Taliban haben die afghanische Hauptstadt Kabul weitgehend umstellt. Am Samstag lagerten Taliban-Kämpfer rund 50 Kilometer entfernt von der Hauptstadt. Nach dem Fall der zweit- und der drittgrößten Stadt des Landes ist Kabul de facto die letzte Bastion der Regierungstruppen, die anderswo kaum oder gar keinen Widerstand leisteten.

Taliban-Kämpfer patrouillieren in der Stadt Ghazni südwestlich von Kabul: Die Hauptstadt ist die letzte Bastion der Regierungstruppen. (Quelle: Gulabuddin Amiri/AP/dpa)

Deutschland und andere Länder wie Großbritannien und Spanien kündigten am Freitag die Ausreise von Botschaftspersonal an. Die USA sagten das Ausfliegen tausender Menschen täglich zu und veranlassten die Zerstörung sensiblen Materials in ihrer Botschaft in Kabul. Aus Washington hieß es dennoch, Kabul befinde „sich im Moment nicht in einer unmittelbaren Bedrohungslage“. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums räumte jedoch ein, dass „die Taliban-Kämpfer versuchen, die Stadt zu isolieren“.

In Online-Netzwerken waren zahlreiche Fotos und Videos zu sehen, in denen Kämpfer der Islamisten mit erbeutetem Kriegsmaterial posierten. Den Aufständischen fielen demnach zahlreiche gepanzerte Fahrzeuge, schwere Waffen und andere hochwertige Ausrüstung in die Hände.

UN-Generalsekretär: „Entsetzliche Berichte“ über Behandlung von Mädchen und Frauen

UN-Generalsekretär António Guterres hat sich schockiert über die Situation in Afghanistan gezeigt. Er sprach von schweren Menschenrechtsverletzungen, vor allem gegen Frauen.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres: „Angriffe auf Zivilisten sind eine schwere Verletzung des humanitären Völkerrechts“. (Quelle: Xie E/dpa)

Die radikalislamischen Taliban begehen in den von ihnen kontrollierten Regionen in Afghanistan nach UN-Informationen schwere Menschenrechtsverletzungen. Betroffen seien „ersten Anhaltspunkten zufolge“ vor allem Frauen und Journalisten, sagte UN-Generalsekretär António Guterres am Freitag vor Journalisten.

„Besonders entsetzlich und herzzerreißend“ sei es, „Berichte zu sehen, wonach den afghanischen Mädchen und Frauen ihre hart erkämpften Rechte entrissen werden“, sagte Guterres. „Angriffe auf Zivilisten sind eine schwere Verletzung des humanitären Völkerrechts und sind gleichbedeutend mit Kriegsverbrechen“, betonte er weiter. 

US-Regierung wirft Afghanistan „fehlenden Widerstand“ gegen Taliban vor

Die US-Regierung hat der afghanischen Führung und den Sicherheitskräften angesichts des Vormarsches der Taliban mangelnde Kampfbereitschaft vorgeworfen. Es sei „beunruhigend“ zu sehen, dass die politische und militärische Führung nicht den „Willen“ gehabt habe, sich dem Vormarsch der militanten Islamisten zu widersetzen, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, dem Sender CNN. Die USA hätten den „fehlenden Widerstand“ durch die afghanischen Streitkräfte nicht vorhersehen können, sagte Kirby am Freitag (Ortszeit) im Interview mit dem Sender.

Die afghanischen Sicherheitskräfte seien den Taliban in Bezug auf Ausrüstung, Training und Truppenstärke überlegen und verfügten über eine eigene Luftwaffe, sagte Kirby. Mit Blick auf die finanzielle Unterstützung der US-Regierung für die Sicherheitskräfte fügte er hinzu: „Geld kann keinen Willen kaufen.“ Dafür sei die politische und militärische Führung der Afghanen zuständig. Die Kampfbereitschaft sei nötig, um zu verhindern, dass die Taliban das ganze Land unter ihre Kontrolle bringen, warnte Kirby.

Das US-Militär hatte am Donnerstag angekündigt, rund 3.000 Soldaten als Verstärkung zum Flughafen Kabul zu verlegen, um die Reduzierung des Personals der US-Botschaft zu unterstützen. Rund 5.000 weitere Soldaten werden zudem im Nahen Osten stationiert, um als mögliche Verstärkung bereitzustehen.

Nato-General zweifelt an Konzept für Auslandseinsätze

Der frühere Nato-General Hans-Lothar Domröse plädiert nach dem Scheitern des Afghanistan-Einsatzes für ein Überdenken des Vorgehens bei Militärengagements außerhalb Europas. „Unser gesamtes Konzept „train assist advise“ (ausbilden, unterstützen, beraten) werden wir überprüfen müssen und wir müssen fairerweise die Frage stellen: Funktioniert das außerhalb Europas? Scheinbar nicht“, sagte der Heeresgeneral am Samstag dem NDR. Man müsse bei Auslandseinsätzen vorher politische Ziele klar setzen, langen Durchhaltewillen zeigen – oder eben nicht hingehen.

Der Westen habe in Afghanistan „350.000 Sicherheitskräfte ausgebildet, recht gut ausgerüstet. Da fliegen mehr Hubschrauber bei denen als bei der Bundeswehr. Also: Sie haben sie nicht eingesetzt, und warum nicht?“ Es mangele an Kampfmoral und Loyalität, sagte Domröse. Den Soldaten „fehlt das Wofür“. Das stelle die Frage, ob es überhaupt einen afghanischen Gesamtstaat gebe oder dort nur Kriegsherren und Stammesfürsten ihr eigenes Spiel spielten.

Am wichtigsten sei in Afghanistan jetzt, dass die blutigen Auseinandersetzungen sofort eingestellt werden. Bei der Frage, wer dazu beitragen könne, müsse man auch auf Länder wie China, Pakistan oder den Iran blicken. „Ich sehe, dass die Taliban auch Rat suchen in China“, sagte Domröse. „China kann vielleicht die Taliban irgendwie zügeln, mäßigen und zu einer Vernunftregierung führen.“ Die Europäer sollten versuchen, sich über die USA einzubringen. „Deutschland alleine, fürchte ich, kann da nichts machen.“


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