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Liveticker – Afghanistan | USA sichern Flughafen in Kabul – Biden in Erklärungsnot
Wegen des raschen Truppenabzugs und seiner Einschätzung der Lage steht die US-Präsident Biden in der Kritik. Seine Regierung schickt nun offenbar weitere Soldaten nach Kabul. Alle Informationen im Blog.
Die Ereignisse in Afghanistan überschlagen sich. Die Taliban haben binnen Tagen und Stunden den Großteil des Landes eingenommen und am Sonntag die Hauptstadt Kabul erreicht. Präsident Ghani hat das Land verlassen. Die Regierung hat eine „friedliche Machtübergabe“ an die Taliban angekündigt. Die USA ihre Botschaft in Kabul evakuiert – auch die Bundesregierung schloss die deutsche Botschaft und bereitete unter Hochdruck eine Evakuierung vor. Die fortlaufenden Ereignisse lesen Sie hier im Blog:
2.30 Uhr: USA kündigen Maßnahmen zur Sicherung des Kabuler Flughafens an
Nach dem Einmarsch der Taliban in Kabul haben die USA Maßnahmen zur Sicherung des Flughafens angekündigt. Das US-Außenministerium teilte am Sonntag mit, die US-Regierung ergreife gerade „eine Reihe von Maßnahmen“, um den Flughafen der afghanischen Hauptstadt zu sichern und die „sichere Abreise“ von Mitarbeitern der USA und verbündeter Staaten in Zivil- und Militärflugzeugen zu ermöglichen.
Die USA, Deutschland und weitere westliche Staaten hatten zuvor ihre Botschaften in Kabul geräumt und ihre Mitarbeiter an den Flughafen gebracht, um sie auszufliegen.
Wie das US-Außenministerium bekannt gab, wurde die Flagge an der US-Botschaft in Kabul inzwischen eingeholt. Fast alle Botschaftsmitarbeiter seien inzwischen am Flughafen, darunter auch der amtierende Botschafter Ross Wilson. Wilson hält demnach Kontakt zu US-Außenminister Antony Blinken.
2 Uhr: Republikaner greifen Biden für „verpfuschten“ Afghanistan-Abzug an
US-Präsident Joe Biden steht nach dem Eroberungszug der Taliban in im Kreuzfeuer führender Republikaner. Der „verpfuschte Abzug“ aus Afghanistan und die „hektische Evakuierung“ von Amerikanern und afghanischen Helfern sei ein „beschämendes Versagen der amerikanischen Führung“, sagte der Minderheitsführer der Republikaner im US-Senat, Mitch McConnell, am Sonntag (Ortszeit). Die USA hätten die Möglichkeit gehabt, „diese Katastrophe zu vermeiden“.
Die prominente Republikanerin Liz Cheney erklärte: „Was wir gerade in Afghanistan erleben, ist das, was passiert, wenn sich Amerika aus der Welt zurückzieht.“ Der damalige Präsident Donald Trump und Biden würden dafür die Verantwortung tragen, sagte sie dem Sender ABC. Die Verbündeten der USA würden sich fragen, ob sie überhaupt auf die Vereinigten Staaten zählen könnten, sagte Cheney. Sie ist die Tochter des früheren Vize-Präsidenten Dick Cheney.
Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Terrorgruppe Al-Kaida in Afghanistan wieder auftauche, schrieb der republikanische Senator Lindsey Graham auf Twitter. „Präsident Biden scheint sich der terroristischen Bedrohung, die von einem von den Taliban regierten Afghanistan ausgeht, nicht bewusst zu sein.“ Biden hatte den Abzug der US-Truppen aus Afghanistan immer wieder vehement verteidigt. Ein weiteres Jahr oder fünf weitere Jahre US-Militärpräsenz würden keinen Unterschied machen, hatte Biden erst am Samstag betont.
23.11 Uhr: Taliban-Sprecher: „Der Krieg in Afghanistan ist vorbei“
Ein Sprecher des Politbüros der Taliban erklärt den Krieg in Afghanistan für beendet. „Der Krieg in Afghanistan ist vorbei“, sagt der Sprecher des Taliban-Politbüros, Mohammad Naeem, dem Sender Al Dschasira. „Wir versichern allen, dass wir für die Sicherheit der Bürger und der diplomatischen Vertretungen sorgen werden“, fügt er hinzu. „Wir sind bereit, einen Dialog mit allen afghanischen Persönlichkeiten zu führen, und werden ihnen den notwendigen Schutz garantieren.“ Die Form der Regierung werde bald feststehen.
Die Taliban erwarten nach Angaben eines Sprechers, dass ausländische Mächte „ihre gescheiterte Erfahrung in Afghanistan“ nicht wiederholen werden. „Wir sind bereit, uns mit den Sorgen der internationalen Gemeinschaft im Dialog zu befassen“, sagte Naeem weiter.
US-Medien: USA wollen weitere Verstärkung nach Kabul schicken
Die USA wollen Berichten zufolge angesichts des rasanten Eroberungszug der Taliban rund 1.000 weitere Soldaten nach Afghanistan schicken. Das berichteten am Sonntagnachmittag (Ortszeit) mehrere Medien wie etwa der Sender CNN und die Zeitung „Washington Post“ übereinstimmend unter Berufung auf Beamte im Verteidigungsministerium.
Das Ministerium bestätigte dies auf Anfrage zunächst nicht. Es soll sich um Soldaten der 82. Luftlandedivision handeln, die eigentlich nach Kuwait unterwegs waren, schrieb CNN. Damit würde die Zahl der US-Militärangehörigen, die in Kabul oder auf dem Weg dorthin sind, auf rund 6.000 steigen.
23.10 Uhr: Chaotische Szenen am Zivilflughafen von Kabul – Berichte von Schüssen
Augenzeugen zufolge spielen sich derzeit chaotische Szenen am Zivilflughafen von Kabul ab. Hunderte Menschen mit Koffern versammelten sich demnach auf dem Rollfeld und versuchten an Bord der Flieger zu gelangen. Zivilflüge konnten daher offenbar nicht abheben, wie mehrere Menschen in den sozialen Netzwerken berichteten. Sicherheitspersonal sei nicht vor Ort gewesen. Videos, die in sozialen Netzwerken kursierten aber bislang nicht verifiziert sind, zeigten die dramatischen Szenen.
Diese auf Twitter geteilten Videos sollen am Abend auf dem Flughafen Kabul entstanden sein:
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Die US-Botschaft in Kabul hatte zuvor Landsleute angewiesen, sich in Sicherheit zu bringen. „Die Sicherheitslage in Kabul ändert sich schnell, auch auf dem Flughafen. Es gibt Berichte, dass der Flughafen unter Beschuss geraten ist; daher weisen wir US-Bürger an, sich in Sicherheit zu bringen“, hieß es in einer am Sonntag veröffentlichten Warnung. Auf dem Flughafen wird nach Nato-Angaben die zivile Luftfahrt eingestellt. Es seien nur noch Militärflüge erlaubt, sagte ein Nato-Vertreter.
Der sichere Betrieb des Flughafens ist Voraussetzung dafür, dass etliche Staaten, darunter Deutschland, ihr Personal wie geplant schnell ausfliegen können. Die Bundesregierung hatte am Sonntag wegen des Vormarsches der militant-islamistischen Taliban ihre Botschaft in Kabul dichtgemacht und die Mitarbeiter zum militärischen Teil des Flughafens verlegt. Auch die USA begannen mit der Räumung ihrer Botschaft und brachten ihr Personal zum Flughafen.
23 Uhr: UN-Chef Guterres fordert Taliban zum Schutz von Leben auf
UN-Generalsekretär Antonio Guterres ruft die Taliban und alle anderen Parteien zu größtmöglicher Zurückhaltung auf, um Leben zu schützen. Guterres fordere sie auf, sicherzustellen, dass humanitäre Bedürfnisse bedient werden könnten, sagt der Sprecher von Guterres.
21.46 Uhr Taliban im Präsidentenpalast in Kabul
Die Taliban haben die Kontrolle über den Präsidentenpalast in Kabul übernommen. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie sich dutzende bewaffnete Kämpfer der Miliz in dem Gebäude aufhielten. „Unser Land wurde befreit und die Mudschaheddin haben in Afghanistan gesiegt“, sagte einer von ihnen dem TV-Sender Al-Dschasira.
Unterdessen erklärte ein führender Repräsentant der Taliban den Sieg der Miliz in Afghanistan. Dieser unerwartete Erfolg sei beispiellos in der Welt, sagte Mullah Baradar am Sonntag in einer Videobotschaft.
20.47 Uhr Ghani: „Die Taliban haben gesiegt“
Der afghanische Präsident Aschraf Ghani hat die militärische Niederlage gegen die radikalislamischen Taliban eingestanden. „Die Taliban haben gesiegt“, schrieb Ghani auf Facebook. Die Islamisten seien nun verantwortlich für „die Ehre, das Eigentum und die Selbsterhaltung ihrer Landsleute“.
Ghani sagte nicht, in welchem Land er sich inzwischen aufhält. Einem Medienbericht zufolge ist er nach Usbekistan geflüchtet. Wie der Sender Al Dschasira unter Berufung auf einen Leibwächter des Politikers berichtet, machte sich Ghani unter anderem mit seinem Stabschef auf den Weg in die usbekische Hauptstadt Taschkent.
Er sei geflohen, um „eine Flut des Blutvergießens zu verhindern“, erklärte Ghani in seinem Facebook-Post. Wenn er geblieben wäre, wären „zahllose Patrioten“ getötet und Kabul zerstört worden, fügte er hinzu.
20.10 Uhr Berichte über Explosionen in Kabul
In Kabul sollen sich afghanischen Medienberichten zufolge mehrere Explosionen ereignet haben. Nähere Informationen liegen zunächst nicht vor.
19.40 Uhr Maas: Evakuierung von Botschaftsangehörigen beginnt umgehend
Deutschland beginnt noch am Sonntag mit der Evakuierung deutscher Staatsbürger aus Kabul. „Ein Teil von ihnen wird noch im weiteren Verlauf des Tages ausgeflogen“, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Sonntagabend in Berlin. In der Nacht sollen dann nach Angaben des Ministers die Flugzeuge der Bundeswehr in die afghanische Hauptstadt starten, um bei der weiteren Evakuierung zu helfen.
Außenminister Heiko Maas (SPD): „Wir setzen jetzt alles daran, unseren Staatsangehörigen und unseren Ortskräften eine Ausreise zu ermöglichen“. (Quelle: Christoph Soeder/dpa)
„Wir setzen jetzt alles daran, unseren Staatsangehörigen und unseren ehemaligen Ortskräften eine Ausreise in den kommenden Tagen zu ermöglichen“, sagte Maas. „Die Umstände, unter denen das stattfinden kann, sind aber derzeit schwer vorherzusehen.“ Deshalb stehe die Bundesregierung auch in einem engen Austausch mit den USA und anderen internationalen Partnern. „Wir haben uns darauf verständigt, dass wir uns bei den Evakuierungsmaßnahmen in den kommenden Tagen gegenseitig und wechselseitig unterstützen werden.“
Bereits zuvor hatte Deutschland seine Botschaft in Afghanistan wegen des Vorrückens der Taliban auf Kabul geschlossen und das Personal zum militärischen Teil des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt verlegt. Das teilte Außenminister Maas auf Twitter mit. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dort inzwischen eingetroffen und stellen ihre Arbeitsfähigkeit her“, erklärte Maas.
19.09 Uhr Johnson: Afghanistan darf nicht wieder zur Brutstätte für Terrorismus werden
Der britische Premierminister Boris Johnson hat westliche Staaten davor gewarnt, die Taliban ohne vorherige Absprache als neue Regierung Afghanistans anzuerkennen. Es sei klar, dass es demnächst eine neue Regierung in Kabul geben werde, sagte Johnson nach einer Sitzung des nationalen Sicherheitskabinetts in London. Es sei aber „sehr wichtig, dass der Westen zusammenarbeitet, um dieser neuen Regierung – ob es Taliban sind oder jemand anderes – klarzumachen, dass niemand will, dass Afghanistan wieder zur Brutstätte für Terrorismus wird“, so Johnson weiter.
Die Situation in Afghanistan beschrieb Johnson als sehr schwierig. Höchste Priorität habe es nun, britische Staatsangehörige und Afghanen, die mit Großbritannien zusammengearbeitet hätten, außer Landes zu bringen. „Wir werden so viele wie möglich in den nächsten paar Tagen rausbringen“, so der konservative Politiker weiter.
17.54 Uhr Frankreich verlegt Botschaft zum Kabuler Flughafen
Auch Frankreich verlegt seine Botschaft in die Nähe des Flughafens von Kabul. Der Betrieb werde für die Evakuierung aller französischen Staatsbürger aufrechtgehalten, teilt Außenminister Jean-Yves Le Drian mit. Er kündigt an, dass in den kommenden Stunden militärische Verstärkung in die Vereinigten Arabischen Emirate entsandt werde, um womöglich die ersten Evakuierungen nach Abu Dhabi auf den Weg zu bringen.
17.42 Uhr Iran richtet Pufferzonen für afghanische Flüchtlinge ein
Der Iran hat angesichts des Eroberungszugs der radikalislamischen Taliban im Nachbarland Afghanistan Pufferzonen für Flüchtlinge aus dem Krisenstaat eingerichtet. „Wir haben schon vor zwei Monaten mit einer neuen Flüchtlingswelle aus Afghanistan gerechnet und daher schon damals mit der Einrichtung von provisorischen Pufferzonen an den drei Grenzübergängen begonnen“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Sonntag der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA.
Die drei Pufferzonen an den Grenzübergängen im Nord- sowie Südosten des Landes sollen afghanischen Flüchtlingen vorerst Schutz und Sicherheit bieten. „Sobald sich die aktuelle Situation wieder entspannt hat, können die Flüchtlinge dann von dort aus wieder in ihre Heimat zurückkehren“, sagte Sprecher Hussein Ghassemi. Wegen der akuten Corona-Krise im Iran werden laut Ghassemi auch Vertreter des iranischen Gesundheitsministeriums in den Pufferzonen tätig.
Für den Iran ist die erneute Flüchtlingswelle aus Afghanistan nicht neu. Das Land hatte nach der sowjetischen Invasion in Afghanistan 1979 über drei Millionen afghanische Flüchtlinge einreisen lassen. Wegen der Corona-Pandemie und der schweren Wirtschaftskrise gilt es laut Beobachtern jedoch als eher unwahrscheinlich, dass Teheran dies erneut erlaubt.
17.41 Uhr: Taliban: Haben Kontrolle über Präsidentenpalast übernommen
Die Taliban sind nach eigenen Angaben in den Präsidentenpalast eingedrungen und haben die Kontrolle über das Gebäude übernommen. Die afghanische Regierung bestätigte die Angaben der zwei Taliban-Befehlshaber zunächst nicht.
17.31 Uhr Frankreich, Italien und die Niederlande beschleunigen Rückführungen aus Kabul
Angesichts der bevorstehenden Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan beschleunigen auch Frankreich, Italien und die Niederlande die Rückführung ihres zivilen Personals aus Kabul. Kanada hat sein Personal bereits ausgeflogen.
„Absolute Priorität in den kommenden Stunden“ habe die Sicherheit von Franzosen und afghanischen Ortskräften in Kabul, teilte der Elysée-Palast am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP mit. Der Einsatz zur Ausreise der Menschen dauere an. Am Freitag hatte Paris angekündigt, auch bedrohte afghanische Aktivisten, Journalisten und Künstler aufnehmen zu wollen. Nach offiziellen Angaben hat Frankreich seit Mai die Aufnahme von 625 afghanischen Ortskräften und ihren Familien organisiert.
Nach Angaben des niederländischen Außenministeriums wurde die Botschaft am Samstagabend in die Nähe des Flughafens von Kabul verlegt. Ein Militärflugzeug sei bereits im Einsatz, um einen Teil des Personals sowie Dolmetscher und ihre Familien in die Niederlande zu holen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Verteidigungsministerin Ank Bijleveld bot allen Dolmetschern, die auf der Mitarbeiterliste stehen, an, in den Niederlanden Asyl zu beantragen, wie der Sender NOS berichtete.
17.20 Uhr Taliban-Vertreter: Es wird keine Übergangsregierung geben
Zwei Vertreter der Taliban widersprechen Darstellungen der Regierung, wonach es eine Übergangsregierung geben solle. Das werde nicht der Fall sein, sagen sie zu Reuters. Die Gruppe erwarte eine vollständige Machtübergabe. Der kommissarische Innenminister Abdul Sattar Mirsakawal hatte zuvor gesagt, die Macht werde an eine Übergangsregierung übergehen.
17.15 Uhr Dutzende Verletzte bei Kämpfen am Stadtrand von Kabul
Mehr als 40 Menschen sind nach Angaben eines Krankenhauses in Kabul bei Kämpfen am Stadtrand verletzt worden. Details wurden nicht genannt.
17.04 Uhr Merkel will Fraktionsvorsitzende über Lage in Kabul unterrichten
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird die Fraktionsvorsitzenden im Bundestag noch an diesem Sonntag über die dramatische Zuspitzung der Lage in Afghanistan unterrichten. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Fraktionskreisen. Dabei dürfte es auch um die Evakuierung des deutschen Botschaftspersonals, anderer deutscher Staatsbürger und afghanischer Ortskräfte durch die Bundeswehr gehen. Die Unterrichtung soll den Angaben zufolge um 18.30 Uhr stattfinden. Zuerst hatte das ZDF über den Termin berichtet.
Deutschland hat seine Botschaft in Afghanistan wegen des Vorrückens der Taliban auf Kabul am Sonntag geschlossen und das Personal zum militärischen Teil des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt verlegt. Das teilte Außenminister Heiko Maas (SPD) auf Twitter mit. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dort inzwischen eingetroffen und stellen ihre Arbeitsfähigkeit her“, erklärte Maas.
16.50 Uhr Britischer Außenminister ruft Taliban zur Gewaltlosigkeit auf
Der britische Außenminister Dominic Raab hat die Taliban zur Gewaltlosigkeit und zur Einhaltung der Menschenrechte aufgerufen. „Habe meine große Besorgnis über die Zukunft Afghanistans mit (dem pakistanischen) Außenminister Qureshi geteilt“, schrieb Raab am Sonntag auf Twitter. Es sei von entscheidender Bedeutung, dass die internationale Gemeinschaft in dem Aufruf an die Taliban zur Gewaltlosigkeit und zum Schutz der Menschenrechte vereint sei, so der konservative Politiker weiter.
Der britische Premierminister hatte angesichts des rasanten Eroberungszugs der islamistischen Extremisten in Afghanistan eine Sitzung des nationalen Sicherheitskabinetts Cobra einberufen. Am kommenden Mittwoch soll das Unterhaus in London zu einer Sondersitzung zusammentreten.
16.45 Uhr Trittin wirft Maas persönliches Versagen in Afghanistan vor
Der Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin hat Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) ein beispielloses Versagen bei der Rettung afghanischer Ortskräfte vorgeworfen. Maas habe „hier viel Schuld auf sich geladen“, sagte Trittin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Montagsausgaben). Trittin warf dem von Maas geführten Auswärtigen Amt vor, eine Rettung und unbürokratische Aufnahme der afghanischen Ortskräfte in Deutschland blockiert zu haben.
„So ein Versagen, das so viel Leid mit sich bringen wird, ist beispiellos“, sagte Trittin, der dem Auswärtigen Ausschuss des Bundestags angehört. Er wies dem Außenminister eine persönliche Verantwortung für das Schicksal der Betroffenen zu: Wenn die Ortskräfte nun „nicht mehr gerettet werden können, ist er dafür verantwortlich“.
Jürgen Trittin (Archivfoto): Der Grünen-Außenpolitiker warf dem von Maas geführten Auswärtigen Amt vor, eine Rettung und unbürokratische Aufnahme der afghanischen Ortskräfte in Deutschland blockiert zu haben. (Quelle: Imago/Political-Moments)
Bei den Ortskräften handelt es sich um einheimische Mitarbeiter deutscher Stellen in Afghanistan. Es besteht die Befürchtung, dass sie zum Ziel von Racheakten der radikalislamischen Taliban werden können. Eine größere Gruppe Ortskräfte wurde bereits nach Deutschland ausgeflogen, mehrere Hundert sitzen aber noch in Afghanistan fest.
16.44 Uhr Türkei will Kooperation mit Pakistan stärken
Angesichts einer drohenden Fluchtbewegung aus Afghanistan hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eine verstärkte Zusammenarbeit mit Pakistan angekündigt. „Der Türkei droht eine wachsende Migrantenwelle von Afghanen, die über den Iran einwandern“, sagte Erdogan bei einem Treffen mit Pakistans Staatschef Arif Alvi am Sonntag in Istanbul. Ankara wolle sich für „Stabilität in der Region“ einsetzen und zu diesem Zweck die „Kooperation mit Pakistan stärken“.
„Wir sind entschlossen, alle zur Verfügung stehenden Mittel zu mobilisieren, um erfolgreich zu sein“, sagte Erdogan weiter. Wegen der erwarteten massiven Zunahme von Flüchtlingen aus Afghanistan hatte die türkische Regierung in den vergangenen Tagen bereits den Bau einer Grenzmauer zum Iran vorangetrieben. „Mit dieser Mauer werden wir die Ankunft von Migranten komplett stoppen“, betonte Erdogan am Sonntag.
In Afghanistan sind noch mehrere hundert türkische Soldaten stationiert. Erdogan hatte angeboten, nach dem vollständigen Abzug der Nato-Truppen aus dem Land die Sicherung des internationalen Flughafens von Kabul zu gewährleisten, sollten die USA dies finanziell und logistisch unterstützen. Auch ein Treffen mit der Taliban-Führung hatte Erdogan vorgeschlagen.
Die voraussichtliche Ankunft zahlreicher afghanischer Flüchtlinge an der türkischen Grenze ist in der Türkei, die bereits viele syrische Flüchtlinge beherbergt, ein hochsensibles Thema. Die Opposition forderte Erdogan zuletzt auf, die Einreise weiterer Migranten zu stoppen.
16.41 Uhr Élyséekreise: Sicherheit von Franzosen in Kabul „absolute Priorität“
Angesichts der drohenden Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistans Hauptstadt Kabul hat die Regierung in Paris sich besorgt über die dort verbliebenen französischen Staatsbürger und einheimischen Ortskräfte geäußert. Präsident Emmanuel Macron verfolge rund um die Uhr die „sehr besorgniserregende Verschlechterung der Situation in Afghanistan“, hieß es am Sonntag aus Élyséekreisen. Die Sicherheit der Franzosen und der afghanischen Ortskräfte habe „absolute Priorität“. Frankreich sei in den vergangenen Wochen eins der wenigen Länder gewesen, die gefährdeten Menschen vor Ort noch Schutz geboten hätten. Diese Operationen würden fortgeführt, hieß es. Frankreich stehe an der Seite des afghanischen Volks.
16.31 Uhr Berichte: Schusswechsel in Kabul
Augenzeugen und auch das Innenministerium berichteten von Schusswechseln in mehreren Teilen der afghanischen Hauptstadt Kabuls, so die BBC.
16.18 Uhr Taliban-Sprecher: Kämpfer sollen in Kabul einrücken um Plünderungen zu verhindern
Die Taliban haben nach Angaben eines Sprechers ihre Kämpfer angewiesen, in die Hauptstadt Kabul einzurücken, um Plünderungen zu verhindern.
16.07 Uhr Italien fliegt Botschaftsangehörige aus
Mitarbeiter der italienischen Botschaft in Kabul sollen nach Angaben des Außenministeriums noch am Sonntag nach Rom ausgeflogen werden. Ein Militärflugzeug werde in Kabul am Abend abheben. Von einer Schließung der Botschaft können aber noch keine Rede sein.
16.04 Uhr Taliban-Sprecher: Werden keine Rache üben
Ein an Gesprächen mit der afghanischen Regierung in Katar beteiligter Taliban-Unterhändler hat Befürchtungen vor Gewalttaten bei einer Übernahme der Macht in Kabul zurückgewiesen. „Wir versichern den Menschen (…) in der Stadt Kabul, dass ihr Hab und Gut und ihre Leben sicher sind“, sagte Suhail Schahin der BBC in einem Telefonat aus Doha. Es werde „keine Rache an irgendjemandem“ geben. Die Taliban-Kämpfer seien vor den Toren der afghanischen Hauptstadt und hätten den Befehl erhalten, die Stadt nicht zu betreten. „Wir warten auf eine friedliche Übergabe der Macht“, so Schahin weiter. Das bedeute, dass die Stadt dem „Islamischen Emirat von Afghanistan“ übergeben werden solle.
Seit Beginn des Abzugs der US- und Nato-Truppen aus Afghanistan im Mai haben die radikalislamischen Taliban gewaltige Gebietsgewinne verzeichnet. In einem rasanten Vormarsch haben sie mittlerweile mehr als zwei Drittel der Provinzhauptstädte des Landes eingenommen und stehen vor Kabul. Derzeit laufen Gespräche zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung.
16.02 Uhr Niederlande haben Botschaft verlegt
Die Niederlande haben ihre Botschaft in Kabul nach Angaben eines Sprechers des Außenministeriums in die Nähe des internationalen Flughafens der afghanischen Hauptstadt verlegt. Der Betrieb solle so lange wie möglich aufrecht gehalten werden. Das Verteidigungsministerium teilt mit, für Evakuierungen sei ein Militärflugzeug nach Kabul geschickt worden.
16.01 Uhr Deutsche Medien schreiben Hilfe-Ruf
Zahlreiche deutsche Medien, darunter „Die Zeit“, „Der Spiegel“, „Süddeutsche Zeitung“ und die Nachrichtenagentur dpa haben einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin veröffentlicht. In ihrem Appell fordern sie die Bundesregierung dazu auf, die Mitarbeiter ihrer Medien vor Ort in Afghanistan zu retten. Die langjährige Berichterstattung aus dem Land sei nicht denkbar gewesen, ohne die vielen Mitarbeiter vor Ort. „Das Leben dieser freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist nun akut gefährdet.“ Sie fordern deshalb ein „Visa-Notprogramm für afghanische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutscher Medienhäuser“.
15.56 Uhr Norwegen und Estland beantragen UN-Sicherheitsrats-Sitzung
Estland und Norwegen haben Diplomaten zufolge eine Sondersitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen beantragt. Das Gremium solle so bald wie möglich zusammentreten.
15.54 Uhr Afghanischer Präsident soll das Land verlassen haben
Der afghanische Präsident Aschraf Ghani hat nach Angaben seines früheren Stellvertreters angesichts der erfolgreichen Taliban-Offensive das Land verlassen. „Der frühere afghanische Präsident hat die Nation verlassen“, sagte der Vorsitzende des afghanischen Friedensrats, Abdullah Abdullah, in einem am Sonntag auf seiner Facebook-Seite veröffentlichten Video.
Der „Ex-Präsident“ habe in dieser Situation das Land verlassen, und Gott möge ihn zur Rechenschaft ziehen, sagte Abdullah weiter. Auch das Volk werde über ihn richten. Angaben dazu, wohin der Präsident das Land verlassen habe, machte Abdullah nicht. Lokale Medien berichteten, er sei nach Tadschikistan geflogen
15.31 Uhr US-Außenminister Blinken weist Kabul-Saigon-Vergleich zurück
Für US-Außenminister Antony Blinken ist die Evakuierung des Botschaftspersonals aus Afghanistans Hauptstadt Kabul die „Aufgabe Nummer eins“. „Daran arbeiten wir gerade“, sagte Blinken im US-Fernsehen am Sonntagmorgen (Ortszeit). Das gelte auch für afghanische Helfer, die US-Truppen während des Einsatzes unterstützt haben.
Blinken betonte: „Das ist nicht Saigon.“ Damit spielte auf die Niederlage der USA im Vietnamkrieg 1975 an. Damals gingen Bilder einer chaotischen Rettung des Botschaftspersonals aus Hanoi um die Welt. Blinken äußerte sich nicht zum Stand der Evakuierung in Kabul.
Blinken verteidigte den Truppenabzug. „Wir sind vor 20 Jahren nach Afghanistan gegangen, mit einer Mission“, sagte er. Es sei darum gegangen, sich mit den Leuten zu befassen, welche die USA am 11. September 2001 angegriffen hätten. „Und wir haben diese Mission erfolgreich erfüllt“, sagte Blinken. Er räumte allerdings ein, dass auch die USA von den Ereignissen in Afghanistan überrascht worden seien. „Wir sehen, das die Streitkräfte nicht in der Lage waren, das Land zu verteidigen – und zwar schneller, als wir es erwartet hatten“, so der Minister.
Biden hatte am Samstag eine weitere Verstärkung von 1000 Soldaten nach Kabul angeordnet. Sie sollen Berichten nach aus dem Nahen Osten kommen. Dort waren zuvor zusätzliche Militärs stationiert worden, um als Verstärkung bereitzustehen. Damit sind insgesamt rund 5000 US-Soldaten mit der Sicherung des Flughafens in Kabul sowie der Evakuierung des Botschaftspersonals und der afghanischen Hilfskräfte befasst. Dazu zählen 3000 Militärs, deren Verlegung in der vergangenen Woche angekündigt wurde, und rund 1000 Soldaten, die bereits vor Ort waren.
14.52 Uhr Maas: Personal der deutschen Botschaft an Flughafen Kabul verlegt
Deutschland hat seine Botschaft in Afghanistan wegen des Vorrückens der Taliban auf Kabul geschlossen und das Personal zum militärischen Teil des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt verlegt. Das teilte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Sonntag auf Twitter mit. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dort inzwischen eingetroffen und stellen ihre Arbeitsfähigkeit her“, erklärte Maas.
Für den Nachmittag habe er erneut den Krisenstab der Bundesregierung einberufen. Es gehe darum, „Sofortmaßnahmen zur Sicherung und zur Ausreise deutscher Bediensteter und weiterer gefährdeter Personen aus Afghanistan auf den Weg zu bringen“.
Zuvor hatte bereits das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ über die Evakuierung der deutschen Botschaft berichtet. Nach ersten Meldungen über das Eindringen von Taliban-Einheiten in die Stadt seien die etwa 20 Botschaftsangehörigen und die Bundespolizisten, die zum Schutz der diplomatischen Vertretung abgestellt sind, aus Sicherheitsgründen zum militärisch gesicherten Flughafen gebracht worden.
14.43 Uhr Afghanische Regierungsdelegation soll mit Taliban in Katar beraten
Eine Delegation der afghanischen Regierung soll noch am Sonntag zu Verhandlungen mit den Taliban nach Katar fliegen. Dies teilt ein Mitglied des Verhandlungsteams der Regierung mit. Bei den Gesprächen soll es um eine Machtübergabe gehen, sagte eine mit Plänen vertraute Person. Auch US-Vertreter würden daran beteiligt sein.
14.42 Uhr „Wir haben Angst davor, was passieren wird“
Farzana Kocha, Mitglied des Parlaments in Kabul, schilderte der BBC Eindrücke aus der Stadt: „Manche rennen, manche verstecken sich in ihren Häusern“. Immer wieder könne man Schüsse außerhalb Kabuls hören. Sie hätten Angst davor, was passieren wird. „Die Menschen denken, alles kann passieren, in einer Minute, oder in einer Stunde“.
Bewohner Kabuls laufen auf den Flughafen zu: Viele Afghanen strömten aus Angst vor Gewalt und Racheakten der Taliban zum Flughafen. (Quelle: Reuters)
14.27 Uhr Auswärtiges Amt: Deutsche Botschaft in Kabul ist geschlossen
Deutschland hat wegen des Vorrückens der Taliban auf Kabul seine Botschaft in der afghanischen Hauptstadt geschlossen. Das teilte das Auswärtige Amt am Sonntag mit. Die Sicherheitslage habe sich drastisch verschlechtert, hieß es in einer Reisewarnung. Deutsche Staatsangehörige werden aufgefordert, Afghanistan zu verlassen.
Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ wurde die Botschaft bereits evakuiert. Nach ersten Meldungen über das Eindringen von Taliban-Einheiten in die Stadt seien die etwa 20 Botschaftsangehörigen und die Bundespolizisten, die zum Schutz der diplomatischen Vertretung abgestellt sind, aus Sicherheitsgründen zum militärisch gesicherten Flughafen gebracht worden.
14.25 Uhr Caritas in Afghanistan: „große Unruhe“ in Kabul
Von einer „großen Unruhe“ in der afghanischen Hauptstadt Kabul berichtet Stefan Recker, der Leiter des Afghanistan-Büros der Hilfsorganisation Caritas, im Gespräch mit tagesschau24. Er schildert, dass es vor den Banken lange Schlangen gebe – in den Geschäften komme es zu Panikkäufen.
14.12 Uhr Bericht: Deutsche Botschaft in Kabul evakuiert
Die Bundesregierung hat am Sonntag die deutsche Botschaft in der afghanischen Hauptstadt Kabul evakuiert. Das berichtet der „Spiegel“. Nach den ersten Meldungen über die vorrückenden Taliban seien aus Sicherheitsgründen etwa 20 Botschaftsangehörige und Bundespolizisten zum Flughafen gebracht worden. Dieser ist militärisch abgesichert.
Das Tempo des Taliban-Vorstoßes auf Kabul hat die Bundesregierung offenbar überrascht. Noch am Donnerstag hatte Maas angekündigt, bis Ende August Chartermaschinen nach Kabul zu schicken, um Ortskräfte aus dem Land zu holen. Das Vorrücken der Miliz bis an die Tore Kabuls zwang die Bundesregierung nun aber zu größerer Eile. Am Sonntag wurde „unter Hochdruck“ an Evakuierungsplänen gearbeitet, verlautete aus Regierungskreisen.
13.58 Uhr US-Vertreter: Taliban rücken derzeit in Kabul nicht vor
Ein größeres Vordringen der Taliban in die afghanische Hauptstadt Kabul ist nach den Worten eines US-Vertreters derzeit nicht zu erkennen. Er fügte hinzu, dass eine Änderung der US-Militärstrategie unwahrscheinlich sei, solange die Islamisten die Evakuierung der amerikanischen Botschaft nicht störten. Zuvor hatte das afghanische Innenministerium mitgeteilt, dass die Taliban von allen Seiten in die Stadt vorstießen. Die Taliban erklärten dagegen, sie hätten ihre Kämpfer angewiesen, nicht nach Kabul hinein vorzudringen, sondern an den Toren der Stadt Stellung zu beziehen, bis eine friedliche und zufriedenstellende Machtübergabe vereinbart sei.
13.31 Uhr Afghanistans Präsident mahnt Einhaltung von Sicherheit in Kabul an
Nach dem Vorstoß der radikalislamischen Taliban bis an den Stadtrand von Kabul hat Afghanistans Präsident Aschraf Ghani die Regierungstruppen aufgefordert, in der Hauptstadt weiterhin für „die Sicherheit aller Bürger“ zu sorgen. Die Verbreitung von „Chaos“ oder Plünderungen würden nicht geduldet, erklärte Ghani in einer am Sonntag verbreiteten Videobotschaft.
13.24 Uhr Bericht: Bundeswehr startet noch am Sonntag nach Afghanistan
Wie die „Bild“ berichtet, sollen noch am Sonntag ein Airbus A400 der Bundeswehr und ein Airbus A310 der Luftwaffe nach Afghanistan fliegen, um rund 100 deutsche Staatsbürger vor den Taliban in Sicherheit zu bringen. Von Kabul aus sollen sie in die usbekische Hauptstadt Taschkent gebracht werden.
Bereits seit gestern seien die deutschen Flugzeuge sowie 200 Fallschirmjäger einsatzbereit gewesen. „Wir hätten gestern fliegen können“, so ein ranghoher Offizier zu „Bild“. Das Auswärtige Amt habe aber mehrere Entscheidungen verzögert.
Eigentlich war eine Evakuierung erst für Montag geplant. In Kabul sollen noch rund 100 Deutsche sein, darunter 30 Botschaftsmitarbeiter und Bundespolizisten. Die Deutschen sowie afghanischen Ortskräfte sollten von der Luftwaffe zunächst nach Taschkent in Usbekistan ausgeflogen werden. Geschützt würden sie von rund 200 Fallschirmjäger, die in das Land flögen. „Bild“ zufolge ist die Regierung mit dem Bundestag im Gespräch, der den Einsatz wegen der akuten Gefahr auch erst im Nachhinein genehmigen könnte.
13.04 Uhr Tschechien bringt Botschaftsmitarbeiter in Sicherheit
Wegen des Vormarschs der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan will Tschechien die Diplomaten und Ortskräfte seiner Botschaft in Kabul in Sicherheit bringen. Sie sollen in den kommenden Tagen von der Armee des Nato-Staats nach Europa ausgeflogen werden, wie das Verteidigungsministerium in Prag am Sonntag bekanntgab. Zwei tschechische Diplomaten harren derzeit noch am internationalen Flughafen in Kabul aus.
Geholfen werden soll auch Dolmetschern, die für die tschechischen Nato-Kräfte in dem zentralasiatischen Land tätig gewesen waren. Man werde sich um sie und ihre Familien kümmern, betonte Verteidigungsminister Lubomir Metnar nach einer Krisensitzung des Kabinetts. Ihre Arbeit sei für die tschechische Armee wichtig und wertvoll gewesen.
Die Opposition in Prag kritisierte, dass die Regierung viel zu spät auf die Gefahren für die Ortskräfte reagiert habe. „Es ist eine moralische Pflicht, denen zu helfen, die uns geholfen haben“, forderte der Vorsitzende der liberalen Bürgerdemokraten (ODS), Petr Fiala. „Andernfalls droht ihnen der sichere Tod“, warnte Ivan Bartos, der Chef der tschechischen Piratenpartei.
13.00 Uhr Ex-Innenminister soll Übergangsregierung leiten
Der ehemalige afghanische Innenminister und Botschafter in Deutschland, Ali Ahmad Jalali, ist Diplomatenkreisen zufolge im Gespräch, eine Übergangsregierung zu führen. Ob die Taliban Jalalis Ernennung zustimmen, sei noch nicht klar. Er gelte aber als Kompromisskandidat, der potenziell von allen Seiten akzeptiert werden könnte.
12.30 Uhr Taliban sollen die Bagram Air Base außerhalb Kabuls eingenommen haben
Laut Aussagen der Taliban hat die radikalislamische Miliz die Bagram Air Base und das dort befindliche Gefängnis eingenommen. Das berichtet die BBC.
Die Basis befindet sich außerhalb der Hauptstadt Kabul und war der Hauptmilitärstützpunkt der USA und der Koalitionstruppen, und zugleich das Hauptquartier des US-Militärs während des Afghanistaneinsatzes. Im letzten Monat hatte das US-Militär den Stützpunkt verlassen.
In dem Gefängnis auf dem Gelände sollen rund 5.000 Taliban inhaftiert gewesen sein, so die BBC. Die Taliban behaupteten nun, sie hätten die Häftlinge freigelassen.
12.10 Uhr Albanien will afghanische Flüchtlinge aufnehmen
Albanien will Afghanen vorübergehend aufnehmen, die vor den vorrückenden Taliban aus ihrem Land fliehen. Man komme damit einer Bitte der USA nach, erklärte Ministerpräsident Edi Rama am Sonntag bei Facebook. Auch sehe man sich als Nato-Mitglied dazu verpflichtet. Es gehe darum, Flüchtlinge aufzunehmen, die später in die USA gebracht werden sollen.
Rama betonte, dass Hilfe für Schutzsuchende in seinem Land Tradition habe. Unter anderem habe man im 20. Jahrhundert von den Nazis verfolgte Juden aufgenommen. Albanien ist seit 2009 Mitglied der Nato.
12.05 Uhr Taliban: Ausländer können Kabul verlassen
Ausländer können den Taliban zufolge die afghanische Hauptstadt Kabul verlassen, wenn sie dies wünschten. Andernfalls müssten sie sich in den kommenden Tagen bei von den Taliban eingerichteten Stellen registrieren lassen, sagt ein Taliban-Vertreter. Kabul sei eingeschlossen, der Flughafen bleibe aber in Funktion. Die Versorgung von Krankenhäusern werde nicht unterbunden. Mitglieder der afghanischen Armee könnten nach Hause gehen. Die Taliban hätten zum jetzigen Zeitpunkt Freuden-Schüsse als Siegeszeichen untersagt.
12.01 Uhr Afghanen versuchen aus Kabul zu fliehen
In ihren Autos versuchen Menschen aus der afghanischen Hauptstadt Kabul zu fliehen. Dies führe zu langen Staus, berichtet die BBC. Einige Menschen sollen deshalb sogar ihre Autos verlassen haben und sich zu Fuß zum Flughafen aufgemacht haben.
11.19 Uhr Ex-NATO-General hat Zweifel an der Loyalität der afghanischen Armee
Der ehemalige NATO-General Hans-Lothar Domröse geht davon aus, dass Kabul schnell an die Taliban fallen wird. Das sagte er im Gespräch mit tagesschau24. Wie schnell die afghanische Hauptstadt in die Hände der radikalislamischen Kämpfer falle, hänge an der Frage, wie lang die afghanische Regierung durchhalte. „Ich habe da kein großes Vertrauen mehr, denn man weiß nicht, auf was sie sich stützt. Welche Sicherheitskräfte sind denn jetzt noch loyal dem Präsidenten gegenüber?“. In dieser Auffassung sieht sich Domröse bestätigt, da die Provinzhauptstädte rasch kapituliert hätten – die Loyalität zur Regierung sei offenbar sehr begrenzt.
11.15 Uhr Johnson will UK-Parlament aus der Sommerpause rufen
Angesichts der dramatischen Entwicklungen in Afghanistan will der britische Premierminister Boris Johnson laut Medienberichten das Parlament für eine Dringlichkeitssitzung aus der Sommerpause zurückholen. Wie der Sender Sky News und die britische Nachrichtenagentur Press Association am Sonntag unter Berufung auf Vertreter der Downing Street berichteten, sollen die Abgeordneten über das weitere britische Vorgehen in Afghanistan beraten.
11.11 Uhr Russland will Botschaft in Afghanistan vorerst nicht evakuieren
Trotz des Vormarschs der Taliban auf Kabul will Russland seine Botschaft in der afghanischen Hauptstadt vorerst nicht räumen. Eine Evakuierung sei nicht geplant, sagte der Afghanistan-Beauftragte des russischen Außenministeriums, Samir Kabulow, am Sonntag der Agentur Interfax. „Der Botschafter und unsere Mitarbeiter nehmen ihre Aufgaben in aller Ruhe wahr.“
Westliche Staaten beschleunigen dagegen ihre Bemühungen, eigenes Personal und afghanische Ortskräfte vor den militant-islamistischen Taliban in Sicherheit zu bringen. Auch die zentralasiatische Republik Kasachstan wies am Sonntag an, den Schutz eigener Diplomaten zu verstärken.
Nach Angaben des russischen Diplomaten hat es bis dahin keine Kämpfe um Kabul gegeben. „Nun, das ist das traurige Bild der Folgen der amerikanischen Präsenz“, sagte Kabulow. Seit der Entscheidung über den Abzug der internationalen Truppen, darunter auch der Bundeswehr, haben die Taliban in Afghanistan große Teile des Landes erobert. Russland setzt sich für eine diplomatische Lösung des Konflikts ein.
In Moskau forderte der prominente Außenpolitiker Leonid Sluzki ein sofortiges Handeln des UN-Sicherheitsrates. „Es ist wichtig, eine neue humanitäre Katastrophe zu verhindern“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma. Die Sicherheit und Stabilität in der Region dürften nicht noch weiter bedroht werden.
11.06 Uhr Pakistan schließt wichtigen Grenzübergang zu Afghanistan
Pakistan hat angesichts des Vormarsches der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan einen wichtigen Grenzübergang zu seinem Nachbarland geschlossen. Innenminister Sheikh Rashid verkündete die Schließung des Grenzübergangs Torkham im Nordwesten Pakistans am Sonntag, ohne einen Termin für die Wiedereröffnung zu nennen. Die Entscheidung sei getroffen worden, nachdem die afghanische Seite der Grenze nach der Eroberung von Dschalalabad nun unter der Kontrolle der Taliban stehe. Tausende Menschen säßen auf beiden Seiten der Grenze fest.
Am Freitag hatte Pakistan nach Gesprächen mit den Taliban den für den Handel wichtigen Grenzübergang Chaman wieder eröffnet. Seit Beginn des Abzugs der US- und Nato-Truppen im Mai haben die Taliban gewaltige Gebietsgewinne in Afghanistan verzeichnen. Seit vergangenem Freitag haben sie in einem rasanten Vormarsch mehr als zwei Drittel der Provinzhauptstädte des Landes eingenommen.
11.00 Uhr Innenminister Afghanistans kündigt „friedliche Machtübergabe“ an
Die afghanische Regierung hat angesichts der bis an den Stadtrand der Hauptstadt Kabul vorgerückten Taliban eine „friedliche Machtübergabe“ angekündigt. „Es wird keinen Angriff auf die Stadt geben“, sagte Innenminister Abdul Sattar Mirsakwal am Sonntag in einer aufgezeichneten Ansprache. Demnach soll eine „Übergangsregierung“ gebildet werden.
Mirsakwal rief die Menschen dazu auf, keinen Fehlinformationen zu vertrauen. „Die Leute brauchen sich keine Sorgen zu machen, die Stadt ist sicher“, erklärte er. Jeder, der Unordnung in der Stadt verursache, werde in Übereinstimmung mit dem Gesetz behandelt.
Kurz zuvor hatte der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid der BBC gesagt, er könne bestätigen, dass es Gespräche mit dem Präsidentenpalast über eine friedliche Machtübernahme gebe. Der Leiter des Hohen Rates für Nationale Versöhnung, Abdullah Abdullah, organisiere diese.
Auch Verteidigungsminister Bismillah Chan Mohammadi erklärte in einer auf Facebook veröffentlichten Videoansprache, er als Vertreter der Streitkräfte garantiere die Sicherheit Kabuls. Die Menschen sollten nicht in Panik verfallen. Präsident Aschraf Ghani habe sich mit heimischen Politikern getroffen und ihnen die Verantwortung übertragen, eine Delegation aufzustellen, die am Montag nach Qatar am Persischen Golf reisen solle, um dort mit der Taliban-Führung eine Einigung über die Afghanistan-Frage zu erzielen. Die Sicherheit Kabuls werde gewährleistet, bis eine Einigung erzielt wird, sagte er.
10.43 Uhr Taliban: Sprechen mit Regierung über friedliche Übergabe
Die Taliban sind nach eigenen Angaben in Gesprächen mit der afghanischen Regierung über eine friedliche Übergabe der Hauptstadt Kabul. Man werde keine Rache üben, sagte ein Taliban-Sprecher. Allen, die der Regierung oder im Militär gedient hätten, werde vergeben. Zivilisten müssten das Land nicht aus Angst verlassen.
10.36 Uhr Taliban: Kämpfer sollen nicht nach Kabul eindringen
Die militant-islamistischen Taliban haben ihre Kämpfer angewiesen, nicht in die Hauptstadt Kabul vorzudringen. Sie sollten vielmehr an den Toren der Stadt Stellung beziehen, heißt es in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung der Islamisten.
Da die Hauptstadt Kabul eine große und dicht besiedelte Stadt sei, beabsichtigten die Taliban nicht, die Stadt mit Gewalt oder Krieg zu betreten. Man wolle vielmehr mit der anderen Seite über einen friedlichen Einmarsch in Kabul verhandeln.
Die Erklärung wurde während unbestätigter Berichte in sozialen Medien veröffentlicht, dass Taliban-Kämpfer bereits in die Stadt vorgedrungen seien. In Kabul spielten sich chaotische Szenen ab. Es kam zu einer Schießerei vor einer Bank, wie ein Bewohner der Stadt sagte. Viele Menschen versuchten, ihr Erspartes abzuheben, Lebensmittel zu kaufen und zu ihren Familien heimzukehren. Ein Soldat aus Kabul sagte, seine gesamte Einheit habe die Uniformen abgelegt.
10.35 Uhr Taliban stehen am Stadtrand von Kabul
Die radikalislamischen Taliban sind bis an den Stadtrand der afghanischen Hauptstadt Kabul vorgerückt und teilweise auch auf Stadtgebiet vorgedrungen. Ein Sprecher der Islamisten erklärte am Sonntag auf Twitter, ihre Kämpfer hätten Anweisung, an den Stadttoren Halt zu machen und nicht in die Stadt vorzudringen. Bewohner von Außenbezirken Kabuls sagten der Nachrichtenagentur AFP jedoch, Taliban-Kämpfer seien bereits im Stadtgebiet.
„Es gibt bewaffnete Taliban-Kämpfer in unserer Nachbarschaft, aber es wird nicht gekämpft“, sagte ein Bewohner eines östlichen Vororts der Hauptstadt. Die Islamisten hatten in den vergangenen Tagen eine afghanische Stadt nach der anderen oft kampflos eingenommen. Die Hauptstadt Afghanistans war am Wochenende die letzte noch verbliebene Bastion der Regierungstruppen.
USA starten Evakuierung der Botschaft in Kabul
Die USA haben mit der Evakuierung ihrer Botschaft in der afghanischen Hauptstadt Kabul begonnen. Die Evakuierung sei zunächst mit einer kleinen Gruppe gestartet worden, aber auch der Großteil des Personals sei zum Abzug bereit, teilten zwei US-Vertreter mit.
Biden verteidigt Afghanistan-Abzug
US-Präsident Joe Biden hat trotz des rasanten Vormarsches der islamistischen und militanten Taliban in Afghanistan erneut den Abzug der US-Truppen aus dem Krisenstaat verteidigt.
Joe Biden: Laut dem US-Präsidenten hätte ein längerer US-Militäreinsatz in Afghanistan keinen Unterschied gemacht. (Quelle: Evan Vucci/dpa)
„Ein weiteres Jahr oder fünf weitere Jahre US-Militärpräsenz hätten keinen Unterschied gemacht, wenn das afghanische Militär sein eigenes Land nicht halten kann oder will“, hieß es am Samstag in einer Mitteilung des Präsidenten. Eine endlose amerikanische Präsenz inmitten eines Bürgerkriegs in einem anderen Land sei für ihn nicht akzeptabel gewesen.
„Ich war der vierte Präsident, der eine amerikanische Truppenpräsenz in Afghanistan geleitet hat – zwei Republikaner, zwei Demokraten“, so Biden. Er werde „diesen Krieg nicht an einen fünften Präsidenten weitergeben“.
Taliban haben Dschalalabad eingenommen
Die radikalislamischen Taliban haben auch die ostafghanische Stadt Dschalalabad eingenommen. Die Hauptstadt der Provinz Nangarhar sei kampflos an die Taliban gegangen, sagten Bewohner von Dschalalabad am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP und bestätigten damit entsprechende Behauptungen der Taliban in Online-Netzwerken. Damit ist die Hauptstadt Kabul die letzte große Stadt des Landes, die nicht von der radikalislamischen Miliz kontrolliert wird. Lesen Sie hier mehr darüber.
Bericht: Deutscher Evakuierungsflug startet am Montag
Zur Evakuierung des deutschen Botschaftspersonals in Kabul werden laut einem Zeitungsbericht am Montag Militärtransporter der deutschen Luftwaffe vom Typ A400M in die afghanische Hauptstadt fliegen. Diese Maschinen, die höchsten Schutz böten, sollten die Deutschen sicher außer Landes bringen, berichtet die „Bild am Sonntag“. Voraussichtlich werde in der usbekischen Hauptstadt Taschkent eine Drehscheibe für Zwischenlandungen der A400M-Maschinen eingerichtet. Lesen Sie hier mehr.
Biden schickt mehr Soldaten nach Kabul
Angesichts des raschen Vorrückens der radikalislamischen Taliban-Miliz auf Kabul hat US-Präsident Joe Biden die Zahl der US-Soldaten erhöht, die bei der Evakuierung der Botschaft in der afghanischen Hauptstadt helfen sollen. Statt der vorhergesehenen 3.000 Soldaten sollten nun „etwa 5.000 Soldaten“ eingesetzt werden, um die Ausreise des Botschaftspersonals und unzähliger ziviler Ortskräfte zu sichern, erklärte Biden am Samstag nach Rücksprache mit seinen nationalen Sicherheitsberatern. Nach Berichten des US-Fernsehsender CBS soll eine Evakuierung unmittelbar bevorstehen.
Biden warnte die Taliban davor, die Mission zu behindern. Angriffe auf US-Interessen würden rasch und energisch beantwortet.
Berlin möchte Flüchtlinge aufnehmen
Das Land Berlin ist zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan bereit. Gemeinsam mit anderen Bundesländern würde Berlin ein Kontingent von Flüchtlingen aufnehmen, „die sich in Afghanistan für den Aufbau der Demokratie eingesetzt haben“, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) dem „Tagesspiegel“ (Sonntags-Ausgabe). „Wir brauchen dafür dringend Entscheidungen auf Bundesebene.“
Die Berliner Senatorin für Integration, Elke Breitenbach (Linke), forderte ebenfalls eine „humanitäre Hilfsaktion, an der sich Berlin selbstverständlich beteiligen wird“. Auch die Grünen-Spitzenkandidatin in Berlin, Bettina Jarasch, sieht Deutschland und Berlin in der Verantwortung: „Berlin muss dem Bund ein Angebot machen, im Rahmen des deutschen Handelns ein Kontingent Flüchtlinge aufzunehmen.“
Taliban erobern Masar-i-Scharif
Die islamistischen Taliban in Afghanistan haben auf ihrem rasanten Eroberungszug nun auch die Großstadt Masar-i-Scharif im Norden eingenommen. Dort war bis vor wenigen Wochen ein großes Feldlager der Bundeswehr, seit Ende Juni sind die deutschen Soldaten aus dem Krisenstaat abgezogen. Dass Masar-i-Scharif am Samstag gefallen ist, bestätigten eine Sicherheitsquelle und ein Provinzrat der Deutschen Presse-Agentur. Damit hält die Regierung lediglich noch zwei Großstädte – Dschalalabad im Osten und die Hauptstadt Kabul.
Die Islamisten hatten seit rund einer Woche Masar-i-Scharif intensiv angegriffen. Immer wieder versuchten sie von mehreren Seiten, in die auch wirtschaftlich starke Metropole mit geschätzt 500.000 Einwohnern einzudringen. Milizen des Ex-Gouverneurs Mohammad Atta Nur und des Ex-Kriegsfürsten Abdul Raschid Dostum hatten zuletzt nördlich der Stadt eine zusätzliche Verteidigungslinie zur Unterstützung der Sicherheitskräfte aufgebaut.
In Masar-i-Scharif hatte die deutsche Bundeswehr bis vor kurzem ein großes Feldlager im Camp Marmal in der Nähe des Flughafens. Dort waren bis zum Sommer noch rund 1.000 deutsche Soldaten stationiert. Ende Juni waren nach der US- und Nato-Abzugsentscheidung in vier Militärmaschinen die letzten verbliebenen Soldaten nachts ausgeflogen worden. Die Bundeswehr hatte zuletzt afghanische Sicherheitskräfte im Zuge der Nato-Mission „Resolute Support“ ausgebildet. Es könnten weitere Ortskräfte der Bundeswehr in der Stadt sein. An ihnen werden Racheaktionen der Taliban befürchtet.
Tschechien nimmt Ortskräfte auf
Tschechien kündigt die Aufnahme afghanischer Ortskräfte seiner Botschaft in Kabul und seines Militärs an. „Diese Menschen haben der Tschechischen Republik gedient und wir tragen die volle Verantwortung für sie“, erklärt Außenminister Jakub Kulhanek. Das gelte auch für deren Ehefrauen und Kinder. Die Evakuierungsflüge seien in den kommenden Tagen geplant.
Berichte: Taliban führen mutmaßliche Verbrecher am Strick durch die Stadt
In Afghanistan sorgen Videos und Bilder von zwei mutmaßlichen Straftätern für Aufregung, die Berichten zufolge von militant-islamistischen Talibankämpfern an einem Strick durch die Stadt geführt wurden. In den in sozialen Netzwerken kursierenden Videos ist zu sehen, wie die Männer, deren Gesichter mit schwarzer Farbe bemalt sind, erst auf ein Podest gestellt und dann an einem Strick über eine Straße geführt werden. Eine unabhängige Bestätigung für die Echtheit der Aufnahmen gab es zunächst nicht; zuerst hatte „Bild“ berichtet.
Taliban in Herat: Sie sollen zwei Männer an einem Strick durch die Stadt geführt haben. (Quelle: Stringer/Reuters)
In einem Video, das von einem Wohnhaus aus die Szene filmt, kommentiert ein Mann, dass die Taliban einen Dieb festgenommen hätten und sie nun in Richtung Mastufijat-Platz gehen würden. Bewohner der Stadt Herat im Westen des Landes bestätigten, dass die Aufnahmen in Herat gemacht wurden. Die Taliban hatten die drittgrößte Stadt des Landes am Donnerstag erobert. Ein bekannter afghanischer Journalist hatte die Bilder von dem Vorfall geteilt und kommentiert, dieser habe sich am Freitag nach dem Freitagsgebet zugetragen.
Zuletzt gab es vereinzelt Berichte, dass die Taliban in den von ihnen eroberten Gebieten wie während ihrer früheren Herrschaft von 1996 bis 2001 wieder unmenschliche und drakonische Strafen verhängen. Die „New York Times“ berichtete Ende Juli, dass Taliban in einer Stadt nördlich von Laschkargah zwei Männer für alle sichtbar am Eingangstor zur Stadt gehängt hätten. Die Männer seien beschuldigt worden, Kinder entführt zu haben.
Bundeswehr bereitet großen Evakuierungseinsatz in Kabul vor
Die Bundeswehr bereitet angesichts des rasanten Vormarsches der radikal-islamischen Taliban einen Evakuierungseinsatz in Afghanistan vor. „Die Sicherheitslage in Afghanistan spitzt sich weiter zu. Wir werden das Auswärtige Amt bei der Rückführung deutscher Staatsbürger und weiterer zu Schützender aus Afghanistan nach Deutschland unterstützen“, teilte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer mit.
Reisende am Flughafen Kabul: Unklar ist noch, wie viele afghanische Mitarbeiter die Bundeswehr ausfliegen muss. (Quelle: Rahmat Gul/dpa)
In Afghanistan sind noch mehr als 100 Deutsche, darunter die Diplomaten und Mitarbeiter der Botschaft in Kabul sowie Experten anderer Ministerien und Organisationen. Auch Ortskräfte sollen ausgeflogen werden. Deren genaue Zahl ist aber noch unklar. So haben allein Organisationen aus dem Geschäftsbereich des Bundesentwicklungsministeriums derzeit noch mehr als 1.000 einheimische Mitarbeiter in Afghanistan.
CDU-Chef Armin Laschet sprach sich dafür aus, dass die Bundeswehr afghanische Ortskräfte schnell aus dem Land holt. Notwendig sei rasch ein neues Mandat des Bundestages. „Diesen Leuten muss geholfen werden, sie müssen jetzt rausgeholt werden“, sagte Laschet am Samstag beim Landestag der Jungen Union Hessen in Gießen. Ein Evakuierungseinsatz muss vom Bundestag genehmigt werden, weil es nach dem Ende des Nato-Einatzes „Resolute Support“ keine rechtliche Grundlage mehr dafür gibt.
Taliban haben Kabul umstellt
Die radikalislamischen Taliban haben die afghanische Hauptstadt Kabul weitgehend umstellt. Am Samstag lagerten Taliban-Kämpfer rund 50 Kilometer entfernt von der Hauptstadt. Nach dem Fall der zweit- und der drittgrößten Stadt des Landes ist Kabul de facto die letzte Bastion der Regierungstruppen, die anderswo kaum oder gar keinen Widerstand leisteten.
Taliban-Kämpfer patrouillieren in der Stadt Ghazni südwestlich von Kabul: Die Hauptstadt ist die letzte Bastion der Regierungstruppen. (Quelle: Gulabuddin Amiri/AP/dpa)
Deutschland und andere Länder wie Großbritannien und Spanien kündigten am Freitag die Ausreise von Botschaftspersonal an. Die USA sagten das Ausfliegen tausender Menschen täglich zu und veranlassten die Zerstörung sensiblen Materials in ihrer Botschaft in Kabul. Aus Washington hieß es dennoch, Kabul befinde „sich im Moment nicht in einer unmittelbaren Bedrohungslage“. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums räumte jedoch ein, dass „die Taliban-Kämpfer versuchen, die Stadt zu isolieren“.
In Online-Netzwerken waren zahlreiche Fotos und Videos zu sehen, in denen Kämpfer der Islamisten mit erbeutetem Kriegsmaterial posierten. Den Aufständischen fielen demnach zahlreiche gepanzerte Fahrzeuge, schwere Waffen und andere hochwertige Ausrüstung in die Hände.
UN-Generalsekretär: „Entsetzliche Berichte“ über Behandlung von Mädchen und Frauen
UN-Generalsekretär António Guterres hat sich schockiert über die Situation in Afghanistan gezeigt. Er sprach von schweren Menschenrechtsverletzungen, vor allem gegen Frauen.
UN-Generalsekretär Antonio Guterres: „Angriffe auf Zivilisten sind eine schwere Verletzung des humanitären Völkerrechts“. (Quelle: Xie E/dpa)
Die radikalislamischen Taliban begehen in den von ihnen kontrollierten Regionen in Afghanistan nach UN-Informationen schwere Menschenrechtsverletzungen. Betroffen seien „ersten Anhaltspunkten zufolge“ vor allem Frauen und Journalisten, sagte UN-Generalsekretär António Guterres am Freitag vor Journalisten.
„Besonders entsetzlich und herzzerreißend“ sei es, „Berichte zu sehen, wonach den afghanischen Mädchen und Frauen ihre hart erkämpften Rechte entrissen werden“, sagte Guterres. „Angriffe auf Zivilisten sind eine schwere Verletzung des humanitären Völkerrechts und sind gleichbedeutend mit Kriegsverbrechen“, betonte er weiter.
US-Regierung wirft Afghanistan „fehlenden Widerstand“ gegen Taliban vor
Die US-Regierung hat der afghanischen Führung und den Sicherheitskräften angesichts des Vormarsches der Taliban mangelnde Kampfbereitschaft vorgeworfen. Es sei „beunruhigend“ zu sehen, dass die politische und militärische Führung nicht den „Willen“ gehabt habe, sich dem Vormarsch der militanten Islamisten zu widersetzen, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, dem Sender CNN. Die USA hätten den „fehlenden Widerstand“ durch die afghanischen Streitkräfte nicht vorhersehen können, sagte Kirby am Freitag (Ortszeit) im Interview mit dem Sender.
Die afghanischen Sicherheitskräfte seien den Taliban in Bezug auf Ausrüstung, Training und Truppenstärke überlegen und verfügten über eine eigene Luftwaffe, sagte Kirby. Mit Blick auf die finanzielle Unterstützung der US-Regierung für die Sicherheitskräfte fügte er hinzu: „Geld kann keinen Willen kaufen.“ Dafür sei die politische und militärische Führung der Afghanen zuständig. Die Kampfbereitschaft sei nötig, um zu verhindern, dass die Taliban das ganze Land unter ihre Kontrolle bringen, warnte Kirby.
Das US-Militär hatte am Donnerstag angekündigt, rund 3.000 Soldaten als Verstärkung zum Flughafen Kabul zu verlegen, um die Reduzierung des Personals der US-Botschaft zu unterstützen. Rund 5.000 weitere Soldaten werden zudem im Nahen Osten stationiert, um als mögliche Verstärkung bereitzustehen.
Nato-General zweifelt an Konzept für Auslandseinsätze
Der frühere Nato-General Hans-Lothar Domröse plädiert nach dem Scheitern des Afghanistan-Einsatzes für ein Überdenken des Vorgehens bei Militärengagements außerhalb Europas. „Unser gesamtes Konzept „train assist advise“ (ausbilden, unterstützen, beraten) werden wir überprüfen müssen und wir müssen fairerweise die Frage stellen: Funktioniert das außerhalb Europas? Scheinbar nicht“, sagte der Heeresgeneral am Samstag dem NDR. Man müsse bei Auslandseinsätzen vorher politische Ziele klar setzen, langen Durchhaltewillen zeigen – oder eben nicht hingehen.
Der Westen habe in Afghanistan „350.000 Sicherheitskräfte ausgebildet, recht gut ausgerüstet. Da fliegen mehr Hubschrauber bei denen als bei der Bundeswehr. Also: Sie haben sie nicht eingesetzt, und warum nicht?“ Es mangele an Kampfmoral und Loyalität, sagte Domröse. Den Soldaten „fehlt das Wofür“. Das stelle die Frage, ob es überhaupt einen afghanischen Gesamtstaat gebe oder dort nur Kriegsherren und Stammesfürsten ihr eigenes Spiel spielten.
Am wichtigsten sei in Afghanistan jetzt, dass die blutigen Auseinandersetzungen sofort eingestellt werden. Bei der Frage, wer dazu beitragen könne, müsse man auch auf Länder wie China, Pakistan oder den Iran blicken. „Ich sehe, dass die Taliban auch Rat suchen in China“, sagte Domröse. „China kann vielleicht die Taliban irgendwie zügeln, mäßigen und zu einer Vernunftregierung führen.“ Die Europäer sollten versuchen, sich über die USA einzubringen. „Deutschland alleine, fürchte ich, kann da nichts machen.“
