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„Hohe Bedrohung durch einen Terroranschlag“

"Hohe Bedrohung durch einen Terroranschlag"

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„Hohe Bedrohung durch einen Terroranschlag“

In Kabul herrscht Sorge vor einem möglichen Anschlag. Die USA, Großbritannien und Australien warnen nun vor einer akuten Gefahr. Menschen am Flughafen sollen das Gebiet verlassen. Alle Informationen im Newsblog.

Die Taliban beherrschen Afghanistan wieder, nur der Flughafen in der Hauptstadt Kabul ist noch unter US-Kontrolle. Die Bundesregierung versucht, deutsche Staatsbürger und afghanische Helfer zu evakuieren, hat dabei aber größte Schwierigkeiten. Die Taliban versprechen Milde, gehen in Wahrheit aber brutal gegen Frauen, Journalisten und Oppositionelle vor. 

US-Botschaft: Sicherheitswarnung für Flughafen Kabul

Die US-Botschaft in Kabul hat US-Bürgern laut einer Sicherheitswarnung geraten, sich derzeit nicht zum internationalen Flughafen Hamid Karzai zu begeben.

Bürger, die sich bereits am Abbey Gate, East Gate und North Gate des Flughafens aufhielten, sollen den Flughafen sofort verlassen, heißt es in dem Sicherheitshinweis.

Auch Großbritannien forderte seine bis jetzt in Afghanistan verbliebenen Staatsbürger wegen der Gefahr von Anschlägen auf, sich vom Kabuler Flughafen fernzuhalten. „Wenn Sie sich beim Flughafen aufhalten, entfernen Sie sich zu einem sicheren Ort und warten Sie auf weitere Hinweise“, hieß es auf der Webseite des britischen Außenministeriums am Mittwoch. Es gebe eine „anhaltende und hohe Gefahr terroristischer Angriffe“.

Die australische Regierung in Canberra forderte australische Staatsbürger und Visa-Inhaber am Flughafen in Kabul auf, das Gebiet sofort zu verlassen. „Es besteht eine anhaltende und sehr hohe Bedrohung durch einen Terroranschlag“, sagt Außenministerin Marise Payne.

UN-Bericht: Sicherheitslage in Afghanistan weitgehend ruhig

Die Sicherheitslage in Afghanistan ist seit der Machtübernahme der Taliban weitgehend ruhig. Das geht aus einem wöchentlichen Bericht der UN-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) hervor, der am Mittwochabend veröffentlicht wurde. In den allermeisten Regionen des Landes sei die Sicherheitssituation im Berichtszeitraum – der Woche nach der Taliban-Machtübernahme – vergleichsweise ruhig.

In dem Bericht hieß es, im Süden seien Zivilistinnen und Zivilisten weiter von Explosionen durch am Straßenrand versteckte Bomben betroffen gewesen oder von Kugeln durch Freudenschüsse in den Provinzhauptstädten. Die großen Krankenhäuser in der südlichen Region hätten zudem eine große Zahl an Patienten aufgenommen, die bereits früher verletzt worden waren, wegen andauernder Gefechte und Straßensperren aber keine Möglichkeit gehabt hätten, in Krankenhäuser zu kommen.

Im Nordosten habe es Berichte über Gefechte in den Bezirken Pul-i Hisar, Dih Salah und Bano der Provinz Baghlan gegeben. Einem Bericht der „New York Times“ zufolge hatten Hausdurchsuchungen durch die Taliban diese Gefechte mit lokalen Milizen ausgelöst. Aus den Provinzen Kabul und Pandschir seien mehrere Sicherheitsvorfälle und Gewalttaten gemeldet worden. Allerdings gibt es in dem Bericht keine Details hierzu.

In der Stadt Dschalalabad im Osten seien Berichten zufolge zwei Zivilisten getötet und sechs weitere im Zuge eines Protests am Nationalfeiertag verletzt worden, hieß es weiter. Lokale Journalisten berichteten, Taliban-Kämpfer hätten das Feuer eröffnet. Vergangenen Samstag habe es bewaffnete Zusammenstöße zwischen Kämpfern der Taliban und der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) im Bezirk Alingar der Provinz Laghman im Osten gegeben.

Afghanisches Baby nach Flugzeug benannt

Das an Bord eines US-Transportflugzeugs zur Welt gekommene afghanische Baby ist nach Militärangaben von den Eltern nach dem Flugzeug benannt worden. Das Mädchen, das auf dem deutschen US-Stützpunkt Ramstein geboren wurde, heiße nun nach dem Rufzeichen der Maschine „Reach“, erklärte der Kommandeur der US-Streitkräfte in Europa, General Tod Wolters, am Mittwoch. Die Transportflugzeuge vom Typ Boeing C-17 der US-Luftwaffe nutzen oft das Rufzeichen „Reach“, gefolgt von einer Zahlenkombination.

„Wie sie sich gut vorstellen können, als Pilot der Luftwaffe ist es mein Traum, dass junge Kind namens Reach als US-Staatsbürgerin aufwachsen zu sehen und dass sie (später) Kampflugzeuge der US-Luftwaffe für die Luftwaffe fliegen wird“, sagte Wolters, der über Video ins US-Verteidigungsministerium zugeschaltet war. Das Militär habe mit den Eltern gesprochen, sagte Wolters. Zudem seien zwei weitere Säuglinge von Evakuierten im nahen Militärkrankenhaus in Landstuhl zur Welt gekommen, sagte er. Den Babys gehe es gut.

US-Regierung: Keine „Frist“ für Hilfe bei Ausreise aus Afghanistan

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Die US-Regierung will auch nach dem 31. August US-Amerikaner und Afghanen bei der Ausreise aus Afghanistan unterstützen. „Wir und die internationale Gemeinschaft erwarten, dass die Menschen, die Afghanistan nach dem Abzug des US-Militärs verlassen wollen, dies auch tun können. Daran arbeiten wir“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, am Mittwochnachmittag (Ortszeit). Man prüfe eine Reihe von Möglichkeiten, wie man etwa weiter konsularische Unterstützung leisten können.

US-Außenminister Antony Blinken sprach davon, dass es keine „Frist“ für die Bemühungen gebe, ausreisewilligen US-Amerikanern oder Afghanen zu helfen. Die militant-islamistischen Taliban hätten sich verpflicht, Menschen über den 31. August hinaus sicheres Geleit zu ermöglichen. „Und wir haben sicherlich Anreize und Druckmittel gegenüber einer zukünftigen afghanischen Regierung, um sicherzustellen, dass dies geschieht“, sagte Blinken weiter ohne ins Detail zu gehen.

Bruder von berühmtem Taliban-Gegner berichtet von wachsendem Widerstand

In Afghanistan weitet sich die Widerstandsbewegung gegen die radikalislamischen Taliban nach den Worten des Bruders des legendären afghanischen Kriegsherrn und Taliban-Gegners Ahmed Schah Massud aus. Der Widerstand habe sich über das Land verbreitet, sagte Ahmed Wali Massud am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP.

Die Einstellungen der Afghanen hätten sich in den vergangenen 20 Jahren entwickelt, sagte Massud. „Die Frauen Afghanistans sind der Widerstand, denn ihre Werte unterscheiden sich sehr von denen der Taliban.“ Auch die jüngeren Generationen, die einen Großteil der Bevölkerung ausmachten, seien Teil der Widerstandsbewegung. „Egal was passiert, der Widerstand wird weitergehen. Es ist ein Freiheitskampf für universelle Rechte und Überzeugungen. Das wird niemals sterben“, sagte Ahmed Wali Massud.

Der Sohn des früheren Kriegsherrn Massud, Ahmed Massud, hatte in der vergangenen Woche zum Widerstand gegen die Taliban aufgerufen. Nach seinen Angaben haben sich ihm im Pandschir-Tal tausende Kämpfer angeschlossen. Das Pandschir-Tal war in den 90er Jahren eine Hochburg des Widerstands gegen die Taliban und fiel nie unter die Kontrolle der Islamisten.

US-Soldaten sollen Journalisten Zugang nach Kabul verwehrt haben

Journalisten am Kabuler Flughafen soll nach eigenen Angaben am Mittwoch durch US-Soldaten der Zugang in die Stadt verwehrt worden sein. Der stellvertretende Chefredakteur der Boulevardzeitung „Bild“, Paul Ronzheimer, selbst vor Ort, berichtete auf Twitter: „Unter Androhung von Militärpolizei zwingt US-Militär uns und zehn weitere internationale Journalisten, Flieger nach Doha zu nehmen. Obwohl wir einen gesicherten Weg raus aus dem Airport hatten Richtung Stadt. Krasser Angriff auf die Pressefreiheit.“ Im weiteren Verlauf berichtete Ronzheimer, man werde zum Flieger nach Doha eskortiert.

Ähnlich berichtete auf Twitter am Mittwoch eine freischaffende Journalistin, die unter anderem regelmäßig für den „Guardian“ arbeitete: Sie sei Teil einer Gruppe von Journalisten, die von US-Kräften gezwungen würden, in ein Flugzeug zu steigen. Alles, was man wolle, sei in Kabul zu bleiben. Sie schrieb auch: „Wer kann helfen?“

Ronzheimer war am Mittwochnachmittag dann auch in einer Sondersendung des TV-Senders Bild per Telefon zugeschaltet. Er sagte, er gehe davon aus, in wenigen Stunden im Flugzeug nach Doha, der Hauptstadt von Katar, zu sitzen. Von dort sei er am Mittwochmorgen gekommen.

Auswärtiges Amt: Noch mehr als 200 Deutsche in Kabul

In der afghanischen Hauptstadt Kabul halten sich nach Angaben des Auswärtigen Amts noch mehr als 200 deutsche Staatsbürger auf. Die Zahl liege höher als noch am Vortag, „weil sich weiterhin Menschen bei uns melden“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Mittwoch in Berlin. 540 Deutsche seien bereits ausgeflogen worden. Am Dienstag hatte Außenminister Heiko Maas (SPD) von rund 100 Deutschen vor Ort und ihren Familien gesprochen.

Es gebe eine „gewisse Unschärfe“ bei den Zahlen, weil teils auch Angehörige deutsche Staatsbürger seien, sagte der Sprecher. Wie viele der Betroffenen neben der deutschen auch die afghanische Staatsbürgerschaft haben, werde nicht erfasst, weil es für die Frage, ob jemand zur Teilnahme an der Evakuierungsmission berechtigt sei, keinen Unterschied mache. Er räumte aber ein, dass es für die Bewegungsfreiheit der Betroffenen im von den Taliban kontrollierten Kabul relevant sein könne. „Das ist ein Faktor, den man berücksichtigen muss.“

Das Auswärtige Amt geht davon aus, dass sich in Kabul insgesamt noch eine „hohe vierstellige oder niedrige fünfstellige Zahl“ schutzbedürftiger Menschen befindet, die grundsätzlich für eine Evakuierung infrage kämen.

Bundestag stimmt Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in Kabul zu

Mehr als eine Woche nach Beginn der Evakuierungsaktion der Bundeswehr im afghanischen Kabul hat der Bundestag dem Einsatz von bis zu 600 Soldaten zugestimmt. Die Abgeordneten billigten das bis zum 30. September befristete Mandat mit großer Mehrheit. 539 stimmten dafür, 9 dagegen, 90 enthielten sich.

Mit dem Mandat schafft der Bundestag nachträglich die rechtliche Grundlage für den Einsatz. Das Parlament muss jedem bewaffneten Einsatz der Bundeswehr zustimmen. In Ausnahmefällen ist das auch nachträglich möglich, vor allem, wenn Gefahr in Verzug ist. Das trifft nach Ansicht der Bundesregierung auf die Evakuierung deutscher Staatsbürger und afghanischer Helfer von Bundeswehr und Bundesministerien zu.

Die große Mehrheit für den Einsatz war erwartet worden. Die Linksfraktion hatte allerdings am Dienstag wegen einiger Kritikpunkte am Mandatstext beschlossen, sich zu enthalten. 

Auswärtiges Amt will auch nach Fristenende evakuieren

Die Bundesregierung spricht nach eigenen Angaben weiter mit Vertretern der Taliban, um auch nach dem 31. August Menschen außer Landes bringen zu können. Das Ende der Luftbrücke sei nicht gleichbedeutend mit einem Ende dieser Bemühungen, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin. Möglich sei etwa eine Evakuierung mit zivilen Flügen oder auch ein Transport von Menschen auf dem Landweg in die Nachbarländer Afghanistans.

Bereits am Dienstag hatte Außenminister Heiko Maas verdeutlicht, dass ein Ende der Luftbrücke nicht bedeute, dass keine Menschen mehr gerettet werden. Gegenüber „Bild“ nannte er mögliche Verhandlungen mit den Taliban „schlimmer als verkehrte Welt“. Allerdings habe man „überhaupt keine Alternative. Dafür muss man Wege gehen, die man nicht gehen will.“

Bericht: KSK rettete Deutsche per Hubschrauber

Spezialkräfte der Bundeswehr haben offenbar erstmals Deutsche aus Afghanistan mit Hubschraubern gerettet. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Demnach haben Soldaten des „Kommando Spezialkräfte“ (KSK) in einer Geheimoperation in der Nacht zum Mittwoch gemeinsam mit US-Kräften mehr als ein Dutzend deutsche Staatsbürger aus Kabul geflogen, die auf der Flucht vor den islamistischen Taliban waren.

Nach Informationen der Zeitung war es offenbar bereits die vierte Operation der Spezialeinheit. Genutzt wurden allerdings keine eigenen, sondern amerikanische Hubschrauber des Typen MH-6. Ein Lufteinsatz galt zuletzt noch als zu gefährlich. Bisher waren die Soldaten nur am Boden tätig. Aufgrund des geplanten Abzugs der US-Truppen drücke auch die Bundeswehr aufs Tempo. „Das Fenster, Leute zu retten, schließt sich“, heißt es aus Bundeswehrkreisen.

USA fliegen in 24 Stunden mehr als 11.000 Menschen aus

Bei der Evakuierungsmission am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul haben die USA zuletzt innerhalb von 24 Stunden mehr als 11.000 Menschen außer Landes gebracht. Zwischen dem frühen Dienstagmorgen und dem frühen Mittwochmorgen hätten 42 Flugzeuge des US-Militärs rund 11.200 Menschen ausgeflogen, teilte das Weiße Haus am Mittwoch in Washington mit. Im gleichen Zeitraum hätten außerdem 48 Maschinen internationaler Partner rund 7.800 Menschen evakuiert. Insgesamt waren es innerhalb der 24-Stunden-Spanne also etwa 19.000 Menschen.

Seit dem Start der Evakuierungsmission Mitte August haben die Vereinigten Staaten insgesamt rund 82.300 Menschen entweder selbst aus Afghanistan ausgeflogen oder deren Ausreise ermöglicht, wie es weiter hieß. Nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan hatten die USA und ihre Verbündeten begonnen, in großer Eile ihre Staatsbürger sowie afghanische Helfer und andere Schutzbedürftige außer Landes zu bringen.

US-Präsident Joe Biden hatte am Dienstag nach einer Videoschalte mit den Staats- und Regierungschefs der G7-Länder erklärt, dass er an dem Plan festhalte, die amerikanischen Truppen bis zum 31. August aus Kabul abzuziehen. Ohne die Unterstützung der USA gilt auch eine Fortsetzung der Evakuierungsflüge anderer westlicher Staaten als undenkbar. Das US-Militär kontrolliert den Flughafen in Kabul und hat dort mehrere Tausend Soldaten stationiert, die den internationalen Evakuierungseinsatz absichern.

Verteidigungsministerium: Schwerste Stunden stehen noch bevor

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagt in Berlin mit Blick auf das bevorstehende Ende der Evakuierungsmission: „Jetzt beginnen für uns die anspruchvollsten und auch die gefährlichsten Stunden.“ Die Sicherheitslage am Kabuler Flughafen habe sich immer weiter verschärft und verschärfe sich weiter.

Briten holen Hunde und Katzen aus Kabuler Tierheim

Nach tagelanger Debatte hat die britische Regierung einen Rettungsflug für Hunde und Katzen aus einem Kabuler Tierheim vom Flughafen der afghanischen Hauptstadt genehmigt. „Wenn er mit seinen Tieren kommt, werden wir einen Slot für sein Flugzeug finden“, schrieb der britische Verteidigungsminister Ben Wallace am Mittwoch auf Twitter über Paul Farthing, einen ehemaligen Soldaten, der in Kabul ein Tierheim für Hunde und Katzen betreute.

Farthing will nun mit einem gecharterten Flugzeug rund 140 Hunden und 60 Katzen zusammen mit seinen afghanischen Mitarbeitern und deren Familien die Ausreise ermöglichen. Bereits am Montag hatte die britische Regierung laut Farthing allen Mitarbeitern des Vereins „Nowsad“ und ihren Familienmitgliedern Visa erteilt. Es handele sich insgesamt um 68 Menschen.

Wallace hatte noch am Dienstag erklärt, dass er „Tieren keinen Vorrang vor verzweifelten Männern, Frauen und Kindern, die an die Tür klopfen“, einräumen werde. Dafür musste der Verteidigungsminister harte Kritik von Tierschützern einstecken. Nun folgte die Wende.

Mindestens 12 von 78 Afghanistan-Rückkehrern nach Indien haben Corona

Mindestens 12 Personen einer Gruppe von 78 Menschen, die aus Kabul in Afghanistan evakuiert und nach Indien gebracht wurden, sind mit dem Coronavirus infiziert. Sie zeigten keine Symptome, sagte ein Mitarbeiter der Organisation India World Forum, die dem indischen Außenministerium bei ihrer Evakuierungsmission hilft, der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Die Gruppe sei am Dienstag in Indien angekommen und die Positiv-Getesteten befänden sich in Quarantäne. Indien hat seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan mehr als 600 Menschen ausgeflogen – darunter mehr als 200 indische Bürgerinnen und Bürger.

Kritische Soldaten: Überraschung über Ende des Einsatzes „geheuchelt“

Der kritische Soldatenarbeitskreis „Darmstädter Signal“ bewertet Deutschlands Beteiligung am Einsatz in Afghanistan als „riesigen Fehler“. „Der Einsatz war so verlogen wie die Überraschung [über das Ende] geheuchelt“, sagte der Sprecher des Arbeitskreises, Florian Pfaff, dem Südwestrundfunk am Mittwoch.

„Man wurde im Grunde herausgeworfen. Man hatte die Standorte aufgeben müssen, weil der Druck zu groß war.“ Wer jetzt so tue, als hätte man sich auf die afghanische Armee verlassen, sei unehrlich, ergänzte Pfaff im Radioprogramm SWR Aktuell. Die Kriege im Irak und in Afghanistan bezeichnete er als sinnlos und verlogen.

Der eher linksgerichtete Arbeitskreis „Darmstädter Signal“ bezeichnet sich als „das einzige kritische Sprachrohr von ehemaligen und aktiven Offizieren und Unteroffizieren sowie Soldatinnen und Soldaten und zivilen Angehörigen der Bundeswehr“. Das erste Treffen des Arbeitskreises gab es 1983. Zu den Grundsätzen gehört laut Homepage die kritische Begleitung der „hinsichtlich des Auftrags der Streitkräfte, deren Bindung an Moral und Gesetze, die Umsetzung des Staatsbürgers in Uniform sowie nichtmilitärische Alternativen der Konfliktbewältigung“.

Sorge um Radikalisierung in der Bundeswehr

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Einsatzveteranen, Bernhard Drescher, hat angesichts der Entwicklungen in Afghanistan nach dem Abzug der Bundeswehr vor einer Radikalisierung altgedienter Soldaten gewarnt. „Die Stimmung unter den Veteranen ist grottenschlecht“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Sie hätten das Gefühl, dass ihre Belange „noch nie interessiert“ hätten. Angesichts der Bilder aus Kabul entstehe nun der Eindruck, dass ihre Arbeit zunichte gemacht werde. Schließlich ziehe man Schutzkräfte nicht ab, bevor nicht alles Schützenswerte in Sicherheit gebracht worden sei, so Drescher. Und die Helfer der Bundeswehr, also die afghanischen Ortskräfte, würden offenbar nicht für schützenswert gehalten. Die Vorgänge würden „hochemotional aufgenommen“.

Drescher warnte: „Man verliert emotional eine Gruppe von Menschen, die für den Staat wichtig ist.“ In der Folge entstünden neuerdings rechtsorientierte Gruppen wie „Veteranen 5 n 12“ oder der „Veteranen Pool“. „Ich mache mir Sorgen, wie sich das weiterentwickelt.“

Bundeswehr hat 4.650 Menschen aus Kabul ausgeflogen

Die Bundeswehr hat mittlerweile mehr als 4.650 Bundesbürger, Afghanen und Bürger anderer Staaten aus Kabul evakuiert. Am späten Dienstagabend landete ein Militärtransporter des Typs A400M mit 178 schutzbedürftigen Menschen an Bord in der usbekischen Hauptstadt Taschkent, wie die Bundeswehr in der Nacht zu Mittwoch twitterte. „Damit wurden bisher insgesamt mehr als 4.650 Menschen aus Afghanistan evakuiert“, hieß es weiter. Von Taschkent aus geht es dann weiter nach Deutschland.

Derweil teilten die USA mit, vorerst an dem Plan festzuhalten, ihre Truppen bis zum 31. August aus Afghanistan abzuziehen. Der laufende internationale Militäreinsatz zur Evakuierung westlicher Staatsbürger, afghanischer Ortskräfte und anderer Schutzbedürftiger ist von der US-Truppenpräsenz abhängig. Bereits am Montag hatte ein Taliban-Vertreter die für den 31. August gesetzte Frist als „rote Linie“ bezeichnet.

Nato-Diplomat: Nachbarländer sollen Grenzen öffnen

Angesichts des nahenden Endes von Evakuierungsflügen aus Kabul werden Forderungen nach einem verstärkten Engagement der Nachbarländer Afghanistans laut. „Iran, Pakistan und Tadschikistan sollten mehr Menschen über Land oder Luft herausholen“, sagte ein in Kabul ansässiger Nato-Diplomat am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Die Länder sollten ihre Grenzen öffnen. 

Aus Diplomatenkreisen hieß es in den vergangenen Tagen, nach Einstellung der Evakuierungsflüge könnten die zu Evakuierenden möglicherweise auf dem Landweg in Drittstaaten ausreisen und von dort nach Europa geflogen werden. Beide Grenzübergänge nach Pakistan etwa sind aktuell geöffnet, allerdings brauchen Afghanen Visa für das Nachbarland.

In einem in der Nacht zu Mittwoch versandten Landsleutebrief der deutschen Botschaft in Kabul hieß es, Deutschland plane zunächst weiterhin Evakuierungsflüge mit der Bundeswehr und zudem mit anderen befreundeten Staaten Flüge von Kabul ins Ausland. Gleichzeitig prüfe man weitere konkrete Maßnahmen zur Ermöglichung der Ausreise.

Bundeswehr-Luftbrücke endet wohl spätestens am Wochenende

Laut mehreren Medienberichten plant die Bundeswehr, ihre Rettungsflüge aus Afghanistan bereits Ende der Woche einzustellen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Biden warnt vor Anschlagsgefahr

US-Präsident Joe Biden hat vor einer wachsenden Terrorgefahr am Flughafen in Kabul gewarnt. Jeder Tag, den man wegen der Evakuierungen länger vor Ort bleibe, sei ein weiterer Tag, an dem ein örtlicher Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat versuche, den Flughafen anzugreifen, sagte Biden. Es gebe die „akute und wachsende Gefahr eines Anschlags“, sagte er am Dienstag in Washington (Ortszeit) nach einer Videoschalte der G7-Staats- und Regierungschefs zur Lage in Afghanistan. Die USA halten daher vorerst an ihrem Plan fest, ihre Truppen bis zum 31. August aus Afghanistan abzuziehen. „Je früher wir es abschließen, desto besser“, sagte Biden.

US-Militär zieht „mehrere Hundert“ Soldaten vom Flughafen Kabul ab

Das US-Militär hat seine Truppenpräsenz am Flughafen Kabul nach eigenen Angaben um „mehrere Hundert“ Soldatinnen und Soldaten reduziert. Dies sei bei einem laufenden Einsatz Teil der normalen Entscheidungsgewalt des örtlichen Kommandeurs, erklärte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby. Es handle sich dabei unter anderem um Beschäftigte der Zentrale, Spezialisten für Wartungsarbeiten und andere Soldaten, deren Mission am Flughafen abgeschlossen sei, erklärte er am Dienstag (Ortszeit). Das US-Militär hatte dort zuletzt rund 5.800 Soldaten im Einsatz.

Kirby betonte, der routinemäßige Abzug einiger Truppen stelle nicht den Beginn des Abzugs aller Soldaten aus Afghanistan dar. Dies sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht befohlen worden, erklärte er.

Mädchen des Robotik-Teams flüchten nach Mexiko

Eine Gruppe von Computer-Spezialistinnen ist nach ihrer Flucht aus Afghanistan vor den Taliban in Mexiko eingetroffen. „Wir heißen Sie herzlich in Mexiko willkommen“, sagt Martha Delgado, Unterstaatssekretärin für multilaterale Angelegenheiten und Menschenrechte im mexikanischen Außenministerium bei einer Pressekonferenz zur Ankunft des Robotik-Teams. Das jüngste Mitglied ist 14 Jahre alt. Die international ausgezeichnete Gruppe hatte im März mit der Arbeit an einem kostengünstigen Open-Source-Beatmungsgerät begonnen, um die Krankenhäuser ihres Heimatlandes im Kampf gegen die Corona-Pandemie zu unterstützen.

Putin: Westen hinterlässt Chaos und Terrorgefahr in Afghanistan

Der russische Präsident Wladimir Putin hat dem Westen vorgeworfen, Chaos in Afghanistan hinterlassen sowie eine große Terrorbedrohung für andere Länder verursacht zu haben. „Es gibt die Gefahr, dass Terroristen und verschiedene Gruppierungen, die in Afghanistan Zuflucht gefunden haben, das von unseren westlichen Partnern hinterlassene Chaos nutzen“, sagte Putin am Dienstag in Moskau. Terroristen könnten in den Nachbarländern für eine Eskalation der Lage sorgen.

„Das ist eine direkte Bedrohung für unsere Verbündeten und für unser Land“, sagte Putin mit Blick etwa auf die Ex-Sowjetrepubliken Tadschikistan und Usbekistan, direkte Nachbarn Afghanistans. Es bestehe die Gefahr, dass der Drogenschmuggel und die illegale Migration zunehmen, meinte er bei einer Veranstaltung der Kremlpartei Geeintes Russland vor der Parlamentswahl am 19. September. „Das sind alles Bedrohungen für uns. Sie sind absolut real.“

„Schreckliche hygienische Zustände in Katar“: USA geloben Besserung

Die USA haben nach Berichten über schlechte hygienische Zustände auf dem Militärflugplatz nahe der katarischen Hauptstadt Doha eine schnelle Besserung versprochen. Der Flugplatz ist ein wichtiges Drehkreuz für die Evakuierungsflüge aus Afghanistan. „Wir sind uns dessen bewusst und arbeiten schnell daran, die Situation zu verbessern, und wir wollen natürlich, dass die Menschen, die evakuiert werden, mit Respekt behandelt werden“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, am Dienstag (Ortszeit). Zuvor hatte etwa das Nachrichtenportal „Axios“ unter Berufung auf eine E-Mail eines US-Beamten von Ratten, Urin und Fäkalien berichtet.

Selbst wenn Afghanen ein Sondervisum für die USA haben, kommen sie nicht direkt in das Land. Militärflüge bringen sie zunächst auf US-Stützpunkte oder in andere Transitzentren in Drittstaaten –wie etwa nach Katar. Von diesen Zwischenstationen sollen die Menschen nach einer Sicherheitsprüfung in die USA gebracht werden. Axios zufolge sind auf dem Stützpunkt in Katar Tausende Afghanen vorläufig untergebracht. Nach dem Bericht ist die Situation dort „die Hölle auf Herden“. Psaki betonte, dass der Bericht des Portals sich auf die Lage vor einigen Tagen beziehe.

Man sei sich der „schrecklichen hygienischen Zustände in Katar“ bewusst, die dort geherrscht hätten, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby. Man habe bereits daran gearbeitet, sie zu verbessern. „Ich werde mich hier nicht hinstellen und sagen, dass sie perfekt sind, denn das sind sie nicht, weil die Evakuierten weiterhin nach Katar strömen, und im Moment eine Menge vor Ort sind“, so Kirby weiter. Niemand suche nach Ausreden. „Wir erkennen an, dass die sanitären Verhältnisse und die Hygiene in vielerlei Hinsicht noch nicht das Niveau erreicht haben, das wir uns wünschen.“

Evakuierte von Ramstein auf anderen US-Stützpunkt in Deutschland verlegt

Weil die Kapazitäten für die Unterbringung tausender Evakuierter aus Afghanistan auf der US-Luftwaffenbasis Ramstein in Rheinland-Pfalz an ihre Grenzen stoßen, hat die US-Armee mit der Überführung der Menschen zu anderen Stützpunkten in Deutschland begonnen. Erste Evakuierte seien am Dienstag in den Rhine Ordnance Barracks in Kaiserslautern eingetroffen, gaben die US-Streitkräfte bekannt. Dort könnten rund 2.000 Menschen vorübergehend untergebracht werden.

Darüber hinaus seien die Truppenübungsplätze Grafenwöhr und Hohenfels bereit, bei Bedarf Gerettete aus Afghanistan aufzunehmen. An diesen Standorten können laut US-Armee vorübergehend etwa 3.000 beziehungsweise 2.000 Menschen untergebracht werden.

Auch Weltbank legt Hilfszahlungen für Afghanistan auf Eis

Nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan legt auch die Weltbank ihre Hilfen für das Land auf Eis. Die Zahlungen seien ausgesetzt worden, sagte ein Weltbank-Sprecher am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Die internationale Finanzorganisation beobachte die Entwicklungen vor Ort genau. Die Weltbank unterhält in Afghanistan nach eigenen Angaben mehr als zwei Dutzend Entwicklungsprojekte und hat dem Land seit 2002 5,3 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt.

Afghanistan ist als eines der ärmsten Länder der Welt stark auf Hilfsgelder angewiesen. Nach Angaben der Weltbank belief sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes im Jahr 2020 auf 19,81 Milliarden US-Dollar, davon machten Hilfsgelder fast 43 Prozent aus.

Merkel nach G7-Gipfel: Keine Verlängerung der Evakuierungen vereinbart

Die sieben größten westlichen Industrieländer (G7) wollen von den Taliban freies Geleit für Ausreisewillige über den 31. August hinaus verlangen. Das erklärte der britische Premierminister Boris Johnson am Dienstag nach dem G7-Sondergipfel zu Afghanistan. Man plane ein Abkommen mit den Islamisten, in der diese Forderung die wichtigste Bedingung für eine Einigung sein solle.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte nach der Video-Konferenz der Staats- und Regierungschefs, man habe keine Verlängerung der Evakuierungen vereinbart. Bereits zuvor hatte ein Mitarbeiter der US-Regierung Reuters gegenüber erklärt, US-Präsident Joe Biden bleibe dabei, die Evakuierungen am 31. August abzuschließen.

Die Taliban hatten mit Konsequenzen gedroht, sollten ausländische Soldaten bis Ende August nicht abgezogen werden. Kritiker warnen, bis dahin könnten nicht alle Menschen ausgeflogen werden, die Schutz vor den Islamisten suchen.

Die G7-Staaten beschlossen, ihre Afghanistan-Politik mit anderen Staaten abzustimmen. Deshalb solle auch mit den G20 zusammengearbeitet werden. In dieser Staaten-Gruppe sind auch Russland und China Mitglieder. Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi forderte auch eine gemeinsame Immigrationspolitik Europas für Menschen aus Afghanistan. 

Bundeswehr warnt vor IS-Selbstmordattentätern in Kabul

Die Bundeswehr sieht eine zunehmende Anschlagsgefahr durch IS-Terroristen in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Man habe Signale aus amerikanischen Quellen, aber auch eigene Erkenntnisse, dass zunehmend potenzielle Selbstmordattentäter der Terrororganisation Islamischer Staat „in die Stadt einsickern“, sagte Generalinspekteur Eberhard Zorn am Montag in Berlin. Man habe von den Amerikanern bereits in der vergangenen Woche Hinweise darauf bekommen. „Das nimmt jetzt zu.“

Die US-Regierung hatte am Sonntag erstmals öffentlich Sorgen vor einem IS-Anschlag am Flughafen oder in der Umgebung geäußert. „Die Bedrohung ist real, sie ist akut, sie ist anhaltend“, sagte der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, im Sender CNN. Man nehme die Warnungen „absolut todernst“. Die militant-islamistischen Taliban und der regional aktive Zweig des IS sind verfeindet und haben in der Vergangenheit gegeneinander gekämpft.

Maas: „Zeit wird nicht reichen, um alle auszufliegen“

Außenminister Heiko Maas (SPD) hat während eines Live-Interviews mit dem neuen Fernsehsender Bild eine erschütternde Prognose abgegeben. Trotz aller Bemühungen, so viele Ortskräfte wie möglich schnell aus Afghanistan auszufliegen, vermutet er: „Die Zeit wird nicht reichen, um alle auszufliegen.“ Er gehe nicht davon aus, dass „wir alle ausfliegen können, die wir ausfliegen wollen.“ Das Gleiche gelte wohl für die USA. Weiter erklärte er: „Wir stehen noch mit 100 Staatsbürgern und ihren Familien in Kontakt, deren Standort wir auch kennen. Die versuchen wir heute wieder einigermaßen sicher an den Flughafen zu bringen, um sie dann auf eine unserer Maschinen zu verteilen.“

Es gehe jetzt darum, die Probleme in Afghanistan zu lösen und nicht um seine politische Zukunft, betonte Maas auf Nachfrage. „Gehen Sie mal davon aus, dass auch ich meine Schlüsse daraus ziehen würde, was zurzeit geschieht und wie damit umzugehen ist und wie auch ich persönlich damit umgehe“, sagte er.

Heiko Maas: Der Außenminister hat in Aussicht gestellt, dass nicht alle Ortskräfte aus Afghanistan gerettet werden können. (Quelle: Annegret Hilse/AP/dpa)

Ab 2013 beschäftigte Entwicklungshelfer auf Evakuierungsliste

Die Bundesregierung hat den Kreis der afghanischen Ortskräfte in der Entwicklungshilfe ausgeweitet, die für eine Evakuierung im Gefahrenfall infrage kommen: Grundsätzlich sei am Wochenende entschieden worden, dass ab jetzt auch Ortskräfte der Entwicklungszusammenarbeit aufgrund einer Gefährdung für eine Ausreise infrage kämen, deren Beschäftigungsverhältnis schon mehr als zwei Jahre zurückliege, teilt ein Sprecher des Entwicklungsministeriums mit. Analog zur Regelung des Bundesministeriums der Verteidigung sei nun eine Beschäftigung ab 2013 ausschlaggebend.

Brandenburg will Ortskräfte dauerhaft aufnehmen

Brandenburg will die im Land angekommenen Ortskräfte aus Afghanistan auch dauerhaft aufnehmen. Das erklärte Innenminister Michael Stübgen am Dienstag. „Wir hoffen, damit einen Beitrag leisten zu können, die weiteren Belastungen für die geretteten Menschen möglichst gering zu halten und aufwendige Bürokratie zu vermeiden.“ Die Verteilung aller in Deutschland angekommenen Ortskräfte obliege aber dem Bundesinnenministerium, so Stübgen weiter. Brandenburg tausche sich derzeit eng mit dem Bund und den anderen Bundesländern aus, um weitere Abläufe zur Aufnahme der Ortskräfte zu klären. Zunächst hatten die „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ berichtet, dass Land wolle 300 Ortskräfte dauerhaft aufnehmen.

Nach Angaben des Innenministeriums sind mittlerweile 265 Menschen, davon 125 Kinder und Jugendliche, in Brandenburg angekommen und werden erstversorgt. „Wir wollen, dass die Menschen zur Ruhe kommen können und kümmern uns um die Erledigung aller notwendigen Formalitäten der Erstaufnahme“, sagte Stübgen.

USA fliegen an einem Tag mehr als 12.000 Menschen aus

 Die Evakuierungsmission am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul gewinnt weiter an Tempo. Die USA flogen bei dem Einsatz erstmals innerhalb von 24 Stunden mehr als 12.000 Menschen aus Kabul aus. Zwischen dem frühen Montagmorgen und dem frühen Dienstagmorgen hätten 37 Flugzeuge des US-Militärs rund 12.700 Menschen außer Landes gebracht, teilte das Weiße Haus am Dienstag in Washington mit. Im gleichen Zeitraum hätten außerdem 57 Maschinen internationaler Partner rund 8900 Menschen evakuiert. Seit dem Start der Evakuierungsmission Mitte August hätten die Vereinigten Staaten insgesamt rund 58 700 Menschen entweder selbst aus Afghanistan ausgeflogen oder deren Ausreise ermöglicht.

Das US-Militär kontrolliert den Flughafen in Kabul und hat dort mehrere Tausend Soldaten stationiert, die den internationalen Evakuierungseinsatz absichern. Nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan hatten die USA und ihre Verbündeten begonnen, in großer Eile ihre Staatsbürger sowie afghanische Ortskräfte außer Landes zu bringen.

CIA-Chef berät sich mit Taliban-Anführer

CIA-Chef William Burns hat einem Zeitungsbericht zufolge den Anführer der Taliban, Abdul Ghani Baradar, zu einem Gespräch getroffen. Der Direktor des US-Auslandsgeheimdienstes und Baradar seien sich am Montag in der afghanischen Hauptstadt Kabul begegnet, berichtet die „Washington Post“. Das Blatt beruft sich auf nicht näher bezeichnete US-Beamte, die sich nur anonym äußern wollten.

Taliban lassen Sprengschutzwände entfernen

Die militant-islamistischen Taliban lassen in der afghanischen Hauptstadt Kabul die für das Stadtbild bislang typischen Sprengschutzwände abbauen. Das ist auf Videos und Fotos zu sehen, die am Dienstag in sozialen Medien kursierten.

Die oft drei Meter hohen und einen halben Meter dicken grauen Betonwände sollten in der Vergangenheit die Auswirkungen von Autobomben oder anderen Explosionen vermindern. Sie standen bisher praktisch überall in der Stadt, vor allem rund um Regierungseinrichtungen wie Ministerien oder ausländischen Botschaften.

Am Sonntag hatten die Taliban über die Facebook-Seite der Stadtverwaltung die Bürger der Stadt dazu aufgerufen, binnen einer Woche Sprengschutzwände rund um Privathäuser zu entfernen. Bürger, die keinen Platz hätten, könnten sich an die Stadtverwaltung wenden, die ihnen einen Deponieplatz zur Verfügung stelle.

WHO befürchtet Engpass bei medizinischen Gütern

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verfügt nach eigenen Angaben nur noch über medizinische Vorräte für eine Woche. Mehr als 500 Tonnen solcher Güter wie OP-Ausrüstungen oder Mittel zur Versorgung von Unterernährten gelangten wegen der Einschränkungen am Kabuler Flughafen derzeit nicht ins Land, sagt ein WHO-Vertreter. Auch werde ein Anstieg der Corona-Infektionen befürchtet, weil die Zahl der durchgeführten Tests in der vergangenen Woche um 77 Prozent gesunken sei. Dagegen hielten 95 Prozent der medizinischen Einrichtungen ihren Betrieb aufrecht. Allerdings seien mehrere weibliche Angestellte nicht mehr zum Dienst erschienen und einige Patientinnen wagten nicht, ihre Häuser zu verlassen und zum Arzt zu gehen.

Zweijährige am Flughafen Kabul getötet

Während einer Massenpanik am Flughafen Kabul ist am Samstag ein zweijähriges Kind gestorben. Es handelt sich um die Tochter einer Dolmetscherin, die für eine amerikanische Firma in Kabul gearbeitet hatte. Die Frau, ihre Tochter und weitere Familienmitglieder wurden von der Menge zu Boden geworfen. Menschen trampelten auf ihnen herum, wie die Frau der „New York Times“ erzählte. „Ich fühlte puren Terror. Ich konnte sie nicht retten.“

Die deutschen Behörden haben wegen der Sicherheitslage davor gewarnt, selbstständig zum Flughafen zu gehen. Am Wochenende starben am Flughafen in Kabul sieben Menschen.

US-Truppen an einem Eingang zum Flughafen: Vor den Toren drängen sich Hunderte Menschen. (Quelle: Victor Mancilla/imago images)

Bundeswehr fliegt 200 weitere Menschen aus

Mit einer Bundeswehr-Maschine sind abermals mehr als 200 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen worden. Der Militärtransporter des Typs A400M startete am Dienstag vom Flughafen der Hauptstadt Kabul ins Nachbarland Usbekistan, wie die Bundeswehr am Dienstag mitteilte. Von dort geht es dann weiter nach Deutschland.

Insgesamt hat die Bundeswehr inzwischen mehr als 3.650 Bundesbürger, Afghanen und Bürger anderer Staaten aus Kabul evakuiert. Am Sonntag vergangener Woche hatten die militant-islamistischen Taliban die afghanische Hauptstadt erobert und wieder die Macht übernommen.

Maas: USA werden bald über Ende der Evakuierungen entscheiden

Bundesaußenminister Heiko Maas rechnet damit, dass die USA noch am Dienstag entscheiden werden, ob sie ihr Militär zum 31. August abziehen werden. Sollte die Operation tatsächlich Ende des Monats auslaufen, würden die Amerikaner alleine ein bis zwei Tage brauchen, um ihre eigenen Soldaten auszufliegen. Deutschland habe bislang etwa 3.800 Personen evakuiert, sagt der SPD-Politiker bei „Bild TV.“

Von der Leyen vervierfacht Hilfsgelder

Die Europäische Union vervierfacht ihre Hilfsgelder für afghanische Staatsbürger auf mehr als 200 Millionen Euro, wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf Twitter ankündigt. Die Mittel würden zusätzlich zu den Hilfszusagen der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten zur Verfügung gestellt. Offiziell werde sie das Vorhaben beim virtuellen G7-Gipfel vorstellen.

Das Geld solle den Menschen innerhalb und außerhalb ihres Heimatlandes zugutekommen, erklärt die Kommissionspräsidentin. Ein EU-Vertreter fügt hinzu, zur Bedingung für die Auszahlung werde die Achtung der Menschenrechte und insbesondere der Rechte von Frauen gemacht. Danach werde entschieden, ob das Geld direkt nach Afghanistan oder in benachbarte Regionen fließe.

Taliban ernennen Finanz- und Innenminister

Die Taliban stellen einem Medienbericht zufolge eine neue Regierung zusammen. Finanzminister werde Gul Agha, meldet die afghanische Nachrichtenagentur Pajhwok. Zum amtierenden Innenminister sei Sadr Ibrahim ernannt worden. Auch der Geheimdienst erhalte eine neue Spitze. Neuer Gouverneur der Provinz Kabul sei Mullah Schirin, Bürgermeister der gleichnamigen Hauptstadt sei Hamdullah Nomani. Weitere Details wurden zunächst nicht bekannt.

EU-Abgeordneter organisiert Charterflug

Der Europaabgeordnete der Grünen, Erik Marquardt, hat mit mehreren Hilfsorganisationen und in Absprache mit der Bundesregierung einen Charterflug nach Kabul organisiert, wie er auf Twitter mitteilt. Um weitere Flüge zu realisieren, bittet der Politiker um Spenden.

Druck auf Biden zur Verlängerung der Abzugsfrist wächst

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson und US-Präsident Joe Biden haben miteinander gesprochen. Die Politiker hätten vereinbart, weiter daran zu arbeiten, dass alle Ausreiseberechtigten Afghanistan verlassen könnten, teilte die britische Regierung am Montag mit. Großbritanniens Verteidigungsminister Ben Wallace sagte, Johnson werde bei dem virtuellen Gipfel der G7-Staats- und Regierungschefs an diesem Dienstag „versuchen, die Möglichkeit einer Verlängerung“ des bis zum 31. August befristeten US-Einsatzes am Kabuler Flughafen zu ergründen.

US-Präsident Joe Biden. (Quelle: Michael Brochstein/imago images)

Johnson erklärte, die Rettung „unserer Bürger und jener Afghanen, die uns während der vergangenen 20 Jahre geholfen haben“, habe nun „oberste Priorität“. Die G7-Staaten müssten aber bereits jetzt „die nächste Phase“ in den Blick nehmen, in der es darum gehen müsse, als internationale Gemeinschaft einen „gemeinsamen Ansatz“ gegenüber Afghanistan zu definieren.

Laut seinem Büro will Johnson seine G7-Kollegen dazu aufrufen, die Unterstützung für Flüchtlinge aus Afghanistan zu erhöhen und den Partnern die Selbstverpflichtung abnehmen, „den Schutz der Fortschritte der vergangenen 20 Jahre in Afghanistan sicherzustellen – insbesondere die Mädchenbildung und die Rechte von Frauen und Minderheiten“.

US-Truppen am Kabuler Flughafen: Die USA sichern den Flughafen derzeit mit 6.000 Soldaten ab. (Quelle: Sgt. Samuel Ruiz/U.S. Marine Corps/AP/dpa)

Harris verteidigt Afghanistan-Abzug

US-Vizepräsidentin Kamala Harris hat den Abzug der amerikanischen Truppen aus Afghanistan verteidigt. Präsident Joe Biden habe „die mutige und richtige Entscheidung“ getroffen, einen seit 20 Jahren dauernden Krieg zu beenden, sagte Harris am Dienstag bei einem Besuch in Singapur. „Wir hatten das erreicht, wofür wir dorthin gegangen waren.“ Nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban liege der Focus nun auf der Evakuierung von US-Amerikanern, von Bürgern aus Partnerländern und von Afghanen, die mit den USA zusammengearbeitet haben.

Zugleich kritisierte Harris Chinas Auftreten im Streit um mehrere Gebiete im rohstoffreichen Südchinesischen Meer. Peking setze Mittel wie „Nötigung“ und „Einschüchterung“ ein, um rechtswidrige Ansprüche durchzusetzen. Die Biden-Stellvertreterin fügte hinzu: „Pekings Aktionen untergraben weiterhin die regelbasierte Ordnung und bedrohen die Souveränität von Nationen.“ Bei dem Besuch in Singapur wurden eine Verstärkung der US-Präsenz in dem südostasiatischen Stadtstaat sowie eine engere Zusammenarbeit bei Cybersicherheit und im Finanzsektor vereinbart. Nächste Station der Reise ist Vietnam.

US-Militär evakuierte schon mehr als 10.000 Menschen 

Trotz Gewalt und chaotischen Zuständen an den Gates zum Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul schreitet die Evakuierungsmission voran. Das Tempo der Abflüge habe sich im Vergleich zu Sonntag fast verdoppelt, schrieb der zivile Repräsentant der Nato in Afghanistan, Stefano Pontecorvo, auf Twitter. Das US-Militär flog zwischen dem frühen Sonntagmorgen und dem frühen Montagmorgen rund 10.400 Menschen aus Kabul aus, teilte das Weiße Haus in Washington mit.

Insider: Bidens Entscheidung über Abzugsdatum binnen Tagesfrist

US-Präsident Joe Biden will einem Insider zufolge binnen 24 Stunden über eine Verlängerung der Abzugsfrist entscheiden. Biden wolle dem Pentagon Zeit zur Vorbereitung einräumen, erklärt ein Regierungsbeamter der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses des US-Repräsentantenhauses, Adam Schiff, geht nicht von einem Abschluss der Evakuierungen bis zum 31. August aus. „Ich halte es zwar für möglich, aber angesichts der Zahl der Amerikaner, die noch evakuiert werden müssen, für sehr unwahrscheinlich“, sagt Schiff nach einem Briefing von Geheimdienstmitarbeitern zu Reportern.

Bundeswehr flog bislang mehr als 3.650 Menschen aus

Der um 22.29 Uhr MESZ in Kabul gestartete A400M ist um 23.48 Uhr MESZ nach Angaben der Bundeswehr mit 211 weiteren Schutzbedürftigen in Taschkent gelandet. Seit Beginn der Operation seien damit bislang mehr als 3.650 Menschen durch die Bundeswehr aus der afghanischen Hauptstadt ausgeflogen worden.

Afghanische Frauenrechtlerin Ghafari in Deutschland eingetroffen

Die aus Afghanistan geflohene Frauenrechtlerin Zarifa Ghafari ist am Montagabend in Deutschland eingetroffen. Wie die nordrhein-westfälische Staatskanzlei berichtete, landete sie zusammen mit Familienmitgliedern am Flughafen Köln/Bonn. Anschließend traf sie in Düsseldorf den NRW-Ministerpräsidenten und Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU). Hier lesen Sie mehr.

Zarifa Ghafari: Die geflohene Frauenrechtlerin ist in Deutschland eingetroffen. (Quelle: Federico Gambarini//dpa)

US-Militär: Mindestens drei Babys während Evakuierungsaktion geboren

Im Rahmen der Evakuierungen aus Afghanistan sind nach Angaben des US-Militärs mindestens drei Babys auf die Welt gekommen. Seines Wissens nach seien es bislang drei gewesen, aber es gebe keine formelle Zählung, sagte General Steve Lyons am Montag bei einer Pressekonferenz des Pentagons. Lyons sprach über die afghanische Frau, die an Bord eines US-Evakuierungsflugzeugs ein Baby zur Welt gebracht hatte. Die Maschine war auf dem Weg zum US-Stützpunkt im pfälzischen Ramstein in Deutschland. Nach der Landung in Ramstein hat die Frau im Laderaum der Maschine mit Hilfe von Soldaten ein Mädchen zur Welt gebracht.

„Es gab tatsächlich mehr“, sagte Lyons, der Chef des Transportkommandos der USA ist. Auf Nachfrage erklärte er, ihm sei die Geburt von insgesamt drei Babys bekannt. Er konnte aber keine Details nennen. Offen blieb, ob die anderen beiden Babys ebenfalls in einem Flugzeug, in einer Einrichtung zur temporären Unterbringung wie Ramstein oder noch am Kabuler Flughafen zur Welt gekommen waren. Insgesamt sei das aber ein Zeichen der „beeindruckenden Arbeit unser großartigen Soldaten der Luftstreitkräfte“, so Lyons.

Habeck erwartet langfristigen Afghanistan-Abschiebestopp

Deutschland wird nach Einschätzung von Grünen-Co-Chef Robert Habeck für lange Zeit keine abgelehnten oder straffälligen Asylbewerber nach Afghanistan abschieben können. „Ich sehe nicht, wie wir Menschen in ein Taliban-Regime abschieben könnten, zumal dem Land nun ein Bürgerkrieg droht. Wir werden Islamisten und Straftäter also bei uns verurteilen und ihre Strafe hier weiterhin absitzen lassen müssen“, sagte Habeck der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Dienstag).

Bericht: G7-Staaten wollen Taliban geeint gegenübertreten

Die Staats- und Regierungschefs der G7 wollen einem Insider zufolge den radikal-islamischen Taliban geeint gegenübertreten. „Die Staats- und Regierungschefs der G7 werden sich koordinieren, ob und wann sie die Taliban anerkennen“, sagte ein europäischer Diplomat.

Außerdem wollten sie sich darauf verständigen, weiterhin eng zusammenzuarbeiten. Auch bei möglichen Sanktionen wollten sie mit einer Stimme sprechen. Der virtuelle Sondergipfel der G7-Staaten zur Lage in Afghanistan soll an diesem Dienstag stattfinden.

Auch Ischinger für Nationalen Sicherheitsrat

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, hat sich hinter die Forderung von Unionskanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) nach einem Nationalen Sicherheitsrat im Kanzleramt gestellt. „Schwierige oder gar gefährliche außenpolitische Situationen, in denen die Bundesregierung eine gemeinsame tragfähige Strategie benötigt, werden uns in der Zukunft häufiger bevorstehen. Darauf müssen wir organisatorisch und ressourcenmäßig vorbereitet sein“, sagte Ischinger der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Dienstag).

Er freue sich, dass die Forderung, den Bundessicherheitsrat auszubauen und Außen- und Sicherheitspolitik systematisch besser zu koordinieren, nun auch parteiübergreifend auf Zustimmung stoße. „Man hat ja den Eindruck, dass die Ministerien nicht sonderlich gut zusammengearbeitet haben – und das hat nun gravierende Konsequenzen für viele Menschen, aber eben auch für die außenpolitischen Interessen und das Gewicht der Bundesrepublik“, sagte Ischinger.

Großbritannien flog bislang über 7.000 Menschen aus

Großbritannien hat mehr als 7.000 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen. Wie das Verteidigungsministerium mitteilt, sollen die Rettungsflüge weitergehen, solange es die Sicherheitslage zulässt. Ein festes Datum für ein Ende der Flüge sei nicht bestimmt worden.

Dobrindt zu Afghanistan: Schlimmste Bilder stehen noch bevor

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat vor einer weiteren Eskalation der Lage in Afghanistan gewarnt. „Ich befürchte, dass die schlimmsten Bilder aus Afghanistan uns noch bevorstehen werden“, sagte Dobrindt „Focus Online“. „Es ist bisher nicht absehbar, wie lange die Situation am Flughafen in Kabul aufrechterhalten werden kann. Die Amerikaner jedenfalls sind in der Lage, Kabul innerhalb weniger Stunden zu verlassen. Damit wäre der Einsatz dort beendet – mit vermutlich sehr schwierigen Bildern für uns.“

CSU-Landesgruppenvorsitzender Alexander Dobrindt: „Ich glaube nicht daran, dass sich die Taliban von 2021 von den Taliban von 2001 unterscheiden.“ (Quelle: Peter Kneffel/dpa)

Dobrindt vertrat die Ansicht, nun kämen zwei große Herausforderungen auf den Westen zu. „Das eine ist die neue Terrorgefahr durch die Taliban. Ich glaube nicht daran, dass sich die Taliban von 2021 von den Taliban von 2001 unterscheiden. Darauf müssen wir uns einstellen und unsere Fähigkeiten international anpassen“, sagte er. „Die zweite ist eine langanhaltende Fluchtbewegung durch die Machtübernahme der Taliban. Auf diese Herausforderungen müssen wir uns vorbereiten.“

KSK-Soldaten retten Münchner Familie aus Kabul

Am Sonntag haben Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) eine Münchner Familie aus Afghanistan gerettet. Die Einsatzkräfte haben eine Mutter, deren 19-jährige Tochter und ihren 12-jährigen Sohn an den Flughafen von Kabul gebracht. Von dort wurden sie nach Taschkent im sicheren Nachbarland Usbekistan geflogen, berichtet der „Spiegel“.

Chaos am Flughafen in Kabul: Auf eigene Faust ist es einer Familie aus München nicht gelungen, einen Platz in einer Evakuierungsmaschine zu erlangen. (Quelle: Rahmatullah Alizadah/XinHua/dpa)

Die Rettungsaktion war demnach seit dem frühen Samstagmorgen geplant worden. Die Münchner Familie hatte schon mehrmals versucht, auf eigene Faust durch ein Gate in den Flughafen zu kommen. Als dies nicht gelang, entschied sich das KSK zur Rettungsaktion, so der „Spiegel“. Per Telefon habe man vereinbart, dass sich die Familie zwischen 21 und 23 Uhr dem sogenannten Abbey Gate nähern sollte, wo sie das KSK im Schutz der Dunkelheit abholen sollte.

Die Operation habe rund eine Stunde gedauert, neun Soldaten sollen beteiligt gewesen sein. Bisher hatte sich die Evakuierungsmission der Bundeswehr auf das Flughafengelände beschränkt. Zwei Hubschrauber, die zur Evakuierung von gefährdeten Menschen aus dem Stadtgebiet nach Afghanistan gebracht worden waren, kamen bisher nicht zum Einsatz. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte bei „Bild TV“, es sei im Moment fast nicht mehr möglich, zum Flughafen zu gelangen. „Deswegen müssen wir sehr viel stärker dazu übergehen, die Leute sozusagen abzuholen. Das tun wir.“

Bundeswehr evakuiert mehr als 300 Personen

Die Bundeswehr hat weitere 378 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Um 11.53 Uhr und 13.00 Uhr landete jeweils eine A400M mit den Geretteten in Taschkent in Usbekistan. Nach eigenen Angaben hat die Bundeswehr bereits mehr um die 3.000 Menschen evakuiert.

Kramp-Karrenbauer: „Ich halte den Kopf hin“

Nach der Eskalation der Lage in Afghanistan hat Annegret Kramp-Karrenbauer bereits gravierende Fehler eingeräumt. Nun spricht die Verteidigungsministerin von „persönlichen Konsequenzen“. Mehr dazu hier.

Taliban drohen den USA: Verlängerung der Besatzung „wird Konsequenzen haben“

Am 31. August sollen die Rettungsaktionen der USA aus Afghanistan enden. Nun sagte ein Sprecher der Taliban in Doha, der Hauptstadt Katars, dem Fernsehnetzwerk Sky News, eine Verlängerung der Frist zu Evakuierung käme einer Verlängerung der militärischen Besatzung seines Landes gleich. Das sei weder notwendig noch werde man sich darauf einlassen. Sollten sich die USA dazu entscheiden, werde das Konsequenzen haben, so der Sprecher weiter.

Johnson will Biden um Verlängerung bei Evakuierungseinsatz bitten

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson will sich bei US-Präsident Joe Biden für eine Verlängerung des Evakuierungseinsatzes in Afghanistan über die bisherige Deadline Ende August hinaus einsetzen. Das sagte Verteidigungs-Staatssekretär James Heappey dem Nachrichtensender Sky News am Montag. Johnson werde das Thema an diesem Dienstag bei einem Sondergipfel der G7-Staats- und Regierungschefs ansprechen.

Bericht: Helikopter werden vorerst nicht eingesetzt

Die nach Kabul gebrachten Helikopter der Spezialkräfte (KSK) werden wohl vorerst nicht eingesetzt. Das sagte ein Bundeswehr-Offizier dem „Focus“. Der Einsatz sei zu gefährlich, da die Taliban von den Helikoptern wüssten, hieß es. Die Geräte wurden angefordert, da sie klein und wendig sind und damit auch Menschen aus dem Stadtgebiet von Kabul evakuieren könnten. Die Bundeswehr hatte den Transport der Helikopter selbst fotografiert und in den sozialen Netzwerken verbreitet.

Bundeswehr meldet Feuergefecht am Eingang zum Flughafen Kabul

Am Flughafen von Kabul hat es laut Angaben der Bundeswehr am Montagmorgen ein Feuergefecht zwischen afghanischen Sicherheitskräften und unbekannten Angreifern gegeben. Dabei seien eine afghanische Sicherheitskraft getötet und drei weitere verletzt worden, meldete die Bundeswehr im Onlinedienst Twitter. Im weiteren Verlauf des Gefechts seien auch US- und deutsche Soldaten beteiligt gewesen. Alle Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr seien unverletzt. Nach Angaben der Bundeswehr kam es zu dem Schusswechsel gegen 4.15 Uhr (MESZ) am Nordtor des Airports.

Ältere Nachrichten zur Lage in Afghanistan lesen Sie hier,  in unserem vorherigen Newsblog.


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